Krebs: Immer mehr Patienten überleben

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Die Diagnose Krebs ist immer ein Schock. Doch es gibt auch eine gute Nachricht für Betroffene: Bei vielen Krebsarten haben sie heute bessere Chancen zu überleben, wie eine aktuelle Studie im Fachjournal „The Lancet“ belegt – auch Ältere profitieren.

WELTWEITE Studie

von STEFAN PARSCH (DPA) UND ANDREA EPPNER

Die Chancen, eine Krebserkrankung zu überleben, sind seit dem Jahr 2000 weltweit gestiegen. Allerdings bestehen große Unterschiede nach Ländern und nach Krebsarten. Das geht aus der internationalen Studie Concord-3 hervor, die kurz vor dem Weltkrebstag am 4. Februar in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Eine Gruppe um Claudia Allemani von der London School of Hygiene & Tropical Medicine in Großbritannien hat dazu Daten von 322 Krebsregistern aus 71 Ländern und Regionen ausgewertet. Auch in Deutschland sind die Überlebenschancen demnach bei fast allen untersuchten Krebsarten gestiegen.

Die Forscher machten die Daten vergleichbar und ordneten sie in Zeiträume von je fünf Jahren ein: 2000 bis 2004, 2005 bis 2009, 2010 bis 2014. Für jeden dieser Zeiträume ermittelten sie die durchschnittliche Rate der Patienten, die fünf Jahre nach der Diagnose noch lebten. Die Studie umfasste 18 Krebsarten oder -gruppen, die etwa drei Viertel aller Krebserkrankungen ausmachen: Speiseröhre, Magen, Dickdarm, Mastdarm, Leber, Bauchspeicheldrüse, Lunge, Brust (bei Frauen), Gebärmutterhals, Eierstock, Prostata und Melanom der Haut bei Erwachsenen sowie Hirntumoren, Leukämien und Lymphome bei Erwachsenen und Kindern.

Bei all diesen Erkrankungen haben sich die Überlebenschancen in Deutschland von 2000 bis 2014 verbessert. Nur bei der akuten lymphatischen Leukämie, einer Blutkrebsform, sank die Rate der Überlebenden von 94 auf 91,1 Prozent, blieb aber weiter hoch.

Dass Krebspatienten heute länger leben, ist auch die Erfahrung von Prof. Christian Straka, Chefarzt für Hämato-Onkologie am Klinikum Schwabing in München. „Wenn man Patienten viele Jahre behandelt, bemerkt man durchaus, dass heute viele, abhängig von Tumorart und -stadium, erfreulicherweise länger überleben“, sagt der Experte. Er führt das auf Fortschritte in vielen Bereichen zurück: So habe sich einerseits in der Diagnostik und bei der Früherkennung viel getan, anderseits seien die Therapiemöglichkeiten gewachsen. Es gebe viele neue Medikamente, wie etwa monoklonale Antikörper und Immunmodulatoren, die teils sogar bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumorstadien gut wirken. Chirurgische Eingriffe und der Einsatz der Strahlentherapie seien präziser geworden. Auch die individualisierte Kombination verschiedener Methoden – also etwa OP, Chemotherapie und Bestrahlung – sei heute effektiver.

Bei älteren Krebspatienten seien die Überlebensraten zwar nicht ganz so stark gestiegen wie bei jüngeren, sagt Straka. Das liege vor allem daran, dass sie oft an Begleiterkrankungen leiden. „Aber auch bei ihnen gibt es große Fortschritte“, sagt der Experte. So werde die Therapie heute ihren Bedürfnissen gemäß angepasst, also quasi maßgeschneidert.

Allgemein gab es der „Lancet“-Studie zufolge zum Beispiel Fortschritte bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs – wenn auch auf niedrigem Niveau: Die Überlebensrate stieg von 8 auf 10,7 Prozent, was einer Steigerung um ein Drittel entspricht. Auch beim Speiseröhrenkrebs (von 16,6 auf 20,8 Prozent) und beim Lungenkrebs (von 14,9 auf 18,3 Prozent) gibt es verhältnismäßig große Fortschritte. Dennoch bleiben sie die tödlichsten Krebsarten. Die Zahlen haben allerdings eine eingeschränkte Aussagekraft, weil die Krebsregister nur 36,8 Prozent der deutschen Einwohner repräsentieren. Unter anderem fehlen die Daten aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Im Vergleich steht Deutschland aber überwiegend im oberen Drittel der untersuchten Staaten. Die größten Chancen, eine Krebserkrankung zu überstehen, gibt es in den USA und in Kanada, in Australien und Neuseeland sowie in den nordeuropäischen Ländern Finnland, Island, Norwegen und Schweden. Dänemark hat den Studienautoren zufolge in den untersuchten Jahren große Steigerungsraten erzielt. Den weltweit größten Unterschied gibt es übrigens bei Hirntumoren im Kindesalter: Beträgt die aktuelle Überlebensrate in Brasilien nur 28,9 Prozent, liegt sie in Schweden bei fast 80 Prozent.

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