Das Internet ohne Google

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Ohne Google und seine Dienste ist die Internet-Nutzung kaum noch vorstellbar. Dabei gibt es Alternativen, die einen Vergleich mit dem US-Giganten nicht scheuen müssen. Wir stellen die besten vor.

Datenschutz

Von Jörg Heinrich

Datenschutz ist das Thema der Stunde im Internet. Nachdem vergangenen Freitag die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU wirksam wurde, machen sich wieder mehr Nutzer Gedanken über die zahllosen Informationen aus ihrem Leben, die sie im Netz hinterlassen. Damit rückt auch Google wieder ins Visier – der wohl größte Datensammler in der Geschichte der Menschheit. „Wir verraten Facebook alles über uns. Aber Google kennt unser wahres Ich“, warnt Brian Solis vom US-Beratungsunternehmen Altimeter. „Das macht es so unglaublich erfolgreich – und so gefährlich.“

Mit mehr als 200 Produkten und Dienstleistungen erhält Google ein so umfassendes Bild seiner Nutzer, wie es weder Facebook noch Amazon oder Apple zur Verfügung steht. Experten raten deshalb dringend, die Internetnutzung auf möglichst viele Unternehmen zu verteilen, um kein komplettes Persönlichkeitsprofil entstehen zu lassen. Da trifft es sich gut, dass es in allen Bereichen, die Google bedient, mittlerweile erstklassige Alternativen gibt. Wir verraten die besten Tipps für ein Google-freies Internet – oder zumindest für ein Internet mit wesentlich weniger Google.

Suchmaschinen

Seiten finden ohne Google: DuckDuckGo (duckduckgo.com) ist zur bekanntesten Google-Alternative geworden. Das Unternehmen aus Pennsylvania wirbt mit dem Motto „Die Suchmaschine, die Sie nicht verfolgt“. DuckDuckGo speichert nicht, wonach seine Nutzer suchen, und verkauft die Daten nicht an andere Unternehmen. Geld verdient die Firma mit eingeblendeten Anzeigen, die zu den Suchen passen, die aber nicht mit Nutzerdaten verknüpft werden. Und: DuckDuckGo bietet praktische Funktionen, die es nicht einmal bei Google gibt.

Kostenloser Speicher

Die Alternative zu Google Photos: Wer nicht auch noch seine privaten Bilder Google überlassen will, findet bei Flickr (flickr.com) ein Terabyte kostenlosen Speicherplatz. Das reicht für rund 700 000 Fotos.

E-Mail-Postfächer

Es muss nicht zwingend Gmail sein: Anstelle von Googles E-Mail-Dienst, der die Mails seiner Kunden nach wie vor scannt, um „Komfort und Sicherheit zu verbessern“, sollten sich Nutzer einen Mailprovider suchen, der die Daten in Deutschland oder Europa speichert. Sieger bei der Stiftung Warentest waren zuletzt die Berliner Anbieter mailbox.org und Posteo (posteo.de). Die Dienste schützen die Daten ihrer Nutzer ab einem Euro im Monat. Auch T-Online (t-online.de) speichert seine Mails auf deutschen Servern – sogar für Nutzer, die keine Telekom-Kunden sind.

Kartendienste

Zu Google Maps gibt es Alternativen: Die unabhängige Initiative OpenStreetMap (openstreetmap.org) bietet exzellentes Kartenmaterial, das Anbieter wie Osmand (osmand.net) auch in Apps packen. Als ausgereifteste Alternative zu Google Maps gilt Here (wego.here.com), hinter dem Audi, BMW und Daimler stehen und das ebenfalls als App verfügbar ist.

Betriebssysteme

75,8 Prozent Marktanteil – die Smartphones mit Googles Betriebssystem Android sind in Deutschland mit Abstand die Nummer eins. Für Google sind die Handys, die ihre Nutzer durch den gesamten Alltag begleiten, das perfekte Werkzeug zum Datensammeln. Dank GPS-Ortung erfährt Google auch, wo sich Android-Nutzer gerade befinden. Das ermöglicht eine noch genauere Auswertung der Nutzerdaten und noch individuellere Werbung. Einzige echte Alternative zu Android ist Apples iOS (22,9 Prozent Marktanteil). Apple gilt – aller berechtigten Skepsis zum Trotz – als weitaus weniger datenhungrig. Im Gegensatz zu Google, das darauf angewiesen ist, die Daten seiner Nutzer zu verkaufen, verdient Apple seine Milliarden vor allem mit dem Verkauf von iPhones, iPads und Macs. Es gibt im Übrigen auch die Möglichkeit, Android-Smartphones ohne Google zu nutzen, wie n-tv erklärt (bit.ly/android-ohne-google). Das erfordert aber Geduld und Fachkenntnisse.

Browser

Auch noch Googles Browser Chrome zu verwenden und dem Internet- Giganten damit alle Informationen zum eigenen Surfverhalten frei Haus zu liefern, ist beinahe fahrlässig. Nachdem Firefox (mozilla.org) in seinen jüngsten Versionen gegenüber der Konkurrenz mächtig aufgeholt hat, empfehlen wieder viele Experten die Verwendung des einzigen bedeutenden Browsers, der nicht von Großkonzernen wie Google, Microsoft oder Apple stammt, sondern von einer unabhängigen weltweiten Entwicklergemeinde. Android-Nutzern bietet die Firefox-App einen gewissen Schutz vor Googles Neugierde.

Video-Dienste

Die Auswahl an Videos auf Googles Video-Website YouTube ist unschlagbar. Eine Vielzahl der Filme findet sich aber auch beim größten YouTube-Konkurrenten Vimeo (vimeo.com). Wenn ein Video tatsächlich nur bei YouTube verfügbar ist, kommt HookTube (hooktube.com) ins Spiel, das YouTube-Videos anonym zur Verfügung stellt. Das funktioniert ganz einfach: In der Adresse des Videos „youtube“ durch „hooktube“ ersetzen.

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