Das geht den Deutschen ans Herz

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Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. Doch er kommt nur scheinbar „aus heiterem Himmel“. Prävention ist wichtig.

Bypässe, Kunstherzen, Stents: Die Herzmedizin hat in der Vergangenheit rasante Fortschritte gemacht. Auch deshalb wird die Bevölkerung immer älter. Doch das bringt neue Probleme mit sich – auch am Herzen.

Herzbericht 2015

Bypässe, Kunstherzen, Stents: Die Herzmedizin hat in der Vergangenheit rasante Fortschritte gemacht. Auch deshalb wird die Bevölkerung immer älter. Doch das bringt neue Probleme mit sich – auch am Herzen.

Von Gisela Gross

Sie bleiben Todesursache Nummer eins: Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allein im Jahr 2014 starben daran mehr als 338 000 Menschen in Deutschland. Das geht aus dem neuen Herzbericht 2015 hervor, den die Deutsche Herzstiftung jetzt vorgestellt hat. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Ost-West-Gefälle

In den östlichen Bundesländern sterben immer noch deutlich mehr Menschen an einem Herzinfarkt als im Westen. Die wenigsten Herzinfarkt-Toten wurden im Jahr 2013 in Schleswig-Holstein gezählt: 43 pro 100 000 Einwohner. Die meisten gab es in Sachsen-Anhalt, mit 99 Toten – und damit mehr als doppelt so viele. Für Bayern liegt diese Zahl bei 60, also Platz 5. Besonders alarmierend ist: Mit Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern kämpften ausgerechnet die Bundesländer mit der geringsten Dichte an Kardiologen gegen überdurchschnittlich hohe Infarkt-Sterbezahlen, warnt Prof. Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. Auch lebten dort mehr ältere Menschen als anderswo.

Mann-Frau-Gefälle

Männer erkranken zwar häufiger an Herzleiden als Frauen – etwa am Herzinfarkt. Aber: Tödlich enden Herzleiden eher für Frauen. Bedeutende Unterschiede verzeichnet der Herzbericht vor allem für Herzschwäche und Herzrhythmus-Störungen. Experten sind bislang unsicher, woran das liegt. Möglich sei, dass Medikamente wegen geschlechtsbedingter Unterschiede wie dem Hormonsystem unterschiedlich wirkten. Die Prognose für Frauen könnte zudem auch deshalb schlechter sein, weil sie erst in einem höheren Alter erkranken als Männer.

Sozial-Gefälle

Niedriger Bildungsgrad und Arbeitslosigkeit, Rauchen, Übergewicht und Diabetes, also die Zuckerkrankheit: In Bundesländern, in denen die meisten Menschen an einem Herzinfarkt sterben, sind all diese Faktoren besonders stark verbreitet. Das hat Prof. Andreas Stang untersucht. Das schlechte Abschneiden der östlichen Bundesländer sei kein Zufall: Es fehle vielerorts an Prävention.

Herzklappen

Klappenkrankheiten haben in den vergangenen Jahren am stärksten zugenommen. Betroffen sind vor allem Über-75-Jährige. Angesichts des medizinischen Fortschritts könnten diese Zahlen aber auch mit der besseren Diagnostik zu tun haben. Dass überhaupt ein so hohes Alter erreicht wird, spielt dem Bericht zufolge ebenfalls eine Rolle.

Herzschwäche

Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern mit diesem Krankheitsbild steigt – was mit der älter werdenden Bevölkerung erklärt wird. Doch die Herzschwäche verläuft inzwischen seltener tödlich, weil sich die Therapie verbessert hat. Die Krankheit ist dennoch nach „chronischer ischämischer Herzkrankheit“ und Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache unter den Herzerkrankungen.

Babyherzen

Mehr als 6500 Kinder pro Jahr kommen mit einem Herzfehler zur Welt. Noch in den 1980er-Jahren starb laut Herzbericht etwa die Hälfte spätestens im Kindesalter. Dank schonenderer Eingriffe und medizinischen Fortschritts hat sich das geändert: Heute erreichen inzwischen 90 Prozent das Erwachsenenalter. „Säuglinge haben am stärksten profitiert“, sagt Kinderkardiologin Prof. Brigitte Stiller.

Spenderherzen

Sie bleiben absolute Mangelware, so das einhellige Fazit der Herzchirurgen. Transplantationen seien kontinuierlich auf 294 im Jahr 2014 zurück gegangen. Vermehrt würden daher Kunstherzen verwendet.

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