Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Experte hält zwei Szenarien für möglich

Europa bereitet sich auf Flüchtlingswelle vor 

Eine Frau hält ihr Baby in einem Bus, während sie Kiew verlässt.
+
Eine Frau hält ihr Baby in einem Bus, während sie Kiew verlässt.

Der russische Angriff treibt viele Ukrainer in die Flucht. Bis zu fünf Millionen – so schätzt die US-Regierung – könnten ihre Heimat verlassen.

Von S. HORSCH, M.BEYER, C. DEUTSCHLÄNDER 

München/Berlin – Der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, hatte die Zahl der möglichen Flüchtenden zuletzt auf zwischen 20.000 und mehr als einer Million geschätzt.

Am Ende wird es darauf ankommen, wie der Krieg verläuft. Für den Migrationsexperten Gerald Knaus gibt es zwei mögliche Szenarien. Wenn Russland – ähnlich wie die Sowjetunion 1956 in Ungarn – die Kämpfe schnell für sich entscheidet, würden vor allem diejenigen aus der Ukraine fliehen, die unter einem möglichen neuen Regime politische Verfolgung fürchten müssten. „Ich rechne in diesem Fall mit einigen hunderttausend Menschen“, sagte Knaus unserer Zeitung. Ziehe sich der Krieg jedoch hin, „wird es sehr viel mehr Vertriebene geben“, so Knaus – auch wenn offen sei, wie viele davon die Ukraine verlassen und wie viele innerhalb des Landes fliehen würden. „Grundsätzlich hätten wir dann eine Analogie zum Syrienkrieg, wo sechs Millionen Menschen geflohen sind – und die Ukraine ist ein wesentlich größeres Land“, sagt Knaus. Ein Unterschied läge darin, dass Ukrainer aufgrund der Visafreiheit problemlos in die EU einreisen können. „Jeder Ukrainer kann nach Deutschland fahren“, sagt Knaus.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) blickt derweil mit Sorge auf die Ukraine. UN-Hochkommissar Filippo Grandi warnt vor „verheerenden“ Folgen für die Zivilbevölkerung. Das Hilfswerk sei in Kontakt mit den Regierungen der Nachbarländer, sagt der Italiener. Er fordert sie auf, „die Grenzen für Menschen, die Sicherheit und Schutz suchen, offen zu halten“. Sowohl in der Ukraine als auch im benachbarten Ausland hat das UNHCR, das am Donnerstagabend von 100 000 Menschen auf der Flucht berichtet, seine Kapazitäten verstärkt. Mehrere tausend seien bereits aus dem Land geflüchtet. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagt, mit den östlichen EU-Ländern seien „Notfallpläne“ vereinbart, um Menschen aus der Ukraine aufzunehmen. „Sie sind willkommen.“ Viele dürfte es zunächst ins westliche Nachbarland Polen ziehen.

Tausende überqueren Grenze nach Polen

Der Chef des polnischen Grenzschutzes sagte gestern, die Zahl der Übertritte steige an, die Lage sei aber „stabil“. In den vergangenen 24 Stunden hätten 15.000 Menschen die Grenze nach Polen überquert. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigten „massive“ Hilfen für Aufnahmeländer an. „Das kann von der Versorgung mit Hilfsgütern, über das Aufstellen von Zelten bis zu logistischer Unterstützung mit Fahrzeugen reichen“, so Herrmann.

Aus Polen ist dann auch der Weg nach Deutschland nicht mehr weit. Bislang seien noch keine aus der Ukraine Vertriebenen an der Grenze festgestellt worden, teilte gestern die Bundespolizei mit. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geht aber davon aus: „Wir müssen uns auf Migration, auf Flucht einstellen.“ Er rechne mit einem ähnlichen Ausmaß wie während des Jugoslawienkriegs in den 90er-Jahren – auch in Bayern werde das spürbar sein. „Das werden wir schultern“, sagte Söder unserer Zeitung.

Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lag die Zahl der Asylanträge von Ukrainern in Deutschland im Dezember bei 85 (davon 68 Erstanträge), im Januar bei 107 (77). Gegenüber den 54 (37) im Januar 2021 bedeutet das ziemlich genau eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres, allerdings auf niedrigem Niveau.

Kommentare