Kochen mit dem Gold der Hallertau

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In unserer Freitags-Serie verraten Menschen ihr Küchengeheimnis. Diesmal sind wir zu Gast in der Hallertau, dem weltweit größten Anbau-Gebiet für Hopfen. Hilde Heindl (52) greift beim Kochen nicht zum Bier, sondern zum Hopfen-Secco. Mit überraschenden Geschmacks-Erlebnissen.

mein küchengeheimnis

von Stephanie Ebner

„Wen der Hopfen kratzt, den lässt er nicht mehr los“, sagen die Leute in der Hallertau. Und wer in einem Hopfenbetrieb aufwächst, bei dem ist es nicht weiter verwunderlich, dass Hopfen eines Tages sein Leben bestimmt. So war es zumindest bei Hilde Heindl.

Stolz trägt sie eine Kette mit einer stilisierten Hopfendolde um den Hals und nimmt einen Schluck Hopfen-Secco, den sie selbst kreiert hat. Getrunken wird freilich nicht aus schnöden Sektkelchen, die Hallertauerin hat eigene Hopfen-Secco-Gläser entworfen – mit einer grünen Hopfendolde am Glasstiel. Hopfen kunstvoll serviert. Das ist die Berufung von Hilde Heindl: „Es macht viel Arbeit. Aber es macht mich auch unheimlich stolz.“

„Der Hopfen will jeden Tag seinen Herr’n sehen“, sagen die Landwirte. Hopfen anbauen sei harte Arbeit, der Bauer muss viel investieren, bevor das grüne Gold als Brauhopfen in alle Welt gehen kann. Das gilt auch für den Hopfen-Secco-Betrieb „Holled’Auer, den sich Hilde Heindl in den vergangenen Jahren aufgebaut hat.

„Wegen meines niedrigen Blutdrucks trinke ich gerne mal ein Glas Prosecco. Da lag es eigentlich auf der Hand, ein Perlgetränk mit einer Hopfennote zu entwickeln“, erzählt sie von den Anfängen. Die Grundlage für ihren Secco ist ein deutscher Wein, dazu ein helles Bier aus der Hallertau sowie Kräuter. Die genauen Inhaltsstoffe verrät sie nicht. Jedes Jahr schmeckt der Secco ein bisschen anders.

Zu den schönsten Kindheitserinnerungen von Hilde Heindl gehört, dass „die ganze Hallertau, wirklich jeder Hof, im Herbst nach Hopfen geduftet hat“.

Zwar erlernte die Hallertauerin zunächst den Beruf der Arzthelferin, doch als eine Stelle im Auer Hopfenlabor frei wurde, wechselte sie dorthin. „Ich hatte Labor-Erfahrung, das kam mir zugute“, sagt sie rückblickend. Fortan hat sie den Hopfen analysiert und die Bitterwerte getestet. „Im August hatten wir immer Hochbetrieb. Da haben wir aus der ganzen Region Hopfen geholt und untersucht.“ Bereits nach vier Jahren übernahm die junge Hallertauerin die Laborleitung.

Hilde Heindl kann viel über den Hopfen erzählen. So berichtet sie, dass bereits Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert den Hopfen als Heilpflanze eingestuft hat, weil er eine antibakterielle Wirkung habe. „Als die Pest im Land wütete, war Bier das einzige Nahrungsmittel, das man unbedenklich zu sich nehmen konnte.“ Außerdem hat Bier, ebenso wie Baldrian, eine einschläfernde Wirkung. „Ach ja und für Frauen ist Bier besonders gesund: Bier ist gut gegen Osteoporose.“

Hopfen ist wuchtig. Am Tag wächst die Hopfenpflanze bis zu 30 Zentimeter. Jetzt im Sommer ragen die Ranken bis zu elf Meter hoch und bestimmen das Bild der Hallertau. „Wir sind weltweit das größte Anbaugebiet. Die Hallertau ist abgegrenzt durch die 15 Siegelbezirke, zu den größten gehören Wolnzach, Au, Mainburg und Pfaffenhofen.“

Hopfen ist Heimatgefühl. Deshalb bestimmt die Pflanze Hilde Heindls Leben auch, nachdem das Hopfenlabor in den 1990ern schloss. Zwar orientierte sich die heute 52-Jährige beruflich neu um und erlernte den Beruf der Finanzbuchhalterin. Doch nach und nach nahmen neue Hopfen-Inhalte immer mehr Raum ein: 2005, als der Tourismusverband begann, den Hopfen für Auswärtige zu vermarkten, stiegt die Auerin in das Geschehen um den Hopfen aktiv mit ein. Seither organisiert sie unter anderem Hopfen-Events.

„Ich bin stolz, eine Hallertauerin zu sein“, sagt sie über sich. Mittlerweile hat sie sich zur Bier-Sommeliere weiterbilden lassen. Woanders leben als in der Hallertau kommt deshalb für die Mutter von zwei erwachsenen Kindern nicht infrage. „Einmal hatte mein Mann ein berufliches Angebot, nach Berlin zu gehen. Doch wir waren uns alle einig, dass wir hier blieben wollten.“

Und auch die nächste Generation sitzt schon in den Startlöchern: Tochter Juliane, gerade 18 geworden, überlegt, nach dem Abitur Brau- und Getränketechnologie zu studieren. Darauf stößt die Familie schon mal mit dem eigenen Hopfengetränk an.

Die Hallertau und der Hopfen haben Zukunft.

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