In Deutschland schlängelt es immer öfter

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Knapp eine Woche suchten Helfer nach dieser Gelben Anakonda bei Meerbusch. Solche Meldungen häufen sich. Viele schafften solche Tiere zur „Befriedigung des eigenen Egos oder zum Beeindrucken von Freunden“ an, würden ihrer aber bald überdrüssig, sagt Tom Kirschey vom Naturschutzbund. Sie setzten die Schlangen dann aus. foto: Gambarini/ dpa

Eine Anakonda im See, eine Boa constrictor auf der Straße – Schlangen sorgten zurzeit für Aufregung in Deutschland. In den meisten Fällen ging es um ausgesetzte oder ausgebüxte Exoten. „Wir baden die Trends aus“, klagt eine Tierheim-Sprecherin.

Ausgesetzte Reptilien

Von Christian Schultz

Frankfurt/Berlin – Schlangen bleiben meist im Verborgenen und haben anders als Vögel, Hunde oder Katzen ein Imageproblem. Nach biblischer Erzählung war es eine Schlange, die Eva im Paradies verführte, von der verbotenen Frucht zu essen. Und wer mit gespaltener Zunge spricht, betrügt. Zuletzt kamen die Schlangen in Deutschland aber aus ihren Verstecken: An einem See in Meerbusch bei Düsseldorf wurde eine Gelbe Anakonda gefangen (wir berichteten), auf einer Straße im rheinland-pfälzischen Hennweiler eine Würgeschlange gesichtet.

Solch exotische Exemplare sind zumeist ausgebüxt oder wurden ausgesetzt – die Zahl dieser Fälle häuft sich. Einheimische Arten sorgen dagegen nur äußerst selten für Wirbel, und ihr Bestand ist Experten zufolge rückläufig.

Polizeimeldungen zu Schlangen beträfen meist exotische Arten aus der Terrarienhaltung, sagt Tom Kirschey vom Naturschutzbund (Nabu) Deutschland. „Dass diese Meldungen stark zunehmen, kann ich bestätigen.“ Eingefangene Exemplare landen häufig in Tierheimen. Und das sind nicht wenige, wie das nach eigenen Angaben größte europäische Tierheim in Berlin mit eigener Exotenstation mitteilt. „Die ist bis zum Rand gefüllt“, sagt Sprecherin Annette Rost.

Darunter sei eine Reihe an Würgeschlangen, die nur schwer an neue Halter zu vermitteln seien. „Die Kapazitätsgrenze ist erreicht.“ Im Heim seien etwa eine 2,20 Meter lange Boa constrictor und eine andere Boa-Art. Eine der Schlangen sei direkt auf dem Parkplatz des Tierheims ausgesetzt worden. „Wir baden hier die ganzen Trends aus.“

Sowohl die Boa constrictor als auch der Königspython seien typische Terrarienschlangen, erklärt Sebastian Lotzkat vom Senckenberg-Forschungsinstitut. Im Sommer hätten sie hier zwar eine Überlebenschance in freier Natur, darüber hinaus aber nicht. „Wenn der Winter kommt, gehen sie ein.“ Sie seien nicht frosttolerant.

Einheimische Arten sind das sehr wohl, doch sie haben mit dem Schwund an Lebensraum zu kämpfen. „Leider nimmt ihr Bestand durch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes ab“, befindet die Deutsche Wildtierstiftung. Nabu-Fachmann Kirschey sagt: „Alle Schlangenarten Deutschlands verzeichnen rückläufige Bestandstrends.“ Sie würden teils dramatisch seltener, wie bei der Kreuzotter.

Lotzkat vom Senckenberg-Institut zufolge gibt es seit Kurzem sieben einheimische Schlangenarten. Da sind zunächst die Äskulapnatter, die Ringelnatter, die Schlingnatter, die Würfelnatter, die Kreuzotter und die Aspisnatter – giftig sind nur die letzten beiden, gefährlich ist für Menschen in der Regel keine. Als siebte Art kam Lotzkat zufolge 2017 die Barren-Ringelnatter hinzu, die vorher als Unterart der Ringelnatter galt.

Genaue Zahlen zu Schlangen gebe es nicht, sagt Lotzkat. Anders als bei Vögeln existierten viel weniger Erhebungen, Schlangen seien auch schwerer zu beobachten. „Es sind heimliche Tiere“, sagt er. Grundsätzlich bevorzugten sie „strukturreiche“ Gegenden, die Nahrung, Sonne, aber auch Rückzugsgebiete böten. Das zunehmend wärmere Klima setze zum Beispiel der Kreuzotter zu, die es eher feucht und kühl möge. Anders bei der Äskulapnatter, die es eher mediterran brauche: Sie kommt unter anderem im hessischen Taunus rund um die nicht von ungefähr so benannte Stadt Schlangenbad vor.

Ob der Klimawandel neue Arten bringe, sei schwer zu sagen, sagt Lotzkat. Da andere wärmeliebende Lebewesen wie das Taubenschwänzchen – eine Schmetterlingsart – immer nördlicher zu finden seien, sei es nicht unmöglich. „Aber Schlangen sind nicht die Könige der Ausbreitung.“

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