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Kampf gegen Skidiebe

Ein paar Minuten genügen. Da geht man kurz in eine Skihütte, gönnt sich Apfelstrudel und einen Milchkaffee. Und dann, nach der Hütteneinkehr, die böse Überraschung: Die Skier sind weg!

Freizeit aktiv: Funkchip und Safeman für mehr Sicherheit am Pistenrand

Ein paar Minuten genügen. Da geht man kurz in eine Skihütte, gönnt sich Apfelstrudel und einen Milchkaffee. Und dann, nach der Hütteneinkehr, die böse Überraschung: Die Skier sind weg!

Von Martin Becker

Mit offiziellen Zahlen sind die Versicherungen zurückhaltend, aber Branchenkenner bestätigen: Skidiebstahl ist für Gaunerbanden und Gelegenheitsdiebe ein florierendes Geschäft. In der Schweiz zum Beispiel kommen pro Jahr durchschnittlich etwa 1200 Fälle zur Anzeige, aus Österreich wird inzwischen sogar eine fünfstellige Zahl kolportiert. „Ja, das ist leider ein enorm relevantes Thema“, bestätigt Alexander Dillig vom Deutschen Skilehrerverband. Er ist persönlich leidgeprüft: Vor einem Jahr, bei einer internen Fortbildung im Skigebiet Garmisch-Classic, kamen seiner Gruppe auf einen Schlag drei Paar hochwertige Skier abhanden. Und die Stöcke ebenfalls. Was tun gegen Skidiebe?

Grundsätzlich droht bei zwei Szenarien Gefahr. Erstens: bei der Hütteneinkehr, egal ob zur Mittagspause oder zum Apres-Ski. Zweitens: bei der Lagerung der Skiausrüstung über Nacht im Urlaubsdomizil.

„Gegen gewerbsmäßig agierende Profis ist man nie gefeit“, sagt Alexander Dillig. „Aber mit relativ wenig Aufwand lässt sich eine Barriere aufbauen, die zumindest Gelegenheitsdiebe abschreckt.“ Sein Tipp: Skier untereinander vertauschen und als „ungleiches Paar“ deponieren. Einen kurzen zusammen mit einem langen abstellen, einen blauen mit einem roten. „Derart kombiniert ist es offensichtlich, dass die Skier nicht zusammengehören“, hat Dillig gute Erfahrungen damit gemacht, innerhalb einer Gruppe oder Familie das Material vertauscht abzustellen.

Michael Berner vom Deutschen Skiverband sieht das gezielte Ski-Vertauschen indes mit Skepsis. „Oft ist es so, dass Skidiebe längst vor der Hütte lauern und ihre Opfer ausspionieren. Wenn sie sehen, dass Skier vertauscht sind, signalisiert dies ihnen zweierlei. Dass die Hüttenpause wohl ein bisschen länger dauert. Und dass es sich um hochwertige, somit lukrative Ausrüstung handelt.“

Wer auf Nummer sicher gehen will, dem empfiehlt Berner eine spezielle Skiversicherung, wie sie der DSV für 30 Jahr pro Jahr anbietet. Inkludiert sind nicht nur Diebstahl, sondern auch Verlust im Tiefschnee oder Bruch des Materials. Der Zeitraum für das Hüttensz:enario ist erst unlängst realitätsnah angepasst und auf 7 bis 22 Uhr erweitert worden. Über Nacht sind Skier in einem „ortsfesten Raum“ versichert – in der Regel einem Skikeller oder einer verschlossenen Autodachbox. Und auch Skikeller von Hotels, weiß Berner, seien selbst bei Videoüberwachung keine Garantie gegen Skidiebstahl: „Möglicherweise steht der Dieb, als Gast getarnt, hinter Ihnen und merkt sich bei Nummerncodes die Ziffernfolge, die Sie am Skikeller eintippen.“

Wenn der Versicherungsfall eintritt, muss der Geschädigte natürlich etwas vorweisen können: die Quittung vom Kauf der Skiausrüstung beispielsweise. In Österreich setzt die Kriminalpolizei bei der Fahndung nach Skidieben auf den „sicheren Skipass“, den jeder im Internet gratis herunterladen kann. Auf der Karte, optisch einem typischen Skipass nachempfunden, ist Platz zum Eintragen der individuellen Merkmale (Seriennummer, Fabrikat, Farbe) des Wintersportgerätes. Diese Daten würden helfen, beispielsweise bei Grenzkontrollen Diebesgut zu identifizieren.

„Eine Versicherung ist der beste Schutz – dann brauche ich mich nur kurz zu ärgern“, lautet das Credo von Michael Berner. Doch wenn jemand sich gar nicht ärgern und den Skidiebstahl von Vornherein vermeiden will?

Damit beschäftigt sich seit vielen Jahren Robert Wasserrab, Ingenieur auf Pfaffenhofen an der Ilm. Als Betroffener („Mir sind, in Ischgl und Saalbach, innerhalb weniger Wochen zweimal vor der Hütte die Skier entwendet worden“) tüftelt er seit drei Jahren an seinem Anti-Skidiebstahl-System „Keywaro“, das mittlerweile Marktreife erlangt habe und nun darauf wartet, von der Skiindustrie aufgegriffen zu werden. Das Prinzip: Skischuh und Bindung korrespondieren über integrierte Chips und die RFID-Technologie miteinander, genau wie ein berührungsloser Skipass mit dem Drehkreuz am Lift. Wasserrab hat eine Sperre entwickelt, bei der in der Skibindung eine optisch unübersehbare Blockierplatte hochfährt – sie reagiert erst ab einer Entfernung von 30 Zentimetern auf den Chip im Skischuh des Besitzers. Eine Skinutzung für Unbefugte? Unmöglich. „Die müssten die komplette Bindung abmontieren“, sagt Wasserrab. „Für Diebe ist das unattraktiv.“

Seit drei Jahren stellt er sein System als Prototyp auf der Sportartikelmesse Ispo vor, befand sich mit dem österreichischen Skihersteller Atomic auch schon in konkreten Verhandlungen. „Das Hauptproblem war“, erläutert Wasserrab, „wie bekomme ich die Energie her für den klitzekleinen Motor, der in der Bindungsplatte sitzt und die Sperre aktiviert?“ Mittlerweile ist dieses technische Detail gelöst: 0,003 Watt sind für eine Drehung nötig, das Keywaro-System schafft 1056 Einstiegsvorgänge und hält damit, ohne nachgeladen werden zu müssen, locker eine ganze Saison. Auch das Aufladen ist per Induktion, wie bei einer elektrischen Zahnbürste, komfortabel. Nässe und Kälte können der in einen Plastikkubus eingeschweißten Technologie ebenfalls nichts anhaben.

„Es ist so einfach“, findet Wasserrab. „Der Ski identifiziert über das verschlüsselte Signal seinen Besitzer – kein anderer kann die Ausrüstung benutzen.“ Eine hochinteressante, mit entsprechenden Patenten gesicherte Idee – nun hofft der Ingenieur darauf, dass ein Ski- oder Bindungshersteller sie für die breite Masse aufgreift.

Schon auf dem Markt erhältlich ist das speziell gegen Skidiebe entwickelte Schloss „Safeman“ (14,90 Euro) von Ludwig Asenstorfer aus Penzberg. Ein Ski hier, einer da: „Das habe ich früher auch gemacht, und es hat mich genervt“, sagt der Maschinenbaukonstrukteur. „Also habe ich eine kleine, praktikable Lösung gesucht.“ 130 Gramm leicht ist sein Kabelschloss, es passt in jede Jackentasche und lässt sich im Handumdrehen bedienen. Ein kunststoffummanteltes, 75 Zentimeter langes Edelstahlseil arretiert Skier, idealerweise im Bindungsbereich (damit das Kabel nicht abgestreift werden kann. Durch die intelligente Konstruktion ist es auch möglich, zwei Schlaufen unterschiedlicher Größe zu bilden und diese festzuzurren. „Natürlich hat man damit gegen einen Profidieb mit Bolzenschneider keine Chance“, weiß Asensdorfer. „Aber 60 Prozent aller Fälle sind Gelegenheitsdiebstähle. Und gegen die kann man sich mit dem ,Safeman‘ wappnen.“ Denn wer vor einer Hütte mit Werkzeug am Skiständer herumhantiert, fliegt flugs auf.

Weitere Informationen

www.keywaro.de

www.safeman.de

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