Auf geht’s in den Biergarten

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Auch wenn sich der Winter in den kommenden Tagen noch einmal zurückmeldet, eins ist klar: Nach dem Kälteeinbruch steht uns der Frühling ins Haus. Eva Steinberger (40) aus Neufahrn ist gerüstet. Sie hat schon mal den Biergartenkorb bereitgestellt und sich Schmankerl für draußen überlegt. Die schmecken zur Not auch drinnen.

Mein Küchengeheimnis

von stephanie Ebner

„Hotel Mama. Immer geöffnet.“ An der Tür zur Küche hängt das Schild. Unübersehbar. Hotel Mama hat offen – für alle. Für die vier Kinder sowieso, für Freunde der Familie, für die Großeltern, die mit im Haus wohnen, und wer sonst noch eben mal vorbeischaut. Eva Steinberger nimmt sie alle gerne auf und bewirtet sie. Nicht umsonst ist der Tisch in der Küche riesengroß – wenn man zusammenrückt, ist da gut für eineinhalb Dutzend Menschen Platz.

Nur jetzt im Frühling, wenn die ersten Sonnenstrahlen scheinen, liebt es Eva Steinberger, den Picknickkorb zu packen und in den Biergarten zu radeln. „Sobald es ein bisschen wärmer ist, sind wir schnell.“ Denn im Sommer, wenn die eigentliche Saison zum Grillen und in den Biergarten gehen ist, haben die Steinbergers keine Zeit mehr. Dann ist bei den Ackerbauern Hochbetrieb: Die Kartoffeln müssen gesetzt, notfalls beregnet und im Herbst geerntet werden. Wenn dann wieder Ruhe auf dem Hof einkehrt, sind die lauen Sommerabende längst passé. Darum freut sich Eva Steinberger jetzt auf die ersten wärmeren Tage.

Eva Steinberger sitzt in der Küche und blättert in ihren Kochbüchern. Sie hat Unmengen. „Ich liebe es, darin zu lesen“, erzählt sie. Wenn sie das Gericht das erste Mal gekocht hat, wird es mit Kommentaren versehen: „Schmeckt super“ oder „lieben die Kinder“ steht da am Rand.

Diesmal hat sie das Rezept vom Ofenpfannkuchen herausgesucht. Eine Art Wrap, neudeutsch gesagt. Mit einer Lage gewickelter Pfannkuchen werden alle satt. „Das Gute an dem Rezept ist nicht nur, dass es superschnell geht. Es ist auch so variationsreich.“ Hineinkommt, was man gerade da hat oder was im Sommer geerntet werden muss. „Dann ist die Rolle bunter.“ Als Erstes werden das bei den Steinbergers wohl die zarten Rucolablätter sein, die Großmutter Steinberger im Hochbeet zieht. Nicht nur beim Gemüse kann man variieren, auch beim Käse: Statt Emmentaler schmecken auch Feta, Mozzarella oder Gorgonzola.

Eva Steinberger kocht jeden Mittag. Gegessen wird punkt 12 Uhr. Dass sie in buchstäblich letzter Minute einst einen Bürojob gegen die Arbeit auf einem Bauernhof eingetauscht hat, hat die 40-Jährige nie bereut. Sie selbst stammt ebenfalls aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Der Vater hatte ihr deshalb ans Herz gelegt, „etwas Ordentliches zu lernen“ – also unterschrieb sie als junge Frau einen Ausbildungsvertrag bei einer Krankenkasse. Kurz bevor die gebürtige Neufahrnerin ihre Arbeit damals antreten sollte, sattelte sie um – da kannte sie ihren späteren Mann Franz längst. Doch wieder bestand der Vater auf einer ordentlichen Ausbildung – „wenn, dann gescheit“. Also lernte Eva Steinberger Hauswirtschaft, machte den Meister. „Zum Glück, ich kann mir keinen abwechslungsreicheren Beruf vorstellen als den der Hauswirtschafterin“, sagt sie und freut sich, dass ihre älteste Tochter Anna bald in ihre Fußstapfen tritt.

Als Hauswirtschafterin ist jeden Tag etwas anderes zutun. Und mit den unterschiedlichsten Leuten hat man auch zu tun. Vor allem Eva Steinberger. Sie hat zahlreiche Ehrenämter inne, arbeitet in der Bauernschaft mit, ist Frauenvorsitzende bei der Fachausbildung und aktiv in der Kirchgemeinde. Langweilig wird es da so schnell nicht – besonders nicht, wenn das Maifest ansteht: Dann kocht die vierfache Mutter eben mal schnell 120 Kilogramm Kartoffeln für den Kartoffelsalat. Nur beim Schälen holt sie sich Hilfe – „dafür gibt es eine eigene WhatsApp-Gruppe“. Wenn die Kartoffeln gekocht sind, schreibt sie nur „Es wäre mal wieder so weit...“ Dann kommen helfende Hände auf den Hof und die Arbeit ist in gut einer Stunde erledigt. Eva Steinberger ist eben eine, die nicht lange redet, sondern einfach macht.

Und so steht der Biergartenkorb jetzt schon mal griffbereit in der Vorratskammer und sobald das nächste Mal die Sonne scheint, geht’s los.

Ab in den Biergarten. Und wer will, kommt mit.

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