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Gewaltige Gewitterwalze rollt auf uns zu: Erste Warnungen für die Region

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Unfassbare Wendung im Gardasee-Prozess

Nach Abbitte und Schmerzensgeld - Verteidigung schiebt Todesopfern Schuld zu

Motorboot-Unfall vom Gardasee - Prozess
+
Ein Blick auf das Gericht in Brescia.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
    schließen

Zwei Deutsche rammen laut Anklage ein Holzboot am Gardasee und töten die beiden Insassen - Greta (†25) und Umberto (†37) . Der Prozess gegen die Münchner wird immer bizarrer. Nun weist ein Gutachter der Verteidigung offenbar den Opfern eine Mitschuld zu.

Wie bild.de berichtet, sei es am vorerst letzten Prozesstag in Bres­cia zu einem Eklat gekommen. Ein Gutachter der Verteidigung habe die belastenden Ermitt­lungsergebnisse zum Verhal­ten der Angeklagten infrage gestellt und den Opfern offen­bar eine Mitschuld zugewiesen. So habe die Küstenwache die Geschwindigkeit des Bootes der beiden Münchner auf rund 20 Knoten berechnet. Das Gutachten der Verteidigung soll demnach nun jedoch behaupten, dass das Boot der beiden Männer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von lediglich 7,8 bis 9,5 Knoten unterwegs gewesen sein soll.

Gardasee-Prozess: Vater soll aus Gerichtssaal gestürmt sein

Wie das Blatt weiter berichtet, soll der Gutachter der Verteidigung in dem Prozess auch erklärt haben, dass das Boot der beiden Opfer auf dem Gardasee getrieben sei. Beide Opfer hätten den Deutschen demnach Platz machen müssen, die beiden Italiener hätten damit laut Verteidigung gegen die Schifffahrts-Bestimmungen verstoßen. Der Vater des getöteten Umberto sei daraufhin wutentbrannt aus dem Gerichtssaal gestürmt.

Beide Münchner laut Zeugenaussagen stark betrunken

Bei dem tödlichen Motorboot-Unfall am Gardasee im Sommer waren die beiden mutmaßlichen Täter aus Deutschland laut Zeugeneinschätzungen stark betrunken. Am zweiten Verhandlungstag des Strafprozesses in Brescia hatten mehrere Zeugen angegeben, dass die Münchner vor dem Crash am 19. Juni vom Nachmittag an Alkohol konsumiert hatten. Beim Prozessauftakt kam es bereits zur emotionalen Begegnung zwischen einem der angeklagten Münchnern und den Hinterbliebenen. Nach einer Entschuldigung vor Gericht folgte offenbar sogar ein gemeinsames Gebet des Angeklagten und des Vaters von Umberto am Grab des jungen Mannes.

Die Versicherung der Angeklagten habe den Hin­terbliebenen inzwischen zudem wohl 3,5 Mio. Euro Schmerzensgeld gezahlt.

Die beiden Bayern fuhren damals nach der tödlichen Kollision einfach weiter, ohne zu stoppen. Sie meinten offenbar, ein Stück Treibholz gerammt zu haben. Das zumindest sagten sie später an dem Abend, wie ein Restaurantbesitzer aussagte. Dabei hatte ihr Boot offenbar einen so großen Schaden erlitten, dass es an der Anlegestelle von Salò zu sinken drohte. Ein Mitarbeiter des Hafens sicherte das Luxusboot.

Gardasee-Prozess: Polizist berichtet über Ermittlungen

Ein Sachverständiger der Polizei berichtete an einem der Prozesstage von Stofffasern, die am Rumpf des Bootes der Deutschen gefunden wurden. Diese stimmten nach Untersuchungen mit dem Stoff der Badehose von Umberto Garzarella und auch der Kleidung von dessen Freundin Greta Nedrotti überein. Das lässt darauf schließen, dass die Italiener bei der Kollision direkt von dem Motorboot der Deutschen getroffen wurden. Garzarella war auf der Stelle tot; Nedrotti stürzte ins Wasser und ertrank.

Gardasee-Prozess: Augenzeuge sagt aus

Eine Augenzeugin sagte aus, dass der Bootslenker nach dem Anlegen torkelnd gegen einen Laternenpfahl stieß. Ein Restaurantmitarbeiter berichtete, dass der Mann aus dem Mund blutete und „bewusstlos“ wirkte. Er habe sich aber geweigert, von einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht zu werden. Der Tourist habe nasse Kleidung getragen - auf einem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie er beim Anlegen im Hafen rücklings über das Boot in den See plumpste.

Nach Zeugenaussagen kein Wunder: Ein Mann erzählte, dass die Deutschen schon am Nachmittag in einer Bar am Ufer tranken - die Polizei fand später im Motorboot den Korken einer Champagnerflasche. Eine Frau sagte aus, dass sie am Abend im Restaurant neben beiden saß, die heftig angeheitert wirkten und dann noch eine Flasche Wodka auf den Tisch gestellt bekamen. Ein Polizist berichtete vom Morgen nach dem Unfall, als er die Männer auf ihrem Hotelzimmer aufsuchte: Ihm sei dabei der starke Geruch von Alkohol in dem Raum aufgefallen.

Ein Ende des Prozesses ist bislang noch nicht abzusehen, das Urteil soll vermutlich noch im Frühjahr fallen.

mz