Das Hochwasser nahm den direkten Weg

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- Wasserburg - "Von ordnungsgemäßer Sicherung kann nicht gesprochen werden. " Das ist das Urteil eines Bau-Sachverständigen, der gestern im Auftrag der Hochwassergeschädigten das Loch genauer unter die Lupe nahm, durch das der Inn in der Flutnacht in die Altstadt kam.

Der alte Mühlkanal war demnach nur zugeschüttet, aber zum Inn hin nicht mit einem Deckel verschlossen.

Nicht von der Seite, wie letzte Woche vermutet, sondern ganz direkt über den alten Einlauf drang das Wasser in den 300 Jahre alten Mühlkanal ein, der früher die Knoppermühle antrieb. Das Loch, das im Garten der Familie Port entdeckt wurde, führt in eine Höhle, hinter der direkt der gemauerte Stollen beginnt.

Eigentlich soll dieser Bereich erst heute freigelegt werden. Doch die Anlieger auf der anderen Seite, allesamt Hochwassergeschädigte, wollten nicht so lange warten. Nachdem bereits am Samstag ein "Katastrophentourismus" in das Privatgrundstück eingesetzt hatte und dabei das Loch wohl auch erweitert worden war, stieg Christian Schuhmacher nun als Erster auf einer Leiter in die Tiefe und stieß sofort auf den alten gemauerten Durchstich durch den Burgberg.

Mit Anton Haslberger, Sachverständiger für Bauschäden, ging er den Kanal ab, der nach etwa zehn Metern einen leichten Linksknick macht. Die beiden konnten am Ende bereits das Licht sehen, das von der Knoppermühle her einfällt.

Der nach alten Unterlagen drei Meter hohe Stollen ist gut zur Hälfte mit Schwemmgut gefüllt. Das aus Ziegeln gemauerte Gewölbe aber ist gut erhalten. Richtung Inn hält nur der Wurzelstock eines Baumes das Erdreich im Einlauf zusammen. Von einer Betonplatte oder einer Vermauerung jedenfalls war gestern nichts zu sehen. Die Mauer direkt neben dem Einlauf, die ursprünglich für diesen Verschluss gehalten wurde, ist wohl nur ein alter Uferschutz.

Die Geschädigten werten ihre Entdeckung erst einmal als positiv. Denn die Eon Wasserkraft als Nachfolgerin der Innwerke hat die Sicherungspflicht für das Innufer. Der aber sei "eindeutig nicht nachgekommen worden", waren sich die Anlieger gestern beim Ortstermin sicher.

Sie denken nun an ein gemeinsames Vorgehen, um ihre Schäden ersetzt zu bekommen. Vorerst ist ihnen wichtig, dass der Befund gesichert wird. Deshalb wolle man auch nicht ohne weiteres zulassen, dass ohne entsprechende Dokumentation gebaggert werde, war gestern zu hören.

Andererseits sind natürlich alle an einer raschen Beseitigung der Gefahrenstelle interessiert: Sollte der Inn erneut steigen, würde das Wasser jetzt schon bei einer wesentlich niedrigeren Marke wieder Richtung Knoppermühle fließen als in der Katastrophennacht. Schließlich war früher die Mühle auch bei Normalwasser in Betrieb und nicht nur bei Hochwasser.

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