BLATTKRITIK 

Alles außer gewöhnlich

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Ja, wir würden diesem Mann auch die nächste Ausgabe seines Magazins abkaufen – denn das erste Heft von Joko Winterscheidts Druckerzeugnis macht Lust auf mehr.

Die neue Zeitschrift „JWD“ sprüht vor Lebenslust – wie ihr Namensgeber Joko Winterscheidt

Von katja Kraft

Man muss kein Fan von Joko Winterscheidt sein, um dieses Heft zu mögen. Und genauso wenig muss man ein Mann sein. Obwohl Gruner & Jahr mit „JWD – Joko Winterscheidts Druckerzeugnis“ eigentlich vorwiegend die Herren ansprechen möchte.

Bisher ist der Blätterwald klar aufgeteilt. Die Mehrheit der Frauenzeitschriften befasst sich mit Diäten, Modetrends und Klatsch. Die der Männermagazine mit Autos, Bier und Fleisch. Es leben die Klischees! Nun funkt Winterscheidt mit seiner gewohnt unbekümmerten Art dazwischen und bietet ein Heft, das Männer wie Frauen mitnimmt auf eine Reise, die sie sich selbst vielleicht nie anzutreten wagen würden. Von Klischee keine Spur – es lebe die Offenheit für alles!

Alles heißt alles. Die lebenslustigen Reporter trauen sich was. Daniel Sippel zum Beispiel. Der trifft sich im Auftrag von „JWD“ zum Tinder-Date. In der heutigen Singlewelt keine große Sache. Hätten sie sich als Treffpunkt für das erste Rendezvous nicht das Pariser Restaurant „O’Naturel“ ausgesucht. Dort speist man – der Name verrät es –, wie die Natur einen geschaffen hat: nackt. Auf den Tellern gibt’s in dem vegetarischen Lokal kein Fleisch – dafür um einen herum umso mehr.

Man mag das zotig finden – oder man liest es mit dem kindlich-begeisterten Blick, mit dem die Redakteure selbst auf die Welt schauen. Zurück in die Jugend! In der man sich gegenseitig zu Mutproben anstachelte – und danach den Adrenalinkick genoss.

Was gehört noch zum erfüllten Leben? Unterwegs sein! Im Mini-Format, das auch ins Herrenportemonnaie passt, gibt’s künftig in jeder Ausgabe einen Tag-&Nacht-Guide eines interessanten Reiseziels. Restaurant-/Hotel- und Sightseeing-Tipps, dazwischen die wichtigsten Vokabeln (Ja! Nein!) und interessante Fakten.

Weitere gelungene Rubriken: „Unbeantwortete Fragen der Popmusik“, in der Liedzeilen wie „Who wants to live forever?“ geklärt werden; „Mann von Welt“ und „Frau von Welt“ – Porträts von Menschen, die alles außer gewöhnlich sind.

Und weil das hier eine Zeitschrift sein soll, die im digitalen Zeitalter länger als ein Drei-Monats-Abo überlebt, setzen Joko und sein Team auf den Mitmach-Effekt. Auf Instagram oder per Mail darf jeder kommentieren, meckern, loben – und damit das nächste Heft mitgestalten. So gelingt es ihnen sogar, eine der ältesten Zeitschriften-Rubriken in die neue Zeit zu retten: „Witze gegen Geld“ – jeder darf sie einsenden, bei Abdruck gibt’s zehn Euro. Wie zu besten „Bravo“-Zeiten. Vorfreude auf die nächste Ausgabe am 26. April.

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