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Heikles Thema mit eindeutigem Ergebnis

Wenn das Autofahren im Alter zum Risiko wird: Brauchen wir Tests für unsere Senioren?

Senioren gelten als sichere, weil erfahrene Autofahrer. Da aber körperliche und kognitive Fähigkeiten mit dem Alter abnehmen, wird dennoch immer wieder über verpflichtende Fahrtauglichkeitstests für ältere Verkehrsteilnehmer diskutiert.
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Senioren gelten als sichere, weil erfahrene Autofahrer. Da aber körperliche und kognitive Fähigkeiten mit dem Alter abnehmen, wird dennoch immer wieder über verpflichtende Fahrtauglichkeitstests für ältere Verkehrsteilnehmer diskutiert.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Lässt die Fahrtauglichkeit bei den Eltern oder dem Partner mit dem Alter nach, bereitet das Angehörigen ordentlich Bauchgrummeln. Eine aktuelle Umfrage zeigt zudem, dass sich eine deutliche Mehrheit der deutschen Autobesitzer für eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit ausspricht. Ein heikles Thema, welches viele Fragen aufwirft.

Deutschland - Mal eben kurz zum Supermarkt oder eine langjährige Freundin besuchen. Für den Großteil älterer Bürger gehört das Autofahren seit Jahrzehnten zum Alltag. Doch was, wenn der Vater immer wieder Stoppschilder ignoriert, der Großvater Signale fehlinterpretiert oder die Partnerin ständig erst im letzten Moment bremst?

Angehörige sorgen sich, dass der geliebte Mensch sich selbst und andere in Gefahr bringen könnte, und sind zugleich unsicher, wie sie das heikle Thema am besten zur Sprache bringen. Und nicht nur Angehörige, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer fühlen sich durch die Teilnahme älterer Menschen am Straßenverkehr nicht mehr wirklich sicher.

Senioren gelten als sichere und erfahrene Autofahrer

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass ältere Autofahrerinnen und -fahrer nicht per se eine Gefahr im Straßenverkehr darstellen. Insgesamt sind sie seltener als andere Altersgruppen in Unfälle verwickelt. Dies bestätigten auch Zahlen des ADAC aus dem Jahr 2019: Menschen ab 65 Jahren verursachten etwa 16 Prozent der Unfälle mit Verletzten, obwohl sie 21 Prozent der Bevölkerung ausmachten. „Ältere Autofahrer verhalten sich im Straßenverkehr in alle Regel vorsichtig, eher defensiv und vorausschauend“, so der Automobilclub. 

Jedoch: „Daten zeigen, dass erst die Ab-75-Jährigen zu einer besonderen Risikogruppe für Unfälle werden“, erklärte Andrea Häußler, Verkehrspsychologin und Mitglied der Geschäftsleitung der TÜV Süd Life Service GmbH, erst vor wenigen Wochen. Dann komme es oft zu schweren Unfällen, die damit zusammenhängen, dass die Fahrtauglichkeit durch Krankheit oder Leistungsabbau nachgelassen hat. Viele Menschen könnten im Alter nicht mehr so gut sehen oder hören. Auch die Beweglichkeit nehme ab, was etwa den Schulterblick beim Abbiegen erschwert.

Deutsche wollen regelmäßige Fahreignungs-Checks

Und dieses erhöhte Risiko bleibt offenbar auch den deutschen Autofahrern nicht verborgen. Denn eine herausragende Mehrheit dieser spricht sich nun für regelmäßige Überprüfungen der Fahrtauglichkeit aus. Das geht unter anderem aus einer Umfrage von AutoScout24 hervor. 86 Prozent der 1002 befragten Fahrzeughalter befürworten demnach eine solche Überprüfung, nur elf Prozent stimmten dagegen. Ein Nicht-Bestehen einer solchen Kontrolle sollte dann im Nachgang den Verlust der Fahrerlaubnis mit sich ziehen.

Statista hat eine entsprechende Grafik veröffentlicht:

Deutsche sind für regelmäßige Fahreignungs-Checks.

Interessant bei der Umfrage ist ebenfalls die Tatsache, dass die Befürworter aus allen Altersklassen stammen. Zwar ist der prozentuale Anteil bei den jüngeren Generationen noch deutlich höher - 94 Prozent stimmten hier für eine Begutachtung, aber auch die Mehrheit der älteren Menschen ist für eine Überprüfung.

Konzentration und Aufmerksamkeit nimmt ab

Eines der größten Probleme sei im Alter die schwindende Konzentration. „Zu den normalen Alterungsprozessen gehört zudem, dass Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne nachlassen“, sagt in diesem Zusammenhang die Verkehrspsychologin Claudia Happe. Dazu steige mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten. So könnten etwa Demenzkranke zwar oft noch ein Auto bedienen, allerdings die Informationen des Verkehrs nicht mehr zuverlässig verarbeiten. Oft seien es auch Nebenwirkungen von Medikamenten, die es riskanter machen, sich ans Steuer zu setzen.

Viele Veränderungen setzen oft schleichend ein. Teilweise fallen sie Außenstehenden deutlich schneller auf als den Betroffenen selbst. Und doch: „Viele ältere Menschen merken selbst, wenn sie sich am Steuer nicht mehr wohlfühlen - und ziehen Konsequenzen“, sagt Andrea Häußler. Andere hingegen halten am Autofahren fest, obwohl sich ihre Angehörigen das anders wünschen.

Warnsignale und Anzeichen

Häufen sich grobe Fehler beim Fahren oder kommt es gar zu einem Unfall, sind das klare Warnsignale - auch die Anhäufung von Strafzetteln könnten ein Merkmal sein. Es gibt aber auch feinere Anzeichen dafür, dass die Fahrtauglichkeit nachgelassen hat: „Zum Beispiel, wenn jemand immer wieder eine verspätete Reaktion zeigt, etwa an der Ampel oder in einer Vorfahrtsituation“, sagt Claudia Happe. „Auch, wenn jemand auf einmal zögert, fremde Strecken zu fahren, kann das ein Warnzeichen sein.“

Schwindet am Steuer immer mehr die Geduld und wird häufiger über andere Autofahrer geschimpft, kann das Unsicherheit zeigen. Auch ein Blick auf den Zustand des Autos spricht manchmal Bände: Gibt es kleinere Beschädigungen, die beim Parken entstanden sein können? „Spätestens, wenn man selbst Angst hat, mit der betroffenen Person im Auto zu fahren, sollte man das Thema ansprechen“, rät Andrea Häußler.

Führerschein als Symbol der Unabhängigkeit

Ein solches Gespräch ist alles andere als einfach für beide Seiten. „Für ältere Menschen, die womöglich jahrzehntelang unfallfrei gefahren sind, ist es schwierig, wenn sie gespiegelt bekommen, dass sie etwas falsch gemacht haben“, sagt Claudia Happe. Der Führerschein ist für viele Menschen ein Symbol der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Das aufzugeben, ist ein schmerzhafter Schritt. Insbesondere für Menschen, die Bus oder Bahn nicht in der Nähe haben.

Deshalb sollten Angehörige das Thema behutsam ansprechen. Ein Einstieg kann sein, seine Beobachtungen zum Fahrverhalten sachlich zu beschreiben. Und Sorgen oder Befürchtungen, die damit einhergehen. „Es geht darum, das Drama aus dem Thema rauszunehmen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie man die Mobilität in Zukunft gestalten kann“, sagt die Verkehrspsychologin Birgit Scheucher.

Die gute Nachricht: Zwischen „Alles bleibt wie gehabt“ und „Der Führerschein kommt weg“ liegen viele weitere Lösungen.

Es muss nicht immer der radikale Schnitt sein

So ist denkbar, dass die Person in Zukunft mehr Pausen einlegt oder auf Fahrten bei Regen oder in der Dunkelheit verzichtet. „Nimmt jemand Medikamente und weiß, dass die Nebenwirkungen morgens am schwächsten sind, kann es sinnvoll sein, nur zu dieser Tageszeit Auto zu fahren“, sagt Andrea Häußler. Entscheidet man sich, das Autofahren aufzugeben, kann man den Führerschein auch erstmal behalten.

Die beste Lösung ist die, die individuell auf den Menschen zugeschnitten ist. Auf dem Weg dorthin kann eine Einschätzung von außen hilfreich sein. So kann man einen Fahrlehrer oder eine Fahrlehrerin mit dem Betroffenen eine Runde fahren lassen und um ein Urteil bitten.

Bundesverkehrsminister Scheuer lehnte Fahrtauglichkeits-Checks ab

Geht es nach dem Wunsch der herausragende Mehrheit der deutschen Autobesitzern, sollte eine solche Überprüfung ja auch bald zur Pflicht werden. In Deutschland wird die Fahrtauglichkeit von Senioren aktuell per Gesetz nicht regelmäßig überprüft. Andere europäische Länder jedoch checken bereits regelmäßig die Fahrtauglichkeit älterer Menschen ab 70 Jahren. In Spanien müssen Autofahrer bereits ab 45 Jahren zum Gesundheitstest. 

Der scheidende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte entsprechende Fahrtauglichkeit-Tests für ältere Autofahrer im Jahr 2019 klar abgelehnt. „Einen Verkehrstest für Senioren wird es mit mir nicht geben“, sagte er damals. „Aus der Unfallstatistik ergeben sich keine Auffälligkeiten. Unfälle können einem 21 Jahre alten Fahrer genauso passieren wie einer 81 Jahre alten Fahrerin.“ 

Unverbindliche Mobilitäts- beziehungsweise Fitnesschecks

Einen detaillierten Überblick über die Fahrtauglichkeit bieten übrigens die Mobilitäts- beziehungsweise Fitnesschecks von verschiedenen Anbietern wie dem ADAC, den Technischen Überwachungsvereinen (TÜV) oder Dekra.

Solche Checks bestehen in der Regel aus einer verkehrsmedizinischen Untersuchung und einer Autofahrt. „Hier werden unter anderem die Konzentrationsfähigkeit oder das Reaktionsvermögen getestet“, erklärt Häußler. „Am Ende steht dann eine Empfehlung, die vertraulich ist und keiner Behörde gemeldet wird. Man kann das Ergebnis also auch für sich behalten.

mz

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