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Weil Intensivmediziner bereits warnen

Zweiklassengesellschaft wegen vierter Welle: Kommt bald der Lockdown für Ungeimpfte?

Ein Lokal in Hamburg weist auf die  2G-Regel hin: Hier ist sie bereits gang und gäbe.
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Ein Lokal in Hamburg weist auf die 2G-Regel hin: Hier ist sie bereits gang und gäbe.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Vier Wellen, mehr als vier Millionen Infizierte: So könnte man den Verlauf der Pandemie in Deutschland äußerst knapp zusammenfassen. Am Sonntag (5. September) lag die Zahl der bekannten Ansteckungen erstmals über der Vier-Millionen-Marke. Die Verbreitung ist derzeit nicht zu bremsen. Doch was bedeutet das für die Gesellschaft? Kommt ein Lockdown für Ungeimpfte?

Deutschland - Die vierte Pandemie-Welle hat Fahrt aufgenommen: Deutschland startet mit einer deutlich höheren Zahl täglicher Corona-Neuinfektionen in den Herbst als im Vorjahr. Zwar gibt es eine wachsende Impfquote von derzeit rund 60 Prozent und Risikogruppen sind weitgehend geschützt - doch reicht das, um ohne neue Einschränkungen durch den Winter zu kommen? Wie wird das anstehende Winterhalbjahr, wie das Frühjahr?

Corona im Frühjahr 2022 vorbei?

Im Herbst würden die Infektionszahlen noch einmal steigen, prognostizierte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, vor wenigen Tagen. Die Zahl schwerer Erkrankungen werde allerdings deutlich unter der des vergangenen Winters bleiben. Für das Frühjahr ist Gassen sehr optimistisch. „Bis dahin wird die Impfquote noch einmal etwas höher liegen, vor allem nimmt aber auch die Zahl der Genesenen mit Antikörpern zu.“ Einschränkungen würden dann wohl gänzlich unnötig werden, sagte er. „Ich gehe davon aus, dass im Frühjahr 2022 Schluss sein wird mit Corona.“ Doch lässt sich das tatsächlich schon sagen?

Erstmals seit Wochen ist die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen wieder leicht gefallen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstagmorgen (7. September) lag sie bei 83,8 - am Vortag hatte der Wert bei 84,3 (höchster Wert seit Mitte Mai) gelegen, vor einer Woche bei 74,8. Doch dieser Wert ist mittlerweile relativ. Der wichtige Maßstab ist und wird die Hospitalisierungsrate. So sieht es eine Reform des Infektionsschutzgesetzes vor, die der Bundestag am Dienstag beschließen will. In Bayern wird bereits nach der Hospitalisierungs-7-Tage-Inzidenz und der sogenannten Krankenhausampel agiert.

Die Hospitalisierungsrate gibt an, wie viel Prozent der erfassten Corona-Infizierten wegen einer Covid-19-Erkrankung stationär aufgenommen werden müssen. Sie wird im Wochenbericht des RKI aufgeführt, der jeweils am Donnerstag veröffentlicht wird.

Modell-Annahmen des RKI werden nicht eintreffen

In seiner jüngsten Einschätzung im Juli war auch das RKI noch optimistisch, dass bei Erreichen bestimmter Impfquoten eine vierte Welle vermieden werden könne. Nach der damals entworfenen Modellierung müssen mindestens 85 Prozent der zwölf- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, damit eine ausgeprägte neue Welle mit vollen Intensivstationen im Herbst und Winter unwahrscheinlich wird.

Das RKI-Papier beruhte allerdings auf damals noch unvollständigen Informationen zur Delta-Variante. Inzwischen liegen verlässliche Daten über die nachweislich erhöhte Übertragung und auch die ansteigende Hospitalisierungsrate vor. Vor allem aber machte das RKI in dem Modell Annahmen über das Fortschreiten der Impfquote in Deutschland, die schon jetzt nicht mehr zutreffen - selbst wenn die Impfmöglichkeit der über zwölfjährigen Kinder jüngst einbezogen wurde.

Man müsse die RKI-Analyse nun zeitnah aktualisieren, sagte der Berliner Virologe Christian Drosten. „Man sollte sich nicht täuschen und durch zu wenig Vorsicht in eine Situation hineinlaufen, die man sich nicht wünscht und die untragbar ist: Dass es weitere Lockdowns gibt und die Schulen wieder schließen müssen.“

Die Zahl der Menschen, die mit Corona in Kliniken müssen, steigt, wenngleich weniger rasant. Auf Intensivstationen liegen nun mehr als 1250 Menschen. Die Belastungsgrenze sehen Mediziner bei 5000.

Intensivmediziner: Sorge vor dem Herbst, falls Impfquote nicht noch steigt

Die Intensivmediziner warnen bereits für den Fall, dass die Corona-Impfquote in Deutschland nicht deutlich ansteigt, vor vielen Intensivpatienten im Oktober und November. „Wir sehen schon jetzt, wie stark sich die Delta-Variante in geschlossenen Räumen ausbreitet“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis, der „Augsburger Allgemeinen“. „Wenn wir bis Oktober nicht die Impfquote deutlich nach oben bringen, bekommen wir im Herbst einen richtig starken Anstieg der Corona-Fälle auf den Intensivstationen.“ Die Entwicklung könne für den Fall, dass die Impfquote kaum noch steigt, relativ genau vorausberechnet werden.

Auch ein Anstieg der Impfquote um zehn Prozentpunkte würde laut Karagiannidis einen enormen Unterschied bei der Belegung der Intensivstationen machen: „Das ist eine sehr einfache Rechnung: Bei einer Impfquote von 80 Prozent gibt es doppelt so viele Gefährdete wie bei einer Impfquote von 90 Prozent, denn dann gäbe es nur zehn Prozent Ungeimpfte statt 20 Prozent. Bei einer Impfquote von 70 Prozent ist die Zahl dreimal so hoch.“

Impfmüdigkeit in Deutschland

In Deutschland macht sich allerdings zusehends Impfmüdigkeit breit. Der Anteil der vollständig immunisierten Bundesbürger sei mit rund 61 Prozent im Vergleich zur Vorwoche (59 Prozent) weiterhin nur langsam gestiegen, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Robert Koch-Instituts vom Donnerstagabend.

Das Risiko, mit Corona ins Krankenhaus zu müssen, ist für Geimpfte derzeit äußert gering. Das zeigt eine neue RKI-Auswertung von vergangenen Freitag. So lag das Risiko einer Klinikeinweisung in Verbindung mit Corona bei Ungeimpften zuletzt mehr als fünf Mal so hoch wie bei Geimpften. Die Impf-Effektivität mit Blick auf eine Klinikeinweisung gibt das RKI mit rund 95 Prozent für Menschen ab 18 an.

Laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seien die Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zu 90 Prozent ungeimpft. Wenn die Entwicklung anhält und sich im Herbst verschärft, hat der Staat schlussendlich wohl nur drei Alternativen: eine Belastung der Krankenhäuser in Kauf zu nehmen, die Impfquote zu steigern oder eine 2G-Regel zu setzen.

Bald 2G in Deutschland?

Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass nur noch Geimpfte und Genesene ihrem Alltag ohne Auflagen nachgehen und am vollständigen öffentlichen Leben teilnehmen könnten. Ungeimpfte hingegen müssten sich so gut wie jeden Tag testen lassen, müssten in bestimmten Bereichen auf das öffentlichen Lebens verzichten beziehungsweise dürfen nicht teilnehmen - was einer Art Lockdown für Ungeimpfte gleichkäme. „Wer sich nicht impfen lässt, der wird es an bestimmten Stellen eben auch schwerer haben müssen, einfach weil der Schutz nicht da ist“, so Jens Spahn.

Hamburg hat bereits ein Modell mit einer 2G-Option für Clubs oder Restaurants gestartet. Dabei stellt sich allerdings die Frage, was passiert mit den Beschäftigten? Verlieren diese ihren Job, sollten sie weder geimpft noch genesen sein? Dabei spielt es aber auch eine Rolle, ob diese Personen überhaupt befragt werden dürfen, ob sie geimpft sind?

Bevölkerung begrüßt 2G-Regel

In der Bevölkerung stoßt eine mögliche 2G-Regel laut dem Meinungsforschungsinstitut Yougov auf Zustimmung. 58 Prozent würden es befürworten, wenn für Ungeimpfte strengere Regeln gelten würden – 28 Prozent halten gleiche Regeln für alle für richtig.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich bereits für eine Auskunftspflicht über den Impfstatus in allen Betrieben in Deutschland ausgesprochen. Laschet sprach sich zudem dagegen aus, angesichts der steigenden Zahlen in der Corona-Krise Ungeimpfte stärker einzuschränken. „Ich bin der Meinung, dass die 3G-Regel gelten sollte.“

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hingegen hält das Hamburger 2G-Modell für eine mögliche Option. Diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, könnten nicht auf die Solidarität aller anderen zählen, sagte die Grünen-Vorsitzende am Montag bei einer Diskussionsrunde der „Märkischen Allgemeinen“ mit den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten des Wahlkreises Potsdam. „Dann muss man auch Freiheitseinschränkungen hinnehmen und sagen gut, dann kann man eben nicht in eine Bar gehen, wenn man sich nicht impfen lassen will.“

Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder schloß einen erneuten Lockdown zuletzt mehrfach aus. „Es braucht keinen Lockdown mehr, und es wird auch keinen Lockdown mehr geben.“ Mindestens die 3G-Regel sei aber unumgänglich: Zugang zu vielen öffentlichen und privaten Einrichtungen haben dann nur noch Geimpfte, Genesene oder Personen mit einem aktuellen negativen Corona-Test. Dieser Fakt wird spätestens ab 11. Oktober interessant, wenn ein Corona-Test nicht mehr kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.

mz

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