Die Grippe trifft Senioren heuer heftig

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Die Zahl der Grippefälle in Bayern steigt weiter. In dieser Saison sind bereits 1546 Fälle gemeldet worden. Besonders oft sind Senioren betroffen. Wir haben den Münchner Allgemeinmediziner Dr. Markus Frühwein gefragt, wie man die Influenzawelle halbwegs unbeschadet übersteht.

Influenza in Bayern

Von Angelika Mayr

Die ersten Influenzafälle gab es dieses Mal schon im Spätherbst, jetzt geht es mit der Grippewelle richtig los – und die startet heuer besonders heftig, sagt Allgemeinmediziner Dr. Markus Frühwein. „Wir haben zurzeit viermal so viele gemeldete Grippepatienten wie im Vorjahr und das merke ich auch in der Praxis.“ Warum das so ist? „Das weiß man nicht“, sagt er. „Aber ich vermute deswegen, dass uns eine ungewöhnlich starke Grippesaison bevorsteht.“

-Was ist der Unterschied zwischen einer Erkältung und einer Influenza?

Eine Erkältung, also ein grippaler Infekt, ist harmlos und beginnt mit ein bisschen Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. Sie ist nach einer Woche überstanden. Anders aber bei der Influenza, also der echten Grippe. Sie wird durch Influenza-Viren ausgelöst und „wirft einen wie aus dem Nichts um“, sagt Frühwein. Von einem Tag auf den anderen hat der Patient hohes Fieber und Gliederschmerzen. Es geht ihm so schlecht, dass er nur noch im Bett liegen kann und sich auch Wochen danach noch abgeschlagen fühlt. Und: An einer Influenza können Patienten sogar sterben.

-Was kann der Erkrankte selbst tun?

Er sollte sich Ruhe gönnen. „Am besten ist, er schläft viel und lange“, rät Frühwein. Zudem sollte der Patient fiebersenkende Medikamente einnehmen und viel trinken. Es gibt zwar Medikamente gegen die Influenza. Doch diese müssen innerhalb der ersten 36 Stunden nach Ansteckung eingenommen werden. „Das Problem ist: Viele Leute gehen in dieser Zeit noch nicht zum Arzt“, sagt Frühwein. „Sie warten erst einmal ab.“ Hinzu kommt: Diese Mittel könnten den Krankheitsverlauf nur marginal beeinflussen. Übrigens: Antibiotika helfen weder gegen die Erreger der Grippe noch die einer Erkältung. Beide werden von Viren ausgelöst, und gegen diese sind Antibiotika unwirksam. Sie helfen „nur“ gegen Bakterien.

-Wie kann ich mich schützen?

Wer einen Kranken pflegt, sollte Abstand halten. Aber der muss nur einmal niesen, und schon schweben Tröpfchen mit den Viren für eine Zeit lang im Raum. Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, ist also sehr hoch. Generell sollten Sie in der Erkältungssaison verstärkt auf die Hygiene achten und die Hände waschen oder desinfizieren. „Viel mehr kann man nicht machen“, sagt Frühwein. „Außer, sich impfen zu lassen. Das ist am sichersten.“ Zumal es noch ein Problem gibt: „Man sollte nicht vergessen, dass man schon ansteckend ist, bevor man überhaupt Symptome hat“, sagt Frühwein.

-Warum lassen sich dann so wenig Leute impfen?

„Das kann man nicht sagen“, erklärt Frühwein. Fest stehe, dass sich vor der Schweinegrippe-Problematik mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben impfen lassen. Jetzt sind es nur noch etwa 35 Prozent. Frühwein vermutet, dass das an einer schlechten Aufklärung liegt. „Viele Leute haben Angst, dass die Impfung sie krank machen könnte oder diese eine große Belastung für das Immunsystem ist. Das stimmt aber nicht.“ Oft spielt der Zufall eine Rolle: Geimpft werde in der Zeit des Jahres, in der sich ohnehin viele Leute erkälten. „Viele bekommen tatsächlich vier bis sechs Wochen nach der Impfung einen grippalen Infekt“, sagt Frühwein. „Aber sie hätten ihn auch ohne Impfung bekommen. Denn gegen eine Erkältung kann man sich nicht impfen lassen.“ Es besteht also kein Zusammenhang. „Hätten sie die Impfung nicht bekommen, hätten sie diesen Infekt im nächsten Jahr längst wieder vergessen.“

-Ist die Impfung selbst also nicht gefährlich?

„Nein, sie ist hervorragend verträglich“, sagt Frühwein. Natürlich könne der Arm nach der Spritze etwas wehtun und manche fühlten sich am nächsten Tag schlapp. Doch der Impfstoff selbst enthält nur tote Erreger. Er kann also gar keine Grippe auslösen. Und: „Allergisch kann man auf alles reagieren“, sagt Frühwein. „Aber eine Erdnuss ist deutlich gefährlicher. Daran sterben wahrscheinlich mehr Leute als an einer Impfung.“

-Wie gut wirkt die Impfung?

„Vor allem bei jungen Leuten wirkt sie hervorragend, bei älteren Leuten leider nicht ganz so gut“, sagt Frühwein. Aber selbst bei diesen gehe man von einer Wirksamkeit von mehr als 70 Prozent aus. Bei einer Impfung lerne das Immunsystem, wie es mit dem Erreger umzugehen habe. „Ist das Immunsystem nun altersbedingt geschwächt, kann es den Erreger entsprechend schlechter abwehren.“

-Was weiß man über den derzeitigen Erreger?

Im vergangenen Jahr grassierte vorwiegend der Virustyp, der als Schweinegrippe bekannt wurde. Er traf vor allem junge Leute. Ältere Menschen ab 60 Jahren schienen immun dagegen zu sein. Heuer jedoch ist ein anderer Virustyp aktiv. Damit stecken sich vor allem ältere Leute an und er trifft diese heftig.

-Warum sind gerade Senioren so oft betroffen?

Das Immunsystem wird mit dem Alter schwächer, es bildet weniger Antikörper. Die Folge: Es wird nicht mehr so leicht mit Infektionen fertig. „Die Grippe ist eine extrem heftige Erkrankung, die einen jungen Menschen für bis zu zwei Wochen ans Bett fesseln kann“, sagt Dr. Frühwein. „Und selbst der braucht noch mal gut einen Monat, bis er wieder ,normal‘ Sport machen kann.“ Vor diesem Hintergrund also könne man sich vorstellen, dass ein 70-Jähriger, der dazu noch unter chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck leidet, sogar daran sterben kann.

-Kann man sich jetzt noch impfen lassen?

Auf jeden Fall. Die Impfung braucht zwar eine Woche bis zehn Tage, bis sie schützt. Der Höhepunkt der Grippewelle wird aber erst für Mitte Februar erwartet. Es lohnt sich also noch. „Mit so vielen Fällen wie zurzeit würde ich dringend dazu raten, vor allem wenn man zu einer Risikogruppe gehört“, sagt Frühwein. Das sind: Senioren, chronisch Kranke und Schwangere. „Für Schwangere und ihr Kind ist eine Grippeimpfung weniger gefährlich als eine Infektion.“

-Aus was besteht der gängige Impfstoff?

Das ist der sogenannte trivalente Impfstoff. Er enthält abgetötete Viren mit zwei A-Stämmen und einem B-Stamm. Vor einem Jahr wirkte der Impfstoff nicht ganz optimal. Man hatte bei einem Stamm auf den falschen Virustyp gesetzt. Der Impfstoff wird jedes Jahr neu zusammengesetzt. Denn: Die Influenzaviren verändern sich ständig. Wissenschaftler müssen daher ein halbes Jahr, bevor die Grippesaison losgeht, vorhersagen, welche Viren wahrscheinlich zirkulieren werden. Vergangenen Winter hat das nicht so gut geklappt: Sie hatten einmal auf die falschen Viren getippt. Der Impfstoff funktionierte deswegen gegen eine bestimmte Sorte nicht ganz so gut. „Dieses Jahr aber scheint alles gut zu passen“, sagt Frühwein.

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