RUPERT GRINT ÜBER DIE GANGSTERSERIE „SNATCH“ UND SEIN ENTKOMMEN AUS DER GEFANGENSCHAFT DES „HARRY POTTER“-UNIVERSUMS

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“

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Seine Kollegen, die Schauspieler Daniel Radcliffe (27) und Emma Watson (27), waren in den vergangenen Jahren auf der Leinwand präsent.

Doch viele „Harry Potter“-Fans fragten sich, was eigentlich Rupert Grint (28) alias Ron Weasley treibt, der Dritte im Bunde. Jetzt wissen wir’s: Er ist Koproduzent und Hauptdarsteller der zehnteiligen Krimiserie „Snatch“, die auf Guy Ritchies gleichnamigem Kinofilm aus dem Jahr 2000 basiert und ab heute im Pay-TV bei AXN läuft. Sie handelt von einer Gruppe junger Kleinganoven, denen ein Lastwagen mit gestohlenen Goldbarren in die Hände fällt. Wir treffen Rupert Grint kurz vor Abschluss der Dreharbeiten in Manchester. Es ist früh am Morgen, der 28-Jährige macht noch einen etwas verkaterten Eindruck und braucht erst einmal einen Kaffee. Aber dann läuft er langsam warm.

-Was erwartet uns in „Snatch“? Ein Aufguss des Kinofilms?

Nein, eben nicht. Wenn man einen Kultfilm richtig clever in eine Serie verwandeln möchte, muss man ihn komplett neu erfinden. Von Guy Ritchies Meisterwerk haben wir nur einige Kernelemente übernommen – das Kleinkriminellenmilieu, die pointierten Dialoge, die durchgestylte Inszenierung. Wir erzählen eine ganz andere Geschichte mit völlig neuen Figuren, darunter auch – im Unterschied zum Kinofilm – einige starke Frauen.

-Und was ist das für ein Kerl, den Sie da spielen?

Er heißt Charlie Cavendish, stammt aus einer total verarmten Adelsfamilie, ist ständig pleite und schlägt sich mit kleinen Gaunereien durchs Leben. Ein gutmütiger, sympathischer Chaot, der gern exzessiv feiert, wodurch er sich einige Chancen ruiniert.

-Sind Sie privat auch so ein Partyhengst?

Hm, also… (Druckst herum.) Nun, ich denke, in dieser Hinsicht sind wir einander recht ähnlich. (Lacht.)

-Charlie sieht auf den Szenenfotos immer ein bisschen aus wie ein Gentleman-Gangster…

Ja, er ist stolz auf seine Abstammung. Darum kleidet er sich, obwohl er kaum Geld hat, immer stilvoll, fast wie ein Mitglied der Königsfamilie. Zur Vorbereitung auf die Rolle habe ich mir viel von Prinz Harry abgeschaut – seine Körperhaltung, sein Gebaren, seine Sprechweise. Harry war, ohne es zu wissen, eine große Inspiration für mich.

-Genießen Sie es, vor der Kamera Dinge zu tun, für die man Sie im wirklichen Leben verhaften würde?

Und wie! Das erinnert mich an meine Kindheit. Schon als Bub habe ich gern Bankräuber gespielt. Guy Ritchies „Snatch“ habe ich damals im Kino gesehen, obwohl ich eigentlich viel zu jung war. Ich fand es toll, dass die Typen Sachen gemacht haben, die ich mich nie getraut hätte.

-Glauben Sie, dass Sie das Zeug zu einem guten Gauner hätten?

Nein, definitiv nicht. Als Verbrecher wäre ich ein kompletter Versager. Ich habe schon Schiss, wenn ich nur daran denke. Ich trage einfach nicht das Gangster-Gen in mir. Bereits beim Schwarzfahren würde ich Schweißausbrüche kriegen. Als Kind habe ich mal eine Haarbürste geklaut – mit fürchterlichen Schuldgefühlen hinterher.

-Haben Sie denn in Ihrem Leben nie etwas Verbotenes getan?

Abgesehen von der Haarbürsten-Nummer? Nein. Ich bin nicht der Typ für so etwas. Nun gut, hier und da mag ich mal zu schnell gefahren sein. Aber sonst… Nichts, was ich in diesem Interview zugeben sollte. (Lacht.)

-Was war für Sie die größte Herausforderung bei „Snatch“?

Die Actionszenen. Dazu muss ich sagen, dass Rennen nicht so mein Ding ist. Ein Sprint vor der Kamera fällt für mich schon in die Kategorie Stunt!

-Haben Sie für die Rolle extra trainiert?

Nein. Stimmt, das hätte ich vielleicht tun sollen… (Lacht.)

-Seit dem letzten „Harry Potter“-Film haben Sie unter anderem kleine Independent-Filme gedreht, Zeichentrickfiguren Ihre Stimme geliehen und in London und New York Theater gespielt. Ist es Ihnen wichtig, Verschiedenes auszuprobieren?

Ja. Im „Harry Potter“-Universum gefangen zu sein, so viele Jahre lang immer wieder dieselbe Figur verkörpern zu müssen, das hatte etwas Erdrückendes. Ich war froh, als es vorbei war – genau im richtigen Moment. Es war höchste Zeit, Versäumtes nachzuholen. Wer ständig dasselbe tut, lernt auch nichts dazu. Insofern waren die Dinge, die ich nach Harry Potter gemacht habe, wie eine dringend nötige Ausbildung für mich.

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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