Bald ein Radfahrer-Paradies?

Absurder Vergleich? Dortmund will bald beim Radverkehr wie Kopenhagen sein - und vergisst diese Details

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Radverkehr: Dortmund will bald wie das Fahrrad-Mekka Kopenhagen sein. Doch der Vergleich ist weit hergeholt - und gibt Anlass zur Kritik.

  • Die Stadt Dortmund will in Zukunft mehr für das Thema Fahrrad tun.
  • Die Westfalenmetropole will schon bald auf Augenhöhe mit Kopenhagen sein.
  • Dabei gab es vor kurzem noch katastrophale Noten vom ADFC - und auch die Grünen zeigen sich skeptisch angesichts des weit hergeholten Vergleichs.

Dortmund - Dortmund will Fahrradstadt werden. Doch bis es so weit ist, muss die Stadt noch viel Arbeit leisten. Jetzt gibt es zumindest eine gute Nachricht von der Radler-Front. Der Anteil des Radverkehrs hat sich laut Angaben der Stadt auf 10 Prozent erhöht. Zum Vergleich: 2013 waren es nur 6,4 Prozent, die in Dortmund regelmäßig das Fahrrad nutzten.

Radverkehr: Dortmund will bis 2030 rund aufholen - Vorbild Kopenhagen

Die Stadt hat jetzt große Ziele. Sie will bis 2030 den Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr auf 20 Prozent steigern. Eine am Dienstag (12. November) versendete Pressemitteilung ist passend versehen mit folgender Überschrift: "Dortmund auf dem Weg zum Kopenhagen Westfalens". Doch in der dänischen Hauptstadt herrschen schon jetzt ganz andere Verhältnisse.

Laut der dänischen Stadtplanerin Helle Søholt war der Anteil des Radverkehrs im Zentrum von Kopenhagen bereits 2014 bei 50 Prozent. In der gesamten Stadt lag er damals schon bei 35 Prozent.

Dortmund wie Kopenhagen: Mehr Radverkehr? Mehr Personal?

Damit Dortmund eines Tages ähnliche Werte erreicht, will die Stadt ihr Personal aufstocken. "Die ersten Einstellungsverfahren laufen derzeit", heißt es von der Stadt. Bis 2022 sollen die Mittel für den Fahrradverkehr auf zunächst jährlich sechs Millionen Euro mindestens hochgefahren werden, gibt die Verwaltung an. In Kopenhagen liegen die Ausgaben aktuell bei 13,5 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Die Stadt Berlin stellt pro Jahr rund 50 Millionen Euro für den Radverkehr bereit, also 14 Euro pro Einwohner. In Dortmund wären es dann künftig um die 10 Euro.

Komfortabler mit dem Fahrrad um den Wall in Dortmund

Ein Projekt, das die Stadt künftig angehen will, ist zum Beispiel der Bau eines Komfort-Radwegs um Teile des Walls. Sogar 180 Kfz-Parkplätze sollen dafür gestrichen werden. Zudem will die Verwaltung zwei Fahrradachsen bauen, die Radler ohne Umweg in die City führen sollen. Und dann ist da noch der Radschnellweg Ruhr (RS1) - dessen Fertigstellung aber noch in den Sternen steht, aber von vielen Radfahrern im Ruhrgebiet sehnsüchtig erwartet wird.

Aber machen diese Maßnahmen Dortmund gleich zum "Kopenhagen Westfalens?" Die Grünen in der Stadt - als wichtiger Supporter der lokalen Radler-Szene - haben da ihre Zweifel. In einer Reaktion auf den Vergleich der Stadt heißt es von Fraktionssprecherin Ingrid Reuter: "Das Gefühl, mit dem Fahrrad sicher durch die Stadt fahren zu können, scheitert vor allem an der unerschütterlichen Vorrangstellung des Autoverkehrs, die durch die bisherigen politischen Entscheidungen immer wieder manifestiert wurde."

Dortmund in Sachen Fahrrad bald wie Kopenhagen?

Wenn Dortmund eines Tages wie Kopenhagen werden soll, so Reuter, müsse mehr Platz für Radfahrer her. Kritik kommt auch am Start der Mittelerhöhung. Erst bis 2022 sollen die versprochenen sechs Millionen Euro in den Fahrradverkehr fließen.

Unterdessen muss die Stadt auch die katastrophalen Noten des vergangenen ADFC-Klimatests verarbeiten und aufgedeckte Missstände beseitigen. Mit der Note 4,4 gehörte Dortmund bei dem Test in Sachen Radverkehr zu den schlechtesten Städten in Deutschland. Besonders schlecht kommen in Dortmund drei Punkte weg: Die Führung für Radfahrer durch Baustellen (Note 5,1); die Breite der Radwege (Note 5,1) sowie die Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen (Note 5,3).

Dortmund will mehr fürs Fahrrad tun - das sind die Pläne

Die Stadt Dortmund verspricht seinen Radfahrern indes den schrittweisen Ausbau der Schutzstreifen, ein neues Netz von Fahrradrouten und die Ausweisung von Fahrradstraßen. In den nächsten zehn Jahren sollen zudem mindestens 20 neue Abstellanlagen entstehen und mehrere tausend Fahrradbügel im öffentlichen Raum aufgestellt werden. Das in 2019 begonnene Programm zur Roteinfärbung von Knotenpunkten wird außerdem fortgesetzt. Ob es danach dann in Dortmund so aussieht wie in Kopenhagendag

Rubriklistenbild: © dpa

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