Großeltern punkten mit Lebenserfahrung

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Wir mögen uns: Enkel in der Pubertät haben zu Großeltern oft einen guten Draht, wie auch unser Foto zeigt. panthermedia

Enkel machen glücklich. Das belegen Studien. Doch wie verhalten sich Großeltern richtig? Vor allem wenn die „Kleinen“ in der Pubertät stecken. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Ein kleiner Ratgeber mit den sechs wichtigsten Experten-Tipps.

Ratgeber für Oma und Opa

Fels in der Brandung sein

Das erste Mal unglücklich verliebt? Unangenehme Erfahrungen mit Alkohol? Ziemliche schräge Klamotten? Pubertierende stellen ihre Eltern auf eine harte Probe. Und genau daraus ergibt sich für Oma und Opa eine Chance, sagt Psychologe und Ratgeberautor Hans Berwanger: „Sie können in dieser Zeit wunderbar Trost spenden!“ Während Eltern häufig schnell in Panik geraten, sei es wichtig, dass Großeltern zu einem Felsen in der Brandung werden: „Sie verfügen über viel mehr Lebenserfahrung und haben das Ganze bei ihren Kindern meist schon mal durchgemacht. Sie wissen also: Das geht vorbei.“

Hat das Enkelkind etwa bei einer Party über die Stränge geschlagen, können Großeltern einerseits ruhig vermitteln, dass das jetzt keine besondere Glanzleistung war. Aber: Da sie nicht „die“ Erziehungsinstanz sind, können sie zugleich sagen: „Ich weiß, dass du das Herz am rechten Fleck hast und an sich ein vernünftiger junger Mensch bist.“ Idealerweise bleiben Oma und Opa auch nämlich dann noch im Gespräch, wenn die Kommunikation mit den Eltern schwerfällt.

In der Erziehung bitte zurückhalten

Erziehungskonzepte sind nicht starr, sie verändern sich: Wurde etwa früher mehr allein von den Eltern bestimmt, beziehen heute viele Mütter und Väter ihre Kinder in Entscheidungen mit ein – vor allem dann, wenn der Nachwuchs älter wird. Doch nicht alle Großeltern finden das gut. Trotzdem sollten sie sich mit Kritik zurückhalten, rät Ursula Lehr, ehemalige Bundesfamilienministerin und Vize-Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Das gilt umso mehr, wenn die Enkel dabei sind. „Da sollten Großeltern das Erziehungskonzept der Eltern nicht infrage stellen!“, rät sie.

Das heißt allerdings nicht, dass sie alles genauso handhaben müssen wie die Eltern. Tischmanieren etwa nähmen viele Großeltern sehr viel wichtiger als Eltern, erklärt Lehr. Ergo: „Sie dürfen dann durchaus verlangen, dass die Kinder gerade sitzen oder die Ellenbogen vom Tisch nehmen.“ Kinder, insbesondere Jugendliche, könnten zudem sehr gut unterscheiden, wo welche Regeln gelten.

Haben Großeltern grundsätzlich Probleme damit, wie die Enkel erzogen werden, können sie auch in einer ruhigen Minute das Gespräch mit ihren Kindern oder den Schwiegerkindern suchen. „Voraussetzung ist aber, dass man sich gut versteht“, sagt Lehr. Sonst laufen Oma und Opa Gefahr, es sich zum Beispiel mit der Schwiegertochter zu verscherzen. Und das kann letztlich auch die Beziehung zu den Enkeln belasten.

Gesprächspartner auf Augenhöhe

Mit kleineren Enkelkindern gehen viele Großeltern in den Zoo, sie basteln oder spielen Brettspiele mit ihnen. Irgendwann können sich die Kinder dafür allerdings nicht mehr erwärmen. Dann muss man die Beziehung zum Enkel „konstruktiv“ verändern. Sprich: „Großeltern sind für Jugendliche ganz wunderbare Diskussionspartner“, sagt Expertin Lehr. Zum Beispiel auch in Sachen Politik – politisch interessierte Omas und Opas sollten daher unbedingt mit ihren Enkeln über aktuelle Entwicklungen sprechen! „Viele der heutigen Großeltern haben einen großen Erfahrungsschatz, da sie schon einiges erlebt haben.“ Sie können ihren Enkeln dabei helfen, die Dinge einzuordnen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Geschenke sind nicht jedes Mal ein Muss

In manchen Familien hat es sich von Anfang an geradezu eingebürgert: Kommen Oma und Opa zu Besuch, bringen sie ein kleines Geschenk mit. Das sei im Prinzip in Ordnung, sagt Psychologe Berwanger – im Idealfall bringt man allerdings keine Süßigkeiten mit, sondern etwas Bleibendes – vor allem dann, wenn man die Enkel nicht ganz so oft sieht.

Notwendig sei ein Mitbringsel aber definitiv nicht, unabhängig davon, ob die Enkel noch klein oder schon größer sind. Denn: „Oma und Opa sind selbst ein Geschenk für Enkel“, erklärt Berwanger. Sind sie da, bringen sie idealerweise das Kostbarste überhaupt mit: Zeit. Sei es zum Spielen, Herumtoben, Kuscheln oder schlichtweg, um miteinander zu sprechen.

Entwicklung liebevoll begleiten

Schläft es schon durch? Warum dreht es sich denn noch nicht? Und wieso kommt es in der Schule gerade nicht so mit? Großeltern machen sich genauso wie Eltern von Anfang an Gedanken über die Entwicklung ihres Enkelkindes. Allzu kritisch sollten sie dabei aber nicht sein, rät Expertin Lehr. Sie plädiert vielmehr dafür, die Entwicklungsschritte wohlwollend zu begleiten: „Setzen Oma oder Opa permanent noch strengere Maßstäbe als die Eltern, ist das nicht gut für die Beziehung zum Enkelkind!“

Vorsicht beim Thema Aufklärung

„Du, Oma, was machen Mama und Papa eigentlich zusammen im Bett?“ Ja, es kommt der Tag, an dem Kinder solche Fragen stellen. Treffen sie einen unvorbereitet, rät Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), erst mal vom Thema abzulenken. „Am besten bespricht sich die Oma dann mit den Eltern des Kindes und fragt, inwiefern es schon aufgeklärt ist.“

Bei manchen ist das nämlich eher früher der Fall, bei anderen hingegen eher später. Einfach loszupreschen und dem Kind auf eigene Faust zu erklären, was Sache ist, könnte daher im Fall des Falles nach hinten losgehen. „Die heutigen Eltern machen ja vieles anders. Und schlimmstenfalls lösen die Großeltern dann Ängste beim Kind aus“, warnt Sowinski.

Ebenfalls ungünstig sind übrigens auch Sätze wie: „Frag mal lieber die Mama“, sagt Sowinski. Aus einem guten Grund: Womöglich hat sich das Kind ja absichtlich an die Oma gewendet. Dann sollte die Großmutter die Frage auch beantworten – sich dafür aber vorher mit den Eltern abgesprochen haben.

Zusammenfassung:

B. Nazarewska (mit dpa-Material)

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