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Die Gewalt an Schulen steigt wieder an

Mit mehr Prävention hatten deutsche Schulen einen stetigen Rückgang von Gewalt und Kriminalität in den Klassen erreicht. Nun steigen die Zahlen jedoch wieder.

Neue Zahlen des Landeskriminalamts

von Michael Evers

Hannover – Nachdem Kriminalität und Gewalt an der Mehrzahl deutscher Schulen viele Jahre lang rückläufig gewesen sind, melden zahlreiche Bundesländer für 2017 einen spürbaren Anstieg. Dieser geht einher mit einem sich abzeichnenden generellen Wiederanstieg der Jugendkriminalität, die ebenfalls viele Jahre zurückgegangen war. Zu den Gründen für eine Zunahme der Zahl der an Schulen registrierten Straftaten gibt es noch keine Erklärung, denn Prävention wird seit Langem groß geschrieben.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Schulstraftaten 2017 um fast fünf Prozent auf 22 900, das waren gut 1000 Taten mehr als im Vorjahr, wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilte. Auffällig ist, dass die Gewaltdelikte an den Schulen zunahmen, während die Fälle von Diebstahl zurückgingen. In Niedersachsen stieg die Zahl der Schulstraftaten im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 5556 Fälle. Besonders kräftig war die Zunahme bei Körperverletzungen (plus 29 Prozent) sowie Diebstählen (plus 19), wobei es in knapp der Hälfte der Fälle um Fahrraddiebstähle ging.

Die Zahl der Straftaten an bayerischen Schulen ist ebenfalls gestiegen. Wie das LKA in München mitteilte, registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 8356 Fälle. Das sind 540 mehr als 2016. Die Aufklärungsquote hat sich minimal erhöht und liegt bei 60 Prozent. Führend in der Kriminalstatistik waren in beiden Jahren mit mehr als 2400 Fällen Diebstahlsdelikte. Nur etwa jeder vierte konnte aufgeklärt werden. 2016 verdächtigte die Polizei insgesamt 4576 Personen, davon waren 81 Prozent männlich. Gut ein Viertel, nämlich 1023 Tatverdächtige, waren nicht im Besitz eines deutschen Passes. 4337 Personen waren unter 21 Jahre alt. Für 2017 spricht das LKA von 5146 Verdächtigen. Der Anteil männlicher Verdächtiger lag ebenfalls bei 81 Prozent. 1289 hatten keinen deutschen Pass. Die Anzahl der unter 21-Jährigen lag bei 3867.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer sagte, der Anstieg könne an einem geänderten Anzeigeverhalten liegen. In Zeiten großer medialer Aufregung über Gewalttaten würden Straftaten häufiger angezeigt. Auch wenn es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Ausländer handele, sei die Bereitschaft statistisch erwiesenermaßen höher. Mit einer nach dem Flüchtlingszuzug gestiegenen Zahl ausländischer Schüler könne dies möglicherweise den Anstieg erklären.

Dafür, dass die Jugendkriminalität bundesweit viele Jahre lang rückläufig war, gibt es nach Untersuchungen von Kriminologe Pfeiffer mehrere Ursachen. Diese sind unter anderem die steigende Schulbildung und weniger Gewalt im Elternhaus. Weitere Gründe seien der Rückgang jugendlichen Alkoholkonsums, ein konsequenteres Einschreiten der Schulen gegen Gewalt sowie mehr Zuwendung der Eltern für ihre Kinder.

Der jüngste Zuwachs der Schulkriminalität ist bundesweit nicht überall ähnlich kräftig. In Hessen gab es nur 89 Fälle mehr als im Vorjahr. In Baden-Württemberg gab es ein Plus bei der Schulkriminalität von fünf Prozent. In Thüringen wurden 2202 Straftaten an Schulen erfasst – 157 mehr als im Vorjahr. An Schleswig-Holsteins Schulen stiegen die Zahlen besonders bei Rohheitsdelikten und Sachbeschädigungen an.

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