Fährunglück: Mehr Opfer als befürchtet

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Auf dem Weg nach Hause: Passagier mit Tochter. foto: Reuters

Rätselraten um die Passagierlisten . Bari – Nach dem Schiffsunglück in der Adria befürchten die Behörden, dass weit mehr Menschen ums Leben gekommen sind als bisher bekannt.

In dem Wrack der „Norman Atlantic“ seien wahrscheinlich noch mehr Opfer, sagte der italienische Staatsanwalt Giuseppe Volpe. Im Schiff hätten sich blinde Passagiere versteckt. Bisher wurden elf Tote geborgen. Zudem kamen zwei albanische Einsatzkräfte beim Abschleppversuch der Fähre ums Leben, weil ein Tau gerissen war. Deutsche Opfer gab es nach Angaben des Auswärtigen Amtes nicht.

Da es unterschiedliche Angaben zu der Passagierliste gab, ist unklar, wie viele Menschen auf der Fähre waren und somit vermisst werden. Staatsanwalt Volpe sagte am Dienstag, dass möglicherweise 499 Menschen an Bord waren. Gerettet wurden 427. Darunter sind auch 17 Deutsche, so eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Bei zwei weiteren Bundesbürgern werde noch ermittelt, wo sie seien.

Das Schiffswrack wurde beschlagnahmt und sollte nach Brindisi in Süditalien geschleppt werden. Gegen den italienischen Kapitän Argilio Giacomazzi und den Eigentümer der italienischen Reederei Visemar, Carlo Visentini, leitete die Staatsanwaltschaft in Italien Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Herbeiführens einer Havarie ein.

Im süditalienischen Brindisi kam das Marineschiff „San Giorgio“ nach mehreren Verzögerungen mit etwa 200 Überlebenden an. An Bord waren auch die Leichen von fünf Menschen. Im Hafen war eine Krankenstation aufgebaut. Die „San Giorgio“ war der brennenden Fähre zu Hilfe geeilt.

Die Vorwürfe der Passagiere wurden immer mehr. Aussagen von Geretteten legten nahe, dass auf den Autodecks schlafende Lkw-Fahrer ums Leben gekommen sind. Eine Lkw-Fahrerin sagte: „Drei meiner Kollegen sind umgekommen.“ Die Trucker hätten in der Fahrerkabine geschlafen. Niemand hätte die Passagiere rechtzeitig alarmiert. Das Feuer war vermutlich im Aut deck ausgebrochen. Ein geretteter Lkw-Fahrer klagte, von der Besatzung sei keinerlei Hilfe gekommen. „Es gab keinen Feueralarm, der Rauch hat uns geweckt. Wir mussten Wasser vom Deck trinken und uns mit dem zudecken, was wir gerade finden konnten.“

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