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Gelblich, porös und oft schmerzhaft

Kinderkrankheit Kreidezähne auf dem Vormarsch

Hinter sogenannten Kreidezähnen steckt eine Mineralisierungsstörung. Die Ursachen sind bislang unbekannt. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Hinter sogenannten Kreidezähnen steckt eine Mineralisierungsstörung. Die Ursachen sind bislang unbekannt. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Viele Kinder leiden unter gelblich oder bräunlich verfärbten, porösen und beim Putzen schmerzenden Zähnen. Doch woher kommt das Phänomen der so genannten Kreidezähne?

München – Als er klein war, legte Gymnasiast Severin S. seine Milchzähne unter das Kopfkissen und freute sich, dass die Zahnfee zuverlässig am darauffolgenden Morgen den Zahn abgeholt und ihm eine kleine Überraschung hingelegt hatte.

Vor Kurzem aber staunte der 14-Jährige nicht schlecht, als er seine ausgefallenen Milchzähne wieder in die Hände bekam. Einige von ihnen sind inzwischen völlig zerbröselt. Sein Zahnarzt hatte ihm zwar die Milchzähne versiegelt, als er ein kleiner Bub war, aber dennoch hatte er früher fleckige Zähne – vor allem die Backenzähne.

Der Zahnschmelz sei nicht gut ausgebildet, sagte der Zahnarzt der Familie – und fügte hinzu, dass man nur hoffen könne, dass dies bei den zweiten Zähnen besser würde. Immerhin: Das wurde es. Aber wie kommt es, dass die Milchzähne trotz regelmäßigen Putzens so brüchig wurden? Es handelt sich um Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – umgangssprachlich Kreidezähne, diagnostizierte der Zahnarzt von Severin S. Laut dem aktuellen Zahnreport der Barmer-Krankenkasse könnten bestimmte Antibiotika eine der lange gesuchten Ursachen sogenannter Kreidezähne bei Kindern sein.

Mindestens 450.000 Kinder in Deutschland hätten solche gelblich oder bräunlich verfärbten, porösen und beim Putzen schmerzenden Zähne, die behandelt werden müssen, schreibt die Barmer. Inzwischen sind Kreidezähne die zweite schwerwiegende Zahnerkrankung bei Heranwachsenden. Möglicherweise könnten Antibiotika hinter den unzureichend mineralisierten Zähnen stecken, vermuten die Experten, die für die Barmer den Report erarbeiteten. Nun aber hat beispielsweise Severin S. im Kleinkindalter keine Antibiotika erhalten, ebenso wenig hat seine Mutter in der Schwangerschaft welche einnehmen müssen.

Verdacht auf zu viel Fluorid als Auslöser

Der Münchner Zahnarzt Dr. Paul Schuh hat einen weiteren Verdacht: „Zuviel Fluorid kann eine Fluorose hervorrufen und den Zahnschmelz weisslich bis gelblich verfärben, dies macht den Zahn anfälliger für Karies“, sagt er. Das Problem: Kinderärzte verordnen Fluoridtabletten und Zahnärzte empfehlen fluoridhaltige Zahnpasta.

„So kommt es manchmal ungewollt zu Überdosierungen“, sagt der Zahnarzt. Das Thema sei heiß diskutiert, daher haben sich Vertreter der Fachgesellschaften und Verbände von Zahnärzten, Kinder- und Jugendärzten, Hebammen und Ernährungsmedizinern, begleitet vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nun im April diesen Jahres einen hochaktuellen Kompromiss erarbeitet. „Fluorid in Tablettenform nur noch bis der erste Zahn durchgebrochen ist, dann Zahnpasta mit Fluorid“ , sagt Schuh.

Er rät Betroffenen, sich gut beraten zu lassen und dann eventuell die Zähne mit Kunststoff zu infiltrieren, um so den Zahnschmelz mit Kunststoff aufzufüllen. „Man kann hier mit einer schonenden Art ohne zu bohren den brüchigen Zahnschmelz wieder abdichten und so verhindern, dass Karies das Zahnhartgewebe und den Zahnschmelz noch weiter schädigen“, sagt Schuh.Sein Zahnarzt will Severin S. mindestens zweimal im Jahr sehen, um seine zweiten Zähne bestmöglich zu schützen. Vor allem, weil ja unklar ist, weshalb Severin S. bei manchen Zähnen eine Störung bei der Bildung des Zahnschmelzes hatte.

Auch Antibiotika und Weichmacher stehen im Verdacht

Denn über die genaue Entstehung der Kreidezähne ist bisher nur wenig bekannt, was sie laut Barmer-Chef Christoph Straub „besonders tückisch“ macht. Ernährung und regelmäßiges Putzen haben auf die Erkrankung laut Straub keinen erkennbaren Einfluss. „Somit ist die Prävention nahezu unmöglich.“ Für die Eltern betroffener Kinder sei das aber eine wichtige Botschaft, denn sie wüssten nun, dass sie beim Putzen und der Ernährung der Kinder nichts falsch gemacht haben.

Für den Zahnreport der Barmer wurden Medikamentenverordnungen bei Kindern mit und ohne Kreidezähnen analysiert. Dabei seien auch verschiedene Antibiotika geprüft worden, die zum Beispiel bei Atem- oder Harnwegsinfekten eingesetzt werden. Kinder mit geschädigten Zähnen haben demnach in den ersten vier Lebensjahren etwa zehn Prozent mehr häufig angewendete Antibiotika verschrieben bekommen als Kinder ohne Kreidezähne.

Experten vermuten bisher neben der Antibiotikagabe Weichmacher aus Kunststoffen, die mit der Nahrung aufgenommen werden, als eine Ursache. Zudem wurden als mögliche Auslöser auch Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Windpocken, Einflüsse durch Dioxine sowie Erkrankungen der oberen Luftwege genannt.

Im Jahr 1987 wurde die sogenannte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) erstmals wissenschaftlich beschrieben. In schweren Fällen kann der Zahnschmelz wegen der Mineralisierungsstörung absplittern. Solche Kreidezähne sind äußerst schmerzempfindlich und reagieren sehr sensibel auf Hitze, Kälte und Zähneputzen.

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