Kommt doch auf die Straße...

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- Kraiburg (ng) - Nach siebenjähriger Pause wird am Faschingswochenende in der Marktgemeinde wieder der Schäfflertanz aufgeführt. Die Heimatzeitung wirft einen Blick zurück auf diese alte Tradition in Kraiburg.

<P></P><P>Man schrieb das Jahr 1517, auch in München ging die grausame Pestzeit zu Ende. Um die verängstigte Bevölkerung wieder auf die Straßen und Plätze zu</P><P>locken, um den Menschen wieder Lebensfreude zu vermitteln, zog die Schäfflerzunft mit ihrem Tanz durch die Stadt.</P><P>In den folgenden Jahrhunderten breitete sich der Tanz der zahlreichen Schäfflerzünfte weit über die Region München hinaus aus. Auch in Kraiburg hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Vorstandschaft des Turnvereins die Idee, den Schäfflertanz aufzuführen.</P><P>Doch es dauerte ganze 35 Jahre, bis unter der Vorstandschaft von Raimund Diener am 26. Februar 1930 die erste Aufführung des Schäfflertanzes vor dem vollständig versammelten Gemeinderat vor dem Rathaus stattfand.</P><P>Teilnehmen durften nur aktive Mitglieder des Turnvereins. Bartl Bach aus Mühldorf hatte den Kraiburger Turnern an sechs Probeabenden den "Original Münchner Schäffler Tanz" beigebracht. Gegen eine Leihgebühr von 100 Mark stellten die Mühldorfer schließlich auch noch die Kostüme zur Verfügung.</P><P>Vier Tage tanzten die Schäffler in den Straßen, "wobei der Besucherstrom aus nah und fern von Tag zu Tag zunahm", wie in der Chronik des Turnvereins festgehalten wurde. Kurioserweise wurde der nächste Schäfflertanz schon sechs Jahre später, nämlich 1936 aufgeführt.</P><P>Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg war dann Pause bis 1949. Vor allem die Familien Diener, Geist, Hartig und Fröhler waren es, die den Schäfflertanz erneut auf die Beine stellten.</P><P>Größte Probleme bereitete die Beschaffung der notwendigen Kostüme, bis dann Fab-rikant Käppner das Sackleinen für die Jacken stiftete. Ein Teil dieser</P><P>Jacken wurde sogar noch beim letzten Tanz 1997 getragen. Als Kronenträger fungierte Michael Raimer, der bis ins hohe Alter keinem Jüngeren die Krone überließ.</P><P>1955 feierte der Turnverein sein 90-jähriges Jubiläum. Dieses Fest sollte durch den Schäfflertanz bereichert werden. Deshalb nahm man es mit der Tradition wiederum nicht so genau und brach zum letzten Mal den Rhythmus von sieben Jahren.</P><P>Schäfflermeister war Xaver Fröhler, Tanzlehrer Ignaz Diener und Fred Ludwig als artistischer Clown sowie Willi Haunreiter als Kasperl waren herausragende Akteure. Unter den aktiven Tänzern war bereits Meinhard Wagner, der damit heuer zum achten Mal am Schäfflertanz teilnimmt. Erstmals traten die Schäffler auch in Waldkraiburg auf.</P><P>Für den Schäfflertanz 1962 trat Adi Sieghart als "Musikus" beim Einlernen des Tanzes auf. Er übt dieses wichtige Amt heute noch mit seinem Akkordeon aus. Damit hat der Adi mindestens 1000 Mal "Aber heit is koit" auf seiner Ziach gespielt.</P><P>Mit vielen Problemen begannen die Vorbereitungen für den Tanz im Jahr 1969. Es war schwierig, genügend Tänzer zu finden, da sehr viele junge Männer auswärts arbeiteten und nur am Wochenende heimkamen. Vor allem bei den Fußballern und der Feuerwehr fand man schließlich aktive Tänzer. Hans Brandl startete seine "Karriere" als Vortänzer.</P><P>Erstmals wurde auch ein Film vom Schäfflertanz gedreht, um für das Einstudieren des Tanzes in den künftigen Jahren Anschauungs- und Lernmaterial zu haben.</P><P>Zum letzten Mal leitete 1976 Franz Mayr das Einstudieren des Tanzes. Herbert Fröhler trat neben Heini Eder als Schäfflermeister in die Fußstapfen seines Vaters. Vermerkt ist in der Chronik, dass einige Jacken neu genäht werden mussten, "da etliche Wirtschaftswunder-Schäffler nicht mehr in die schmalbrüstigen Kostüme der Nachkriegszeit hineinzuzwängen waren".</P><P>Sieben Jahre später, beim Schäfflertanz 1983, wurde dann erstmals die junge Kraiburger Blaskapelle verpflichtet. Attraktion der aktiven Schäffler war Alexander Hamberger, der indische Adoptivsohn von Pfarrer Josef Hamberger, der ohne Probleme integriert worden war. Die genau 50 Tänze wurden "bei beißender Kälte" aufgeführt.</P><P>Auch 1990 wurde die viele Arbeit der Vorbereitung hauptsächlich von Schäfflermeister Herbert Fröhler und Trainer wie Vortänzer Hans Brandl geleistet. Verbandspfarrer Hamberger leistete große Unterstützung, in dem er den Schäfflern neue Kappen spendierte, da die alten nicht mehr auf die "Wohlstands-Köpfe" passten.</P><P>Am Faschingssonntag zwang ein plötzlicher Blizzard die Schäffler zum Abbruch der Aufführungen. Die ausgefallenen Tänze wurden dann eine Woche später nachgeholt.</P><P>Noch einmal organisierte 1997 Herbert Fröhler als Ers-ter Schäfflermeister mit Hans Brandl als Zweitem Schäfflermeister und Herbert Ganglfinger als Vortänzer den Schäfflertanz. Erstmals wirkten auch Burschen aus der ehemaligen Gemeinde Guttenburg aktiv mit. Und Mädchen der Narrengilde engagierten sich als</P><P>lustige Clowns und Schäfflerinnen.</P><P>Unmittelbar nach Ende des Tanzes 1997 war die schwere Erkrankung des oftmaligen Schäfflermeisters Herbert Fröhler ein Schock für alle Kraiburger Schäfflerfreunde. So bildete sich für die diesjährigen Tänze ein Arbeitskreis um die langjährigen Schäffler Herbert Ganglfinger und Hans Brandl, der die Vorbereitungen zielstrebig anpackte. Bereits seit Oktober laufen die Proben, um dann ausdrucksstarke Aufführungen zu garantieren.</P><BR>

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