Der Tag danach: das große Aufräumen

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- Wasserburg - Für die einen kehrte gestern nach dem Hochwasser die Normalität wieder ein. Für die anderen wurde das Ausmaß der Katastrophe erst so richtig deutlich: Mit dem großen Aufräumen stand in den Überschwemmungsbereichen auch die bange Frage im Raum, ob für den Schaden jemand aufkommen wird.

Noch immer waren gestern mehrere Feuerwehren in Wasserburg beim Räumeinsatz. Die Autos, die in der Tiefgarage Neustraße "abgetaucht" waren, waren gestern Mittag noch unter Wasser, die Pumpen liefen auf Hochtouren.

Droben türmte sich in der Zwischenzeit das Mobiliar, das aus den überschwemmten Wohnungen geräumt wurde und nur mehr für den Container tauglich war. Einer nach dem anderen wurde gefüllt und gleich wieder abgefahren, die Stadt übernahm dafür erst einmal die Kosten. Überall klebte der Innschlick, Gummistiefel und verdreckte Kleidung bestimmten das Bild.

Ein Stück weiter hinten räumte ein Bagger den schlimmsten Schmutz weg. Hier hatte in der Nacht auf Mittwoch das Unglück seinen Lauf genommen, als der alte Mühlkanal wieder durchgebrochen war.

Bei einem Ortstermin auf der anderen Seite des Burgberges zeigte sich zur selben Zeit, dass dieser Kanal immer noch fest verschlossen ist. Doch der Inn hatte sich daneben in einer Ausspülung einen Seitenzugang geschaffen, durch den dann das Wasser in den alten Durchstich lief und hinter der Knoppermühle wieder zutage kam.

Werkstätten, Lokal, Wohnungen, Elektrogeschäft: Überall wurden entlang des Knoppermühlwegs die Keller ausgeräumt. Der Schadensbericht klingt immer wieder ähnlich: Heizungen und Elektroanlagen sind defekt, die Einrichtung nur in den seltesten Fällen noch mit einer kräfigen Wasserdusche zu retten.

Im Elektromarkt Stecher waren immerhin fast keine Neugeräte betroffen. Dafür ist das Werkzeug der Firma weitgehend hinüber, Lagerbestände wurden zu Müll.

In Gummistiefeln und mit Krawatte war Bürgermeister Michael Kölbl in der Stadt unterwegs, um mit Fachleuten die Brennpunkte zu besichtigen. Mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes wurden Sofortmaßnahmen besprochen, mit denen das Loch erst einmal verschlossen werden kann.

Gestern Abend gab es dann ein erstes Gespräch über die Zuständigkeit in diesem Bereich, die recht kompliziert ist: Ausgerechnet an der Durchbruchstelle kommt Grundbesitz von Stadt, Straßenbauamt und Wasserwirtschaftsamt zusammen, dazu kommt Eon als so genannter "Sicherungspflichtiger".

Was das für die Haftung bedeutet, diese Frage wird wohl noch einige Juristen beschäftigen - und geht schon jetzt in den Köpfen der Wassergeschädigten um. "Ich weiß wirklich nicht, wer das bezahlen soll" - diese Ratlosigkeit gehörte gestern zum Normalbild rund um die Knoppermühle.

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