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15 Prozent weniger Kinder

Drastischer Geburtenrückgang in Deutschland - Forscher sehen Zusammenhang mit „Corona-Impfkampagne“

Laut einer internationalen Studie kann der Geburten-Rückgang unter anderem auf die Impfkampagne gegen das Coronavirus zurückgeführt werden.
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Laut einer internationalen Studie kann der Geburten-Rückgang unter anderem auf die Impfkampagne gegen das Coronavirus zurückgeführt werden. (Symbolbild)
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Deutschland muss einen drastischen Geburtenrückgang verbuchen. In den ersten Monaten des Jahres 2022 sind deutlich weniger Kinder auf die Welt gekommen, als in den Jahren zuvor. Während die Geburtenrate 2015 bis 2021 noch zwischen 1,5 und 1,6 Kindern pro Frau pendelte, sank sie in den ersten Monaten 2022 auf 1,3 bis 1,4. Doch was steckt hinter diesem Rückgang und welche Rolle spielte die Corona-Pandemie und die damit verbundene Impfkampagne?

Wiesbaden - Der Start der Corona-Impfkampagne und die zunächst fehlende Impfempfehlung für Schwangere haben sich laut einer Studie deutlich auf die Familienplanung der Deutschen ausgewirkt. Die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau sei seit Beginn dieses Jahres deutlich unter das Niveau der Vorjahre gefallen, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) am Dienstag (20. September) in Wiesbaden mit. 

Weniger Geburten in Deutschland

Laut der internationalen Studie, welche das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mit der Universität Stockholm veröffentlicht hat, kann der Geburten-Rückgang unter anderem auf die Impfkampagne gegen das Coronavirus zurückgeführt werden.

„Diese Studie hat einen bemerkenswert starken und sehr plötzlichen Rückgang der Fertilität“ in Deutschland nachgewiesen. So die Formulierung der Wissenschaftler des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und der Universität Stockholm. Demnach sei die Zahl der Lebendgeburten um etwa 15 Prozent zurückgegangen.

Kinderwunsch zurückgestellt

Eine wesentliche Ursache für die rückläufigen Werte ist der Studie zufolge, dass Frauen beim Start der Impfkampagne im Frühjahr 2021 ihren Kinderwunsch zunächst zurückgestellt haben. Allerdings bestehe „kein Zusammenhang“ zwischen dem Geburten-Rückgang und den Infektions- bzw. Todeszahlen. Aber dadurch, dass die Impfung zunächst nicht für Schwangere empfohlen wurde, hätten viele Frauen und Paare sich dahin gehend entschlossen, den Kinderwunsch aufzuschieben.

„Es ist plausibel, dass sich manche Frauen erst impfen lassen wollten, bevor sie schwanger werden“, erläuterte BiB-Forschungsdirektor Martin Bujard. Die Forscher gehen davon aus, dass „die Menschen ihr Verhalten angepasst haben, um sich impfen zu lassen“.

Die Untersuchungen ließen eine deutliche zeitliche Parallele zwischen dem Start der Impfkampagne und dem Rückgang der Geburtenrate neun Monate später zu, erklärte der Forscher.

Kein solcher Einbruch der Zahlen seit 30 Jahren

Monatliche Geburtenziffer von 2000 bis 2022 (saisonbereinigt)

Während in vielen europäischen Ländern die Fruchtbarkeitsziffer schon zu Beginn der Pandemie sank, blieb sie in Deutschland zunächst konstant, stieg sogar leicht an.

In den zurückliegenden 30 Jahren sei - abseits saisonaler Einflüsse - kein solcher Einbruch der Zahlen erkennbar. „Die Corona-Pandemie hat erhebliche Effekte auf das kurzfristige Geburtenverhalten verursacht, was man auch in anderen Ländern Europas erkennen kann“, erklärte Bujard. So fiel die Zahl der Geburten in Schweden ebenfalls, auch dort führen die Forscher ähnliche Gründe an wie in Deutschland.

Aber: Im Mai 2022 habe sich laut Bujard in Deutschland wieder eine leichte Erholung der Geburtenrate abgezeichnet (1,48), was auf ein Ende dieses Aufschubs deuten könnte.

Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steigt

Auffällig: Auch die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist im zweiten Quartal dieses Jahres weiter deutlich gestiegen. Zwischen Anfang April und Ende Juni ließen 25.600 Frauen eine Abtreibung vornehmen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bereits Anfang September mitteilte. Damit setzte sich ein Trend aus den ersten drei Monaten fort.

Auch zu Jahresbeginn seien deutlich mehr Abtreibungen gemeldet worden. Dagegen sei die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche 2020 noch um 5,4 Prozent, im vergangenen Jahr immerhin noch leicht um 0,9 Prozent zurückgegangen.

Seit der Jahrtausendwende war statistischen Daten zufolge die Zahl der Abtreibungen in den meisten Jahren rückläufig. Eine übergroße Mehrheit von 96 Prozent der Abtreibungen erfolgte nach der sogenannten Beratungsregelung. Medizinische Gründe oder Sexualdelikte, die zu einer Schwangerschaft führten, wurden in den restlichen vier Prozent als Grund genannt.

mz

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