Von Erster Hilfe bis Hauttransplantation: So behandelt man Brandwunden

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Große Verbrennungenführen oft zu einem Blutdruckabfall

Kurz nicht aufgepasst – schon hat man sich am Bügeleisen verbrannt, auf die Herdplatte gefasst oder kochendes Wasser über die Hand geschüttet: Brandverletzungen und Verbrühungen gehören zu den häufigsten Unfällen in Deutschland. Die erste Regel lautet dann: „Die verbrannte Stelle sofort kühlen“, sagt Prof.

Milomir Ninkovic. Er ist Chefarzt der Klinik für plastische Chirurgie am Städtischen Klinikum Bogenhausen in München. „Halten Sie die Stelle mindestens 15 Minuten unter fließendes, kühles Wasser.“ Das verhindert, dass sich die Brandwunde vertieft. Die Hitze an der betroffenen Stelle wirkt sonst nach, verbrennt auch tiefere Hautschichten. Das kühle Wasser verhindert das und lindert auch den Schmerz. Sind mehr als 20 Prozent der Hautoberfläche verbrannt, warnen Ärzte allerdings davor, mit Wasser zu kühlen: Der Patient kann auskühlen und daran sterben.

Sind tiefere Hautschichten betroffen, muss man verhindern, dass Bakterien in die Wunde gelangen. „Decken Sie die Verbrennung mit einem sterilen Tuch oder Pflaster ab und rufen Sie den Notarzt“, rät daher Ninkovic. Eine Infektion kann die Verbrennung vertiefen und lebensgefährlich sein.

Bei schweren Brandwunden, etwa durch Starkstromschläge oder eine großflächige Verletzung, ist das Leben des Patienten in Gefahr. Denn dabei verliert er viel Gewebeflüssigkeit. Das kann den Blutdruck abfallen lassen und zum Organversagen führen. Zudem besteht die Gefahr einer Sepsis, einer Infektion des ganzen Körpers mit Bakterien. Größere Verbrennungen müssen daher stationär in einem Verbrennungszentrum behandelt werden.

Im Krankenhaus muss zunächst das geschwächte Herz-Kreislauf-System des Patienten stabilisiert werden. Am dritten Tag nach der Verbrennung folgt in der Regel eine erste Operation. Das gesamte verbrannte Gewebe muss entfernt werden. Es ist abgestorben und der Körper beginnt dieses nekrotische Gewebe abzustoßen. Manchmal müssen sogar Gliedmaßen amputiert werden, um das Leben des Patienten zu retten.

Ob ein Brandopfer eine schwere Verletzung überlebt, hängt auch von seinem allgemeinen Gesundheitszustand ab. „Junge Menschen können bis zu 90 Prozent verbrannte Körperoberfläche überleben“, sagt Ninkovic. Ist der Patient älter, hat er Vorerkankungen oder weitere Verletzungen, sinken seine Chancen.

Besteht keine Lebensgefahr mehr, gilt es, die Narbenbildung so gering wie möglich zu halten. Denn diese beeinträchtigen die Patienten langfristig. Bei tiefen Verbrennungen fehlt das Fettgewebe unter der Haut, sie ist nicht mehr elastisch. Gleichzeitig zieht sich die Narbe zusammen und wirft sich auf. Ärzte bezeichnen dies als Kontrakturen. Besonders problematisch sind Narben im Bereich eines Gelenks. Patienten können dann etwa das Handgelenk nicht mehr strecken oder den Kopf heben, weil die vernarbte Haut das Kinn zu sehr nach unten zieht. Ständig lastet zudem ein Zug auf der Haut. Vor allem brandverletzte Kinder haben Probleme, denn die überschießende Narbenbildung verhindert das Wachstum und ist sehr schmerzhaft.

Ist nur die oberste Hautschicht verbrannt, gibt es heute Ersatz. „Wir verwenden ein biosynthetisches Material, das sich mit der Haut verbindet“, erklärt Ninkovic. Darunter bildet sich in steriler Umgebung neue Haut. Der Verband fällt nach einiger Zeit von allein ab. „Der Patient hat dadurch weniger Schmerzen und die Narben werden geringer.“ Auch Eigenhaut können Ärzte transplantieren. So lässt sich eine weniger als einen Millimeter dicke gesunde Hautschicht, auch Spalthaut genannt, an einer gesunden Stelle abtragen und auf die Wunde legen. Dort wächst sie an.

Ist die Verbrennung sehr schwer, können Ärzte heute gesunde Hautstücke mitsamt den darunter liegenden Schichten transplantieren. Ärzte nennen dies Lappenplastik. Jeder Lappen hat eigene Gefäßversorgung und kann überall eingesetzt werden. Wie bei Valentina (Artikel oben) werden unter gesunder Haut Expander eingesetzt und die Haut langsam gedehnt. Die zusätzlichen Hautlappen werden auf die verbrannte Stelle gesetzt.

Der transplantierten Haut fehlen allerdings die Drüsen, die Fett und Schweiß produzieren. „Man muss sie gut pflegen“, sagt Ninkovic. Er empfiehlt zudem, Kompressionskleidung zu tragen. Sie übt Druck auf die Narbe aus und hält sie flach. Auch spezielle Salben helfen und halten die neue Haut geschmeidig. Allgemein gilt: „Die verbrannten Stellen darf man ein Jahr lang nicht der Sonne aussetzen“, sagt Ninkovic.

Wichtig sei es zudem, neben dem Körper auch die Seele nicht zu vernachlässigen. „Viele Patienten sind psychisch stark durch die Verbrennung belastet und werden depressiv“, sagt Ninkovic. Patienten mit schweren Brandverletzungen lernen in der Reha nicht nur, mit ihren weniger elastischen Gelenken zurechtzukommen, sondern auch mit ihrem Aussehen. „Familie und Freunde sollten den Patienten unterstützen“, sagt Ninkovic. „Das ist ein wichtiger Bestandteil der Heilung.“ Bettina Dobe

Zurück zur Übersicht: Welt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare