Gibt es Enten im Weltall?

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Ein Kükentraum wird Wirklichkeit: Ente Paula lässt sich von dem Astrophysiker Harald Lesch den Weltraum erklären. bod
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Ein Kükentraum wird Wirklichkeit: Ente Paula lässt sich von dem Astrophysiker Harald Lesch den Weltraum erklären. bod

Interview von wetterEnte Paula Es war eine der Sternstunden in meinem bisherigen Entenleben.

Schon eine Zeitungskolumne zu schreiben, ist für mich ja etwas Großes. Aber jetzt wartete ein echter Weltraum-Profi auf mich. Professor Harald Lesch erklärt nicht nur Studenten, sondern auch Fernsehzuschauern die Rätsel des Alls, als sei alles ein Kükenspiel. Vielleicht kann er das auch bei einer kleinen Ente? Ich klopfte an seine Bürotür in der Sternwarte der Universität München. Lachend schüttelte er mir den Flügel. Auch für ihn war es das erste Interview mit einer Ente. Er packte seinen Sonnenhut – und führte mich durch den Garten zu einem Fernrohr der Sternwarte. Damit konnte ich sogar am Tag Planeten sehen. Doch hatte ich auch viele Fragen.

-Nachts sitze ich oft in meinem Nest und zähle die Sterne. Ich habe es nie geschafft. Wissen Sie, wie viele es sind?

Etwa 6000. So viele sieht man mit bloßem Auge, wenn es richtig pechschwarze Nacht ist. Leider gibt es bei uns ja Straßenlaternen. Tankstellen sind beleuchtet, sogar Häuser, in denen gar niemand ist – was ich überhaupt nicht verstehe. Deswegen sieht man viel weniger Sterne. Wenn du aber in die Wüste Sahara fliegst, dann siehst du Tausende – und einen leuchtenden Streifen am Himmel. Das ist unsere Milchstraße. In ihr gibt es allein 100 Milliarden Sterne – und dazu Planeten. Einer davon ist unsere Erde. Insgesamt ist das Universum aber ziemlich leer.

-Leer? Aber es gibt doch Abermilliarden Sterne!

Wenn du in der Nacht in den Himmel schaust, ist der nächste Stern mehr als vier Lichtjahre entfernt. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Das sind über neun Billionen Kilometer! Da staunst du! Und es gibt Sterne, die sind hunderttausende Lichtjahre entfernt – und du siehst sie trotzdem. Und warum? Nur, weil dazwischen nichts ist, was ihr Licht aufhält.

-Wenn wir Teil der Milchstraße sind, wie können wir sie dann sehen?

Die Milchstraße ist eine Sterneninsel. Sie hat die Form einer Scheibe, mit einem dicken Hugel in der Mitte. Die Erde sitzt dort, wo die Scheibe flach ist. Wir schauen also vom Rand in die Milchstraße hinein und sehen einen Querschnitt. Das ist der leuchtende Streifen. Leider können wir nicht ins Zentrum der Milchstraße sehen. Staubwolken versperren uns den Blick.

-Schon seit ich ein Küken war, habe ich den Traum, mal in den Weltraum zu fliegen. Wenn ich einfach immer höher fliege – schaffe ich das dann?

Leider muss ich dir sagen: Das wird nichts, Paula. Je höher du fliegst, desto dünner wird die Luft. Du würdest tot vom Himmel fallen. Schließlich ist die Luft so dünn, dass sie dich auch nicht mehr tragen kann. Um von der Erde wegzukommen, brauchst du schon eine Kapsel, in der Atemluft ist. Und eine Rakete. Die muss mit einem Tempo von mindestens elf Kilometern pro Sekunde starten, damit sie nicht auf die Erde zurückfällt. Das ist ganz schön schnell.

-Das wäre mein größter Ententraum!

Ich habe mir sagen lassen, dass das gar nicht so angenehm ist. Im Weltraum kann zwar jeder fliegen, weil man dort schwerelos ist. Aber dafür muss man ganz schön was mitmachen. Stell dir vor, du musst niesen: Auf der Erde fallen die Tröpfchen rasch zu Boden. Im Weltraum wirbeln sie unaufhörlich herum. Echt eklig! Man verliert auch den Geschmack. Deswegen essen die dort auch nur so komischen Kram, früher nur Pasten. Schlafen ist auch nicht einfach. Wenn du atmest, dann kommt Kohlendioxid aus deinem Schnabel. Im Weltraum bildet das langsam eine Blase um dich herum, in der kaum mehr Sauerstoff ist. Du würdest rasch ersticken. Deswegen müssen ständig laute Ventilatoren die Luft durchwirbeln. Und erst, wenn man aufs Klo muss! Ich sag’s dir, Paula, das ist keine angenehme Sache.

-Aber man sieht die Erde von ganz weit oben!

Das ist wirklich ein toller Anblick. Die Erde ist ein wunderschöner Planet. Sie würde jede Suche nach dem Superplaneten sofort gewinnen. Da braucht man keine Heidi Klum dazu!

-Meine Freundin Klara hat mir gequakt, dass es im Weltraum sehr gefährlich ist. Dort gibt es Löcher, die alles verschlucken.

Sie meint wohl die schwarzen Löcher. Die gibt es wirklich. In ihnen ist eine große Masse ganz dicht zusammengedrängt. Wäre die Sonne nur noch drei Kilometer groß, dann wäre sie ein schwarzes Loch. Die Schwerkraft ist in einem schwarzen Loch stärker als alle anderen Kräfte. Um von ihm wegzukommen, müsstest du schneller fliegen als das Licht. Auch das Licht kommt daher von dem schwarzen Loch nicht weg. Deswegen ist das Loch ja schwarz und wir können nicht hineingucken, was in ihm los ist. In der Milchstraße gibt es aber Hunderttausende solche schwarzen Löcher. Auch im Zentrum unserer Milchstraße sitzt eines, sogar ein riesengroßes. Doch keine Angst! Das nächste ist sehr weit entfernt. Würdest du mit Lichtgeschwindigkeit fliegen, bräuchtest du 2700 Jahre. Das zieht sich!

-Eine Frage lässt mich manchmal kaum schlafen: Gibt es Enten auf anderen Planeten?

Um so eine hochentwickelte Lebensform wie eine Ente hervorzubringen, muss sich ein Planet schon richtig anstrengen. Das Leben hat ja nicht als Ente angefangen. Die ersten Milliarden Jahre existierte es nur im Wasser und bestand aus einzelnen ganz kleinen Zellen. Dann darf dem Leben lange nichts passieren, damit sich eine Ente daraus entwickeln kann. Doch auch um kleine Zellen hervorzubringen, ist schon einiges nötig. Erst mal braucht es eine Atmosphäre mit Sauerstoff und dann Wasser. Das ist erst mit den Kometen auf die Erde gekommen. Der Planet darf auch nicht zu nahe an der Sonne sein. Sonst verbrutzelt alles. Wenn er zu weit weg ist, dann ist nichts mehr mit Köpfchen in das Wasser und Schwänzchen in die Höh’. Das Wasser ist nämlich gefroren. Dass das alles – und noch viel mehr – zusammenkommt, ist ganz selten. Unsere Erde ist etwas sehr Besonderes.

-Gibt es vielleicht trotzdem eine zweite Erde?

Wir haben etwa 1000 Planeten entdeckt, die ihr zumindest ähnlich sind. Auf ihnen könnte es Leben geben. Ich glaube auch durchaus daran, dass wir einmal fündig werden. Signale, dass es irgendwo Enten gibt, sind bei uns aber noch nicht angekommen.

-Mir stehen die Federn zu Berge: Suchen Sie denn nach Lebenszeichen?

Das will man, zum Beispiel, indem man nach Ozon, also Teilchen aus drei Sauerstoffatomen, sucht. Damit Ozon entsteht, braucht es nämlich Leben. So was wie dich werden wir da wohl nicht gleich finden. Ich denke aber, dass es viele Planeten mit einzelligen Wesen gibt.

-Welches Rätsel des Weltalls würden Sie am liebsten lösen?

Eben genau das! Ob es Enten gibt oder anderes Leben. Nichts gegen dich, Paula: Aber mich mit so einer außerirdischen Ente zu unterhalten, das wäre das Größte. Die würde ich mir zur Brust nehmen!

-Als Küken habe ich gerne Filme über den Weltraum angeschaut. Haben Sie einen Lieblingshelden?

Da fällt mir der Film „Reise zum Mars“ ein. Der Schauspieler Gary Sinise trifft dort in der Rolle des Astronauten Jim McConnell auf Spuren außerirdischer Intelligenz, die um viele Geheimnisse des Weltraums weiß und einst den Mars bewohnt hat. Er fliegt nicht wieder zur Erde, sondern bleibt allein zurück, um die Rätsel des Alls zu lösen und die Außerirdischen zu suchen. Das würde ich an seiner Stelle auch tun!

Das Interview führte Ente Paula.

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