DIE AKTUELLE SHOW „KAWUMM“ IST DAS GROßARTIGSTE PROGRAMM, SEIT DIE VARIETÉ-BÜHNE GOP 2008 IN MÜNCHEN ERÖFFNET HAT

Alles ist möglich

Von Jörg Heinrich. Wenn es eine Champions League des Varietés gäbe – dann  würde  dieser Titel 2018 doch noch nach München wandern.

Denn mit „Kawumm“ ist dem GOP ein unglaublicher Kracher gelungen. Die neue Show ist poetisch, lustig, politisch, provokativ und schlicht das großartigste Programm, seit das GOP 2008 in München Premiere feierte. Regisseur und Hauptdarsteller Markus Pabst, der längst als „Quentin Tarantino des Varietés“ gefeiert wird, erfindet hier mit grenzenloser Fantasie ein ganz neues Genre.

Mit „Dummy“ oder „Wet“ sorgte der Berliner bereits als kreativer Kopf für die besten GOP-Shows. Nun kehrt er nach 25 Jahren als Darsteller auf die Bühne zurück. Pabst spielt den pingeligen Buchhalter Herr Mutzmann, der sich aus seinen Zahlen eine Traumwelt zusammenspinnt. Es macht kawumm – und der Bürostuhl verwandelt sich in ein Schaukelpferd, um das Peter Pan, Pinocchio und Barbie herumtanzen. Hier kommt die junge Compagnie ins Spiel, die in Personalunion als Artisten, Zauberer und Musiker brilliert.

Pianist und Sänger Jack Woodhead aus England geht als unehelicher Sohn von „Frank N. Furter“ aus der „Rocky Horror Show“ durch. Jongleur Donial Kalex verblüfft mit LED-Stäben, die brennen, malen und Buchstaben hervorzaubern. Dazu Clown Collin, der seine Tattoos ausziehen kann, oder der chinesische Tenor Ye Fei, dessen „Nessun dorma“ in ein Heavy-Metal-Feuerwerk übergeht – ein Wunder jagt das nächste.

Doch das größte Wunder ist dieser Markus Pabst, der tatsächlich als Papst auf die Bühne kommt und den Ewiggestrigen die Leviten liest. Seine Predigt klingt zunächst finster und unversöhnlich. Dann wiederholt er die Sätze in umgekehrter Reihenfolge – und es wird eine Botschaft der Liebe und des Respekts daraus. Der eine oder andere Freund des klassischen Varietés kann mit dieser Chuzpe nichts anfangen, es gibt auch Unmutsbekundungen. Doch davon lässt sich Pabst nicht beirren. Am Ende hängt er mit dem Kopf nach unten an einem Ring und entlässt das Münchner Publikum mit seiner Botschaft: „Lasst das Träumen niemals sein!“ Da möchte man gleichzeitig stehend  applaudieren und vor Begeisterung niederknien. In „Kawumm“ ist alles möglich.

Vorstellungen

bis 22 Juli; Maximilianstraße 47;

Karten unter Telefonnummer 089/ 2 10 28 84 44.

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