Mit der Akribie eines Walt Disney

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„Ich nehme gerne das Nächstliegende“: Till Brönner in seiner Wahlheimat Los Angeles. Foto: Ali Kepenek (fkn)

interview . Till Brönner stellt in München sein neues Album vor: Eine Liebeserklärung an die gute alte Filmmusik.

Till Brönner kommt wieder nach München in den Gasteig. Der 43-jährige Jazztrompeter präsentiert dort „The Movie Album“ mit einem für ihm ungewöhnlich großen Ensemble. Wir sprachen mit dem ehemaligen Jurymitglied der Castinghow „X Factor“ (RTL und VOX) über Filmmusik, die irische Flöte in „My Heart Will Go On“ und warum es so wenig Musikerinnen in seinem Genre gibt.

-Herr Brönner, haben Sie für ihre CD stunden- und tagelang ferngesehen?

(Lacht.) Im Prinzip ja! Ich bin nach Los Angeles gezogen, und ich nehme gerne das Nächstliegende. Das ist nicht Faulheit, sondern ich entscheide mich oft für das, was mir am Anfang in den Kopf geschossen ist. Die Lieder sind mir über Jahre aufgefallen, und wenn sie mit der Trompete machbar waren, haben wir sie gemacht.

-Was war nicht machbar?

„Fluch der Karibik“. Mit Blockbustern hat man es schwer. Das ist oft Technikgewitter und hat nichts mit Liedkultur zu tun. Ähnlich war es bei „My Heart Will Go On“. Hier aber haben wir zum Schluss die irische Flöte weggelassen – die hat so genervt.

-Das Céline-Dion-Werk ist ein Beispiel für Lieder, mit dem man im Supermarkt bombadiert wird. Ist es nicht gefährlich, das noch einmal aufzulegen?

Das unverfänglichste sind Lieder aus Filmen, die kaum einer kennt. Aber ich halte die Assoziation mit den Bildern für nicht unwichtig. Ansonsten hätte ich wieder ein Album mit Eigenkompositionen machen können.

-Haben Sie schon Filmmusik komponiert?

Ja, zum Beispiel für Pepe Danquarts „Höllentour“. Aber das bindet einen und fordert ständige Kommunikation mit dem Regisseur. Die meisten Filmkomponisten kennt man nicht mehr. Sie hausen in Kellern und müssen mit Mini-Bugets in Rekordzeit etwas zusammenschreiben, das nach großem Orchester klingt. Darum beneide ich sie nicht.

-Was ist Ihr Lieblingslied auf der CD?

„When You Wish Upon A Star“ aus „Pinocchio”. Orchester in dieser reinen Form – das ist die Welt, aus der ich stamme. Pure Gestreiche und einsames Blech in der Mitte!

-Wann haben Sie das letzte Mal „Pinocchio“ angeschaut?

Das ist lang her. Aber es bleibt haften. Es gab gerade den Film „Saving Mr. Banks“, Tom Hanks spielt Walt Disney. Hier sieht man, mit welcher Akribie in seinen Studios an den Liedern gearbeitet wurde, und wie die Jungs am Klavier sich das Hirn zermarterten. So sollte es sein!

-Arbeiten Sie auch so?

Wenn ich komponiere ja. Das leere Blatt Papier ist das, was ich am meisten fürchte und deswegen ist das auch das Objekt, an dem ich mich therapeutisch abrackere.

-Was erwartet Ihre Zuhörer im Gasteig?

Wir sind das größte Ensemble, mit dem ich je unter meinem Namen aufgetreten bin. Es sind 22 Mann und Frauen – normalerweise sind wir nur Männer. Aber wir haben jetzt einen durchwegs weiblichen Streicherapparat dabei. Musikalisch wird es ein Rundumschlag aus meinen vergangenen 40 Jahren.

-Die aus Zorneding stammende Jazz-Schlagzeugerin Carola Grey sprach mal von einer Männerdomäne. Wollen Sie keine Damen?

Ich habe die Antwort dazu noch nicht gefunden. Vielleicht liegt das an den Instrumenten, zum Bedienen einer Trompete oder eines Saxophons braucht man Kraft. Vielleicht ist es unweiblich, eine E-Gitarre zu spielen? Andererseits, die erfolgreichsten Jazzsänger waren Frauen. Und die meisten Musiker würden sich freuen, wenn mehr Frauen dabei wären – dann wärs interessanter auf den Tourneen!

Das Gespräch führte Angelika Mayr.

Karten

für das Konzert am 16. März unter Tel.: 089/54 81 81 81.

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