DIE MÜNCHNER ANTIKENSAMMLUNGEN ZEIGEN DIE SONDERSCHAU „GRÖßER KEIN RUHM – KLEINE BILDER VOM SPORT“

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Ausstellung . Von Alexander Altmann.

Natürlich ist die Zeit längst vorbei, da der Mann unbedingt eine Briefmarkensammlung brauchte, um sie bei Bedarf der Angebeteten zeigen zu können. Insofern dürfte es Philatelisten besonders freuen, wenn sich auch heute gelegentlich noch ganz unerwartet die Möglichkeit auftut, ihre Schätze zu präsentieren – und das sogar einer größeren Öffentlichkeit an einem prominenten Ort. Ausgerechnet dort, wo man es am wenigsten erwartet, kommen Liebhaber von Postwertzeichen jetzt auf ihre Kosten: in den Münchner Antikensammlungen, dem berühmten Museum alter griechischer Vasen, prangen in einer neuen Sonderausstellung zahlreiche Briefmarken in Wandvitrinen.

Gar so abwegig wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist diese Kombination des Antiken mit dem Postalischen freilich nicht. Denn für die Auswahl der Marken war hier kein philatelistisches Kriterium entscheidend, sondern es zählten allein die Motive, die sie zeigen. Zu sehen sind also weder die Blaue Mauritius noch der Schwarze Einser, sondern Briefmarken mit Darstellungen von Athleten; und damit ist auch schon die Brücke geschlagen zu den alten Griechen, den Erfindern des Sports. „Größer kein Ruhm“ heißt, mit einem Homer-Zitat, die Ausstellung über „Kleine Bilder vom Sport“. Wobei diese Bilder oft tatsächlich so klein sind – Briefmarkengröße eben –, dass eine Lupe zur Betrachtung nicht schaden könnte.

Anlässlich sportlicher Großereignisse wie Olympischer Spiele oder Weltmeisterschaften bringen viele der teilnehmenden Staaten Briefmarken mit Motiven aus der Welt des Sports heraus. Eine Tradition, die zurückgeht auf das Jahr 1896, als in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit stattfanden, die angeblich sogar dadurch finanziert oder zumindest teilfinanziert wurden, dass Griechenland einen Satz Marken mit olympischen Motiven herausgab. Dass seit damals antike Statuen von Diskuswerfern oder Vasenmalereien, die Wettkämpfer darstellen, gerne auf Sportbriefmarken abgebildet werden, verwundert nicht. Ja, oft sind auf einer Marke sogar zeitgenössische Sportlerbilder mit solchen der Antike kombiniert, um aus der vermeintlich ehrwürdigen Vergangenheit einen Hauch von Bedeutsamkeit auf die neuzeitlichen Leibesertüchtigungen herüberwehen zu lassen.

Dass es dabei zu höchst kuriosen Kurz- und Fehlschlüssen kommen kann, führt die Münchner Ausstellung ebenfalls genüsslich vor. So ist etwa eine Briefmarke aus Tonga zu bewundern, die anlässlich der Olympiade von Atlanta 1996 herausgegeben wurde. Sie zeigt im Vordergrund einen modernen Speerwerfer und dahinter den berühmten Laokoon aus den Vatikanischen Museen, dem ein kühner Bildbearbeiter nach dem Motto „passt scho“ einfach statt der Schlange einen Speer in die Hand gedrückt hat. Ein besonderer Reiz der Schau besteht allerdings darin, dass etliche Marken altgriechische Kunstwerke zeigen, die sich im Besitz der Antikensammlung befinden. So ist etwa auf einer Briefmarke aus Laos, die anlässlich der Sommerspiele 1988 in Korea erschien, neben zwei Ringern eine attische Amphore abgebildet, auf der man Faustkämpfer nebst dem Schiedsrichter erkennt. Direkt neben der Marke kann man in der Vitrine diese Amphore im Original bewundern, die dem Miniaturbildchen eben doch vorzuziehen ist.

Bis 29. Juli,

Di.-So. 10-17 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr; 089/ 59 98 88 30.

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