DAS FRANZ MARC MUSEUM KOCHEL ZEIGT LANDSCHAFTEN VON PAUL KLEE ALS REISE INS LAND DER ERKENNTNIS

Alles kann, nichts muss

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„Burglandschaft mit dem schwarzen Blitz“ entstand 1920. foto: Museum

Von Freia Oliv. Ruhig.

Munter verspielt. Feurig lebendig. Dann wieder klar getaktet ist dieses Werk. Fast kann man das Adagio, dann das Andante, das schnellere Allegro hören, das sich zu einem Vivacissimo con fuoco aufbauscht. Doch wir sprechen nicht über Musik und die Tempoangaben, sondern über Landschaftsmalerei. Freilich sind es die eines meisterhaften Geigers: Paul Klee (1879- 1940) lässt in seinen „Landschaften“ alle seine Fähigkeiten zusammenfließen. Klang, Melodie, Rhythmus, vor allem Poesie sind es, die diese Bilderwelten im Kocheler Franz Marc Museum formen.

Mitunter kann man sogar wirklich Landschaften erkennen – Ziel der rund 50 Bilder ist das allerdings nicht. Vielmehr geht es um „Eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis“, und gemäß diesem Klee-Zitat im Untertitel reisen wir in dieser Ausstellung (unsere Zeitung ist Medienpartner) durch imaginäre Räume und Träume, durch immer neu aufblitzende Gedanken, nicht aussprechbare Bezüge, Harmonien, Spannungen, durch Wolken von Farben und Fächer von Stimmungen. Hier muss man nichts, aber darf man alles erkennen. Diese Freiheit lässt uns genau das, was wir brauchen: Anregungen.

Kein Wunder, dass Klee in diesem Frühjahr so beliebt ist. Das Marc-Museum kooperiert nicht nur zum zweiten Mal mit der Luganer Sammlung Braglia, die die Ausstellung übernehmen wird, sondern auch mit der Pinakothek der Moderne München, die ab 1. März Klees Bauhaus-Zeit und die „Konstruktion des Geheimnisses“ beleuchtet. Die Galerie Thomas widmet sich aktuell dem Musiker und Theatermann Klee (wir berichteten). Die Ludwig-Maximilians-Universität wird sich ab 12. April mit ihm im Rahmen einer Präsentation zur Räterepublik befassen.

Und Kochel? Macht das einzig Richtige aus seiner Traumlage am See: Der Fokus liegt auf den echten, vor allem auf den innerlichen Landschaftsreisen, die der Maler ebenso angetreten hat, wie es nun das Publikum tun soll. Zwischen federleicht getupften „Büschen im Frühling“ (1925) und den kraftvoll wuchernden Formen eines Tropischen Gartens“ (1919) folgt man diesem Entdeckungstrip. Der Spaziergang in der Landschaft wird zum Gleichnis für Bildschöpfung und Bildbetrachtung – und zum geistigen Aufbruch.

Wir reisen mit Klee zu sizilianischen Buchten (1925), in denen ein eifriges Menschlein nichtig klein in den Feldern einer großen Kulturlandschaft, umgeben von der Weite aus Meerblau und Siena-Natur, umherstapft. Der Grafiker Klee gliedert Stadtbilder in parallele Linienmuster, der Farbenmensch Klee setzt im stärksten Rot ein „Gewölk über BOR“ (1928), das wie Luftballons mit eingeschrieben Kürzeln wirkt. Klee lässt eine „Kosmische Architektur“ (1919) strahlend aus dem dunklen Grund aufleuchten, die in ihrer freien Zusammenstellung an das Surreale eines Max Ernst erinnert. Auch die öden Traumräume der Pittura Metafisica, eine italienische Strömung der 1910er-Jahre, wirken nach. Allerdings strahlt das „Orient-Fest“ (1927) pure Terrakotta-Wärme aus, hinter den schwarzen Zypressen und den knalligen Blütenpunkten kann man dem hüpfenden Silhouettenverlauf der Häuser folgen.

Es war Klee selbst, der 1923 den Seiltänzer als Alter Ego des kreativen Menschen entwickelte. In den wenigen „klassischen“ Texten dieser poetischen Schau wird auch dazu ein Zitat geliefert. Der Künstler sieht die „Weltabgewandtheit als Grundlage der schöpferischen Arbeit“, er „schwebt über den Dingen“, aber findet den Weg „mit schlafwandlerischer Sicherheit“. Klee tritt in Kochel die Beweisführung für diese These an.

Dazu zählt das sichere Farbgespür wie im gelb-rot-grau-orangefarbenen „Labyrinthischen Park“ (1939), die famose Form-Erfassung wie beim „Landschaftlichen Merkblatt“ (1939), die emotionale Kraft wie in der rosaroten „Landschaft für Verliebte“ (1924). Und dazu zählt die feine, naive und zugleich ausgeklügelte „Dünenlandschaft“ (1924), deren Wüstenblumen und Sternenhimmel wie auf Notenlinien aufgespannt sind. Dieses Bild ist die perfekte Konstruktion einer sinnlichen Unendlichkeit.

Informationen:

ab diesen Sonntag bis

10. Juni, Di. bis So. 10-17 Uhr, ab April bis 18 Uhr;

Katalog: 22 Euro;

Telefon: 08851/ 92 48 80.

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