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Wie gefährlich wird die Lambda-Variante aus Südamerika?

Blick in die Corona-Glaskugel: Einige Virus-Mutanten dürften noch kommen

In Peru dominiert die Lambda-Variante des Coronavirus. Was ist bekannt?
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In Peru dominiert die Lambda-Variante des Coronavirus. Was ist bekannt?

Was erwartet uns noch in der Corona-Pandemie? Aufgrund des bisherigen Verlaufs wagen Experten einige Vorhersagen – vor allem was weitere Virusmutationen betrifft. Und mittlerweile breitet sich vor allem in Südamerika eine besorgniserregende Lambda-Variante aus.

Von Marco Krefting, dpa

Heidelberg – Epsilon, Lambda, Pi oder Omega: Das griechische Alphabet hält noch 20 Buchstaben bereit, die nach Delta folgen. Obwohl etwa die Varianten Epsilon und sogar Lambda bereits existieren, reicht das Alphabet noch eine Zeit lang aus, sollte das Coronavirus weiter mutieren und neue relevante Mutanten hervorbringen. Doch wie kann es aus virologischer Sicht weitergehen?

Die Zahl der Corona-Mutanten wird überschaubar bleiben

Forscher wagen die ein oder andere Prognose und sind sich vor allem in einem Punkt sicher: Das Coronavirus wird sich weiter verändern. Allerdings geht der Präsident der Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager, davon aus, dass die Zahl der Varianten «überschaubar» bleibt. Man könne jedoch noch nicht sicher sagen, ob noch relevante Mutanten folgen.

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Im Vergleich zu anderen Viren mutiere Sars-CoV-2 langsam, sagt der Professor für Molekulare Virologie an der Uni Heidelberg. Das liege am relativ großen Genom. «Wenn das Genom lang und länger wird, kann man sich nicht mehr viele Fehler erlauben», so Bartenschlager. Die Enzyme des Virus müssten sehr genau arbeiten, viele Fehler würden repariert.

Das Spike-Protein ist sehr variabel

Auch Richard Neher von der Uni Basel ist sicher: «Das Virus wird sich kontinuierlich weiterentwickeln, wie wir das von anderen Coronaviren des Menschen oder von Grippe auch kennen.» Coronaviren aus dem Tierreich seien vor allem in der Region des Spike-Proteins, das außen sitzt und wichtig für die Infektion ist, sehr variabel. Somit sei kein natürlicher Stopp zu erwarten. «Aber wie diese Evolution die Eigenschaften der Viren verändert und wie viel Spielraum das Virus in dieser Hinsicht hat, ist im Moment nicht klar», so der Biophysiker.

+++ Hier finden Sie weitere Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region, Bayern und Deutschland. +++

Das Spike-Protein sei der Teil des Coronavirus, der die wichtigste Rolle bei der Verbreitung spielt, da es mit Hilfe dieses Proteins in Wirtszellen eindringe und Antikörper des Immunsystems das Oberflächenprotein erkennen könnten. «Über die Effekte anderer Mutationen ist sehr viel weniger bekannt», erläutert Neher. Auch Bartenschlager räumt ein, dass diese im Moment nicht so sehr untersucht würden wie Veränderungen am Spike-Protein.

Gefährlichkeit künftiger Corona-Mutationen nicht vorhersagbar

Klaus Überla vom Virologischen Institut am Universitätsklinikum Erlangen erklärt, auch Mutationen anderer viraler Proteine könnten die Übertragbarkeit erhöhen. «Stellen Sie sich vor, eine Mutation hilft dem Virus der Erkennung durch das angeborene Immunsystem zu entgehen. Die Folge könnte eine höhere Virusbeladung und damit eine höhere Übertragbarkeit sein.» Dieser Teil des Immunsystems reagiert rasch und recht unspezifisch auf Erreger und Fremdstoffe.

Wie gefährlich zukünftige Mutanten sind, ist Überla zufolge nicht vorhersagbar. «Der wesentliche Selektionsdruck ist die Übertragbarkeit», erläutert er. «Eine bessere Übertragbarkeit kann mit harmloseren oder schweren Krankheitsverläufen einhergehen.» Bartenschlager sagt immerhin: «Je besser sich Viren an den Wirt anpassen, desto geringer ist in der Regel der Schaden für den Wirt.» Die Regel gelte aber auch nicht immer, betont der Fachmann.

Das Virus und das Immunsystem im ständigen Kampf

Neher geht davon aus, dass in den kommenden Jahren die sogenannte Immunevasion die relevantere Komponente wird. Dabei führen Mutationen dazu, dass die Viren dem Immunsystem leichter entkommen.

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Denkbar sind laut Bartenschlager auch sogenannte Rekombinationen zweier Corona-Typen. «Wenn zwei Varianten eine Zelle infizieren, kann es sein, dass es zum Austausch von Genstücken kommt», erklärt der Virologe. Er spricht von Chimären – in der Biologie ein Organismus aus genetisch unterschiedlichen Zellen, in der Mythologie Mischwesen wie Sphinx, Zentauren oder Meerjungfrauen. Allerdings sagt Bartenschlager auch, das sei bislang bei Sars-CoV-2 noch kein Thema.

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Corona-Variante Lambda: WHO beobachtet Ausbreitung in Lateinamerika

Genf – Eine bisher vor allem in Lateinamerika auftretende Corona-Variante steht nun unter besonderer Beobachtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Aufgrund ihrer Mutationen könnte die Virus-Version mit dem Namen Lambda möglicherweise ansteckender sein oder vom menschlichen Immunsystem schlechter bekämpft werden, berichtete die Genfer UN-Behörde in der Nacht auf Mittwoch. Belastbare Studien und gesicherte Erkenntnisse dazu lägen jedoch noch nicht vor.

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Die Variante wurde erstmals im August 2020 in Peru identifiziert. In dem Land wurden seit April 81 Prozent aller analysierten Corona-Fälle Lambda zugeordnet. In Argentinien und Chile waren es in den vergangenen Monaten rund ein Drittel.

Corona-Varianten werden von der WHO in zwei Kategorien einteilt: Varianten unter Beobachtung («variants of interest»), die zu gehäuften Fällen führen oder in mehreren Ländern auftreten. Dazu gehört Lambda. Eine Stufe höher stehen die besorgniserregenden Varianten («variants of concern»). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen. Darunter fällt etwa die Delta-Variante, wegen der die geplante Corona-Öffnung in Großbritannien verschoben wird.

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