„Das Herz ist ein egoistisches Organ“

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Benjamin Sadler über seine Rolle des vermeintlich bösen Karenin in dem ARD-Drama „Anna Karenina“ Manche nennen ihn die deutsche Antwort auf George Clooney.

Der blendend aussehende, 1971 in Toronto als Sohn eines Deutschen und einer Britin geborene, Benjamin Sadler überzeugte bereits bei Fernsehereignissen wie „Dresden“ (2006) und Robert Dornhelms Adaption von Leo Tolstois „Krieg und Frieden“ (2007). Nun spielt der 42-Jährige in der aufwendigen TV-Produktion „Anna Karenina“ mit, die die ARD am morgigen Samstag von 20.15 Uhr an zeigt (Regie: Christian Duguay). Er gibt jedoch nicht den feschen Verführer Graf Wronski, stattdessen überzeugt er als Annas staubtrockener Beamten-Ehemann Karenin. Im Interview spricht er über sein Verhältnis zu Tolstoi und erzählt, warum am Ende der Dreharbeiten eine ganze Eislaufbahn verschenkt wurde.

-Der ARD-Film ist die 14. Filmversion von Tolstois Roman seit 1914. Wo liegt der Kern für die anhaltende Faszination?

Die Brillanz, mit der Tolstoi die Innenwelten seiner Figuren beschreibt, ist für mich einfach unfassbar. Der Konflikt „Was ist Liebe, was brauchen wir für unser Glück?“ bleibt ja für jeden Menschen aktuell, auch wenn er älter wird. Man möchte doch die Schwarz-Weiß-Bilder seiner Jugend hinter sich lassen und die Facetten immer klarer benennen können. Das ist eben ein Urthema, das sich nie ändern wird. Und ein Weg, auf dem der Mensch immer wieder Fehler macht, weil er eben auch nicht anders kann. Das Herz ist ein egoistisches Organ – und das hat manchmal fatale Konsequenzen.

-Gibt es etwas, was Sie aus der Beschäftigung mit dem Stoff und Ihrer Figur für sich gelernt haben?

Schauspielerisch lag mein primäres Interesse darin, dem vermeintlich „bösen“ Karenin seine menschliche Seite abzugewinnen. Zu zeigen – im Roman ist es ja auch so –, dass der zwar wie wir alle begrenzt ist, aber zugleich ernsthaft versucht, das zu machen, was er für das Beste hält. Und dabei auch persönlich so etwas wie Glück zu finden versucht. Wenn Karenin Vernunft und Verstand über reine Leidenschaft stellt, hält er das als Mann seiner Zeit für klug. Aber ich persönlich wäre dazu nicht fähig – und emotional lässt sich das wohl nicht umsetzen, man würde krank werden. Darüber hinaus war ich wieder einmal begeistert, wie großartig das alles beschrieben wird im Roman. Ich hatte das Buch bereits zweimal gelesen – einmal mit 16 in der Schule und dann noch einmal mit 23, 24 Jahren. Die Geschichte hat sich mir regelrecht eingebrannt.

-Eine im Baltikum gedrehte historische Großproduktion – das stellt man sich speziell vor. Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?

Wir haben fast ausschließlich in Vilnius in Litauen gedreht. Dort gibt es noch viele alte Straßenzüge, doch auch die sehen nicht immer mehr so aus wie im 19. Jahrhundert. Also gab es einen erhöhten technischen Aufwand. Zum Beispiel wurden Tonnen von Sand auf den Asphalt gekippt, Satellitenschüsseln abgeschraubt. Es wurde eine alte Eisenbahn geholt und aufwendig wieder instandgesetzt – heute steht sie dort im nationalen Bahnmuseum. Das Team hat auch eine ganze Eislaufbahn erstellt, die dann der Stadt Vilnius übergeben wurde. Beeindruckend fand ich es, in all den echten prachtvollen Kulissen zu spielen, die dann wirklich so verschwenderisch aussahen wie im 19. Jahrhundert. Natürlich macht das was mit einem. Das ist eben nicht Studio oder Pappmaché.

Das Gespräch führte Ulrike Cordes.

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