„Alles, was ich will, ist singen“

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Vom Backgroundsänger in die erste Reihe: Xavier Naidoo, ein Künstler, der sich von Zeit zu Zeit auch politisch äußert – und sich damit nicht nur Freunde macht. Foto: dpa

Porträt . Der Privatsender Vox zeigt an diesem Samstag eine vierstündige Doku über den Sänger Xavier Naidoo.

Von Sandra Cartolano

An Xavier Naidoo scheiden sich die Geister. Der Sänger aus Mannheim polarisiert mit seinen teils religiös verbrämten Liedtexten und seinen Verschwörungstheorien. Viele lieben ihn aber auch für seine offenen Worte und seine Nähe zum Publikum. Privates gibt der medienscheue Sänger nur selten preis. Kürzlich erst sagte er fast nebenbei: „Ich bin seit über einem Jahr Papa.“ Der Sender Vox will zeigen, wer der 43-Jährige („Dieser Weg“) wirklich ist. An diesem Samstag um 20.15 Uhr wird dort die vierstündige Dokumentattion „Bei meiner Seele – 20 Jahre Xavier Naidoo“ ausgestrahlt.

Zu Vox hat der Künstler ein besonderes Verhältnis. Im Programm des Senders aus der RTL-Gruppe läuft seit mehr als einem Jahr seine Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“. Und auch dort verriet er seine Vaterschaft. In der oft witzigen und manchmal auch rührenden Doku von Harold Woetzel erfährt der Zuschauer unter anderem, dass sich Naidoo vor Beginn seiner Karriere als Kochlehrling und Türsteher durchschlug und sich für Werbejingles vors Mikrofon stellte. Gezeigt werden Fotos aus Kindertagen und Auftritte des Teenagers mit seiner Schülerband. Zu Wort kommen immer wieder andere Stars, die ihn gut kennen, etwa der ebenfalls aus manheim stammende Komiker Bülent Ceylan und Sängerin Sarah Connor.

Naidoo erzählt die Geschichte seiner Familie, die aus Südafrika stammt. Von seiner Mutter, die gegen das Apartheidsregime kämpfte und aus dem Land fliehen musste, und von seinem schwierigen Verhältnis zum Vater. Er nimmt die Zuschauer mit zu einem Familientreffen nach Kapstadt und verrät, dass er einen bekannten Sänger in der Verwandtschaft hat.

Auch über Naidoos Kindheit und Jugend im Mannheimer Sadtteil Wallstadt erfährt man so einiges. Mitglieder von Naidoos Band Söhne Mannheims zeigen den winzigen Hobbykeller in der Mannheimer Gartenstadt, wo alle anfangs probten. Musikproduzent Moses Pelham, der im Jahr 1998 Naidoos erstes Album herausbrachte, erzählt, wie aus dem Backgroundsänger schließlich ein Star wurde.

Natürlich spielt auch der Auftritt vor den rechtspopulistischen sogenannten Reichsbürgern im Jahr 2014 eine Rolle. Für die Reichsbürger ist Deutschland kein souveräner Staat. Naidoo predigte am Tag der Deutschen Einheit vor dem Publikum über die von den USA besetzte Bundesrepublik und rief zum Widerstand auf. Von seinen Zuschauern wurde im Berliner Regierungsviertel wurde er dafür beklatscht – doch seither bekommt er viel Schelte. Vorwürfe, er sympathisiere mit den Rechten. Kritik an der Politik der USA äußert er seit Jahren. Der Sänger berichtet in der Doku, was ihn zu dem Auftritt bewogen hat und wie er die nachfolgende Debatte empfand.

Diese Debatte habe ein Zerrbild des Sängers gezeichnet, sagt Autor Woetzel. Er hingegen habe zeigen wollen, was wirklich hinter dem Künstler steckt. Er wolle Naidoo aber weder huldigen noch ihn verteidigen, sondern mit Distanz und zugleich Nähe seine Geschichte erzählen.

Vox-Chefredakteur Kai Sturm betonte, die Sendung sei „keine Rechtfertigungsdoku“. Man komme Naidoo außergewöhnlich nahe und sehe ihn dann „anders, neu und viel fairer“. Der Künstler gebe Einblick in viele Details aus seinem Leben, über die er noch nie ein großes Publikum informiert habe.

Ganz und gar privat wird es dann allerdings doch nicht. Naidoo spricht zwar über seine Familie, Frau und Sohn werden im Film jedoch nicht gezeigt. Von vornherein sei vereinbart gewesen, dass diese in der Sendung nicht zu sehen sein werden, sagt Autor Woetzel. Dafür kommt die Mutter des Sängers zu Wort. „Xavier, hab’ ich gesagt, Du musst was Ordentliches lernen“, erzählt sie. „Und er sagt: ,Mama, alles, was ich will, ist singen.‘“

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