Jux und Frohsinn waren Trumpf

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Waldkraiburg - Waldkraiburg und der Landkreis feiern. Der kurze Fasching hat bereits Halbzeit. In Mühldorf gilt der Gärtnerball als das gesellschaftliche Ereignis. Aber auch in Waldkraiburg "waren Jux und Frohsinn Trumpf", wie die Zeitung berichtet.

Waldkraiburg und die Welt - Kaum zu glauben, wie viele Faschingsbälle es damals im Landkreis gab. Allein in Waldkraiburg berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren von "größeren Faschingsbällen der Glasarbeiter, der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Schlesischen Landsmannschaft, die an guter Laune und frohem Tanz nichts zu wünschen übrig ließen". Eine Nummer kleiner feierten die Isergebirgler, der Männergesangverein und die Leichtathletik-Abteilung des VfL.

Und das war erst der Anfang. Denn für die nächsten Wochen werden die Faschingsbälle des Roten Kreuzes, der Graslitzer Betriebskapelle mit dem Ortsverein der SPD, der Turnabteilung des VfL, der Egerländer Gmoi, der Feuerwehr, des VdK angekündigt. "Prinz Karneval wird die entsprechende Note der Fröhlichkeit geben", schreibt die Zeitung. Die Bälle verteilen sich auf zwei legendäre Gastronomiebetriebe: den "Weißen Hirsch" in Waldkraiburg-Süd der das "Knusperhäuschen" (heute in der Reichenberger Straße). Ein großes Faschingstreiben wird zudem für das Gasthaus Föhrenwinkel angekündigt. Höhepunkt ist ein Hula-Hoop-Wettbewerb mit Preisen.

Die Faschingshochburg der damaligen Zeit scheint aber Neumarkt-St. Veit zu sein. Dies spiegelt die Berichterstattung über den großen Gärtnerball wider, zu dem sich Gärtner von Dorfen bis Burghausen, von Simbach bis Haag und die politische Prominenz im Mühldorfer Lankessaal versammeln, der kaum ausreichend Platz bietet. "Mit viel Witz und Elan (...) zeigten uns die Neumarkter, was echter Fasching ist, weckten dabei freilich auch manche wehmutsvolle Erinnerung an Faschingszeiten, in denen in Mühldorf noch eigene Tollitäten regierten", heißt es in der Zeitung.

Eltern der schweren Kuppelei angeklagt

Für Aufsehen dürfte in der Woche vor 50 Jahren ein Bericht unter dem Titel "Falsch verstandene Hilfsbereitschaft" gesorgt haben. Es geht um eine Gerichtsverhandlung gegen ein Ehepaar aus einer Gemeinde im nördlichen Landkreis Mühldorf. Das "unbescholtene Ehepaar", so der Gerichtsreporter, hatte dem Freund seiner 20-jährigen Tochter "erlaubt, in ihrem Hause zu nächtigen" und wurde dehalb vom Schöffengericht Eggenfelden wegen schwerer Kuppelei verurteilt. In einem Fall hatte der junge Mann wohl eine Fußverletzung vorgetäuscht. Er durfte ebenso bleiben, wie an einem zweiten Abend, an dem er so betrunken war, dass er nicht mehr nach Hause gehen konnte. Die Eltern führten zur Entschuldigung an, die beiden jungen Leute hätten Heiratsabsichten. Doch was die Eltern taten, war gesetzeswidrig. Darauf wies sie auch Oberamtsrichter Lehner hin und setzte hinzu: "Daß es auch eine schwere Sünde sei, lerne man schon in der Schule im Religionsunterricht."

Das Urteil: Gefängnisstrafe von zwei Monaten mit Bewährung. Der Staatsanwalt hatte sogar fünf Monate und eine Geldbuße beantragt.

"Schadenfeuer in Lohkirchen" --unter dieser Schlagzeile berichtet die Zeitung über einen Brand, der ein Wohnhaus mit Landwirtschaft, Lebensmittelhandlung und Schreinerei vernichtete.

Zu ungewohnter Stunde läuten in Kraiburg die Glocken der Marktpfarrkirche. Das Festgeläut wurde eigens für den Bayerischen Rundfunk in Betrieb genommen, der es für eine Sendung am Sonntagmittag aufnimmt.

Was sonst noch in der Zeitung steht: Im Artikel "Bald mit Atomantrieb zum Mond" wird ausführlich über die Pläne der Amerikaner berichtet, "im Wettlauf um die Eroberung des Weltraums" wiederaufzuholen und "die Russen" zu überflügeln. "Allerdings ist man mit Prognosen äußerst vorsichtig geworden", heißt es, "und veranschlagt den Zeitraum bis zum Start einer bemannten Raumstation auf sechs und den einer bemannten Mondrakete auf elf Jahre." Pläne für die Mondlandung gab es also auch vor Kennedy schon, und der erste Amerikaner setzte seinen Fuß bereits zehn Jahre später, am 20. Juli 1969, auf den Mond.

Die Bamberger Hausfrau Irene Böhmlein hat die Staatliche Lotto-Zentrale zur Auszahlung von einer halben Million Mark verklagt. Sie gibt an, am 31. August 1958 bei einer Annahmestelle in Bamberg einen Schein mit sechs Richtigen abgegeben zu haben. Der Schein ist nie in der Lotto-Zentrale eingegangen. Anderl Molterer, der "Blitz von Kitz", wird Hahnenkammsieger. hg

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