EVA-MARIA LERCHENBERG-THÖNY INSZENIERTE JOHANNA SPYRIS „HEIDI“ FÜR DIE LUISENBURG-FESTSPIELE

Der Alm-Öhi residiert in Wunsiedel

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Ein Kinderbuchklassiker als Tanztheater: Mit „Heidi“ verabschiedet sich die Choreografin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny von den Luisenburg-Festspielen. Foto: Florian Miedl

von malve gradinger. Die Luisenfestspiele in Wunsiedel – ein jährliches Muss für Freilichttheater-Fans.

Jetzt könnte sich ein Trip für die ganze Familie lohnen. Denn Choreografin und Regisseurin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny bringt Johanna Spyris weltberühmte, mehrmals verfilmte „Heidi“-Geschichten (1880/81) am morgigen Mittwoch zur Premiere. Und zwar genau wie ihre im vergangenen Jahr erfolgreiche Version von Lorcas „Bluthochzeit“ in einer Mischung aus Sprech- und Tanztheater.

Die steil ansteigende Naturfelsenbühne ist ideale Kulisse für die verwaiste Heidi, die sich in der bergigen Natur wohlfühlt bei ihrem Alm-Öhi und mit dem neuen Spielkameraden, dem Geißen-Peter. Aber spricht dieser Stoff auch noch die heutige Tablet-, Smartphone- und Videogame-Generation an? Lerchenberg-Thöny ist davon überzeugt: „Heidi ist ein von innen heraus guter Mensch, ein Kind, das in einer unglaublichen Offenheit und Klarheit auf Menschen zugeht und offensichtlich etwas in ihnen bewegt. Das ist ein zeitloses Phänomen, ganz ähnlich wie bei St. Exupérys ,Kleinem Prinzen‘.“ Thema sei aber auch üble Nachrede, Ausgrenzung, Mobbing, ergänzt Lerchenberg-Thöny: „Heidi scheitert daran nicht, weil sie an einem Miteinander festhält.“

Das Stück zeige einen Weg auf, der herausführt aus Niederlagen, denen Kinder damals wie heute ausgesetzt sind. Lerchenberg-Thöny, aus ihren Tanzdirektionen in Augsburg und Braunschweig als risikofreudige „Tiefenarbeiterin“ bekannt, hat sich mit Spyris komplexem Werk einen mächtigen Brocken aufgeladen. „Die Bühnenadaption war tatsächlich nicht einfach“, gesteht sie. Dazu komme die Kombination von Sprech- und Tanztheater: „Es ist unglaublich, wie unterschiedlich die Darsteller der Sparten Schauspiel, Tanz und Musical denken und arbeiten. Es braucht da sehr viel Einfühlungsvermögen und viel Energie.“

Auch stilistisch, als Choreografin vorwiegend gesellschaftskritischer und/ oder hochdramatischer Tanzstücke, war sie neu gefordert. Kinderstücke aus eigener Feder hat sie schon vor Jahren für die Luisenfestspiele inszeniert, damals aber ohne Tanz. Bei „Heidi“ habe sie sich nun ganz auf das Fühlen und Denken dieses Kindes und dieser Menschen eingestimmt und so zu einer neuen Bewegungssprache gefunden. Möglich, dass die mit Jazz und Pop intensiv verheutigte bayerische Volksmusik der Band Haindling von Hans-Jürgen Buchner auch dazu beigetragen hat. „Er hat für mich bestehende Musiken neu arrangiert. In ihrer Dynamik und Erdung vermitteln sie genau meine choreografische Absicht“, sagt höchst zufrieden die Choreo-Regisseurin, die sogar zu eigenen pfiffigen Liedtexten inspiriert wurde.

Über der fünfwöchigen Proben-Euphorie lag aber auch ein Schatten. Denn „Heidi“ ist ihre letzte Arbeit für die Luisenfestspiele. Wie berichtet, wirft ihr Mann, Intendant Michael Lerchenberg, aufgrund „der aggressiven Wunsiedeler Kommunalpolitik“ vorzeitig das Handtuch: „Es kam zu Verleumdungen, Intrigen, persönlichen Angriffen, mich und auch meine Frau betreffend.“ Im Gespräch ergänzt Lerchenberg: „Wir haben zugunsten der Festspiele oft umsonst oder deutlich unter Wert gearbeitet.“ Trotz einer noch nicht ganz weggesteckten Verletzung schaut er mit Stolz zurück auf seine 14 erfolgreichen Luisenburg-Jahre. Und so, wie man beide kennt, werden wir sie bald im Theater wieder treffen – auf der Bühne oder am Regiepult.

Weitere Informationen:

www.luisenburg-aktuell.de

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