Geschlechtsbestimmung im Ei – Neue Methode gefunden

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Männliche Küken werden oft getötet. Das soll sich ändern.

Dresden/Leipzig – Kükenschreddern ade: Wissenschaftler in Sachsen haben eine kostengünstige, schnelle und tierschonende Methode zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei entwickelt.

Damit sind die für die Legehennenproduktion „wertlosen“ männlichen Eier identifizierbar, bevor ein Küken entsteht. Das Verfahren zum Trennen der weiblichen und männlichen Eier beruht auf einer Strahlentechnik. Mit dem „spektroskopischen Sexen von Bruteiern“ kann das massenhafte Kükentöten beendet werden, sagt Gerald Steiner, technischer Koordinator eines an der TU Dresden und der Universität Leipzig angesiedelten Forschungsprojekts, das auch vom Bund gefördert wird. „Das Tor ist auf.“

Die Technik kann laut Steiner das umstrittene Töten überflüssig machen – auch ein erklärtes Ziel der schwarz-roten Bundesregierung. Noch werden in Deutschland pro Jahr fast 50 Millionen männliche Küken sofort nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert – weil sie keine Eier legen und kaum Fleisch ansetzen.

Seit Jahren untersuchen Wissenschaftler, wo und wie das Geschlecht im Hühnerei bestimmt werden kann. Das Bundeslandswirtschaftsministerium fördert die Entwicklung solcher Techniken seit 2008 mit insgesamt rund fünf Millionen Euro. Die Projekte laufen noch bis Ende 2018, erklärt ein Sprecher. Aus Ministeriumssicht gibt es zwei vielversprechende und derzeit zur Praxisreife gebrachte Verfahren: neben dem spektroskopischen auch ein endokrinologisches, bei dem Hormone bestimmt werden. Das letztere benötigt laut Steiner neun bis elf Tage lang bebrütete Eier. „Da sind schon Nervenzellen da und es gibt möglicherweise Schmerzempfinden.“

Die spektroskopische Methode setzt indes am Blut an. „Es ist biochemisch codiert“, erklärt Steiner. Zur Untersuchung des bei Männchen und Weibchen spezifischen Hämoglobinprofils wird das erst drei bis fünf Tage bebrütete Ei mit Licht bestimmter Wellenlänge bestrahlt. Das daraufhin gewonnene Strahlenspektrum fangen die Forscher an der Eischale auf und analysieren es. Wenn alle störenden Einflüsse beseitigt sind, lasse sich anhand der Hämoglobin-Daten das Geschlecht erkennen, sagt die Chemikerin Grit Preuße von der TU Dresden.

Laut Steiner ist das perfektionierte Verfahren, das nur Farbspektrometer, Datenbox und Computer benötige, auch für Großbrütereien bezahlbar – und schnell. „Es braucht aber sicher noch zwei Jahre, bis das Verfahren einsetzbar ist.“

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