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Interview mit dem Psychologen Dirk Ziems

„Impfskepsis unterschätzt“: Warum lassen sich immer weniger Menschen gegen Corona impfen?

Dirk Ziems, Konsumpsychologe
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Der Konsumpsychologie Dirk Ziems erklärt den Unterschied zwischen Impfskeptikern und Impfgegnern – und was die Menschen antreibt, eine Corona-Impfung abzulehnen.
  • VonSebastian Horsch
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München/Berlin – Der Konsumpsychologe Dirk Ziems erforscht die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Im Interview erklärt er, warum das Thema Corona-Impfung so viel Konfliktstoff birgt, wer nicht mehr zu überzeugen ist und wie Unentschlossene überzeugt werden können.

Herr Ziems, obwohl es nun endlich genug Impfstoff gibt, gerät die Impfkampagne ins Stocken. Wieso?

Dirk Ziems: Weil die Gruppe der Impfskeptiker unterschätzt wurde. Das sind die Menschen, die beim Gedanken an die Corona-Impfung ein allgemeines Unbehagen empfinden. Sie sprechen sich meist gar nicht offen gegen das Impfen aus, sondern der Übergriff auf ihren Körper ist ihnen einfach irgendwie unheimlich. Dieses mulmige Gefühl ist psychologisch hochwirksam und führt dazu, dass diese Gruppe Impftermine vor sich her schiebt, absagt oder nicht zur Zweitimpfung geht. Ihr Anteil macht schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung aus.

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Helfen hier Anreize oder Drohungen?

Ziems: Das ist eine schwierige Frage. Am besten wirkt wohl eine Strategie mit sanftem sozialem Druck, idealerweise mit einer Ansprache im Alltagskontext. Also an der Arbeitsstelle, in Fußgängerzonen, durch den Arzt oder auch durch persönliche Bekannte. Ein Problem ist aber, dass viele Skeptiker darüber gar nicht sprechen wollen, weil sie Angst haben, als verblendete Impfgegner abgestempelt zu werden, die sie nicht sind.

Was bringen Kampagnen?

Ziems: Oberflächliche Kampagnen mit Parolen im Stile von „Ganz Deutschland ist dabei“ laufen ins Leere. Wirksam könnte hingegen eine Kampagne sein, in der beispielsweise Prominente erzählen, dass auch sie Zweifel hatten und wie sie sich dann doch für die Impfung entschieden haben. Das bringt mehr als Strahlemann-Bilder von Schauspielern, die vom ersten Tag an voll und ganz hinter der Impfung standen.

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Was ist mit den tatsächlichen Impfgegnern?

Ziems: Das ist eine eher kleine Gruppe von vielleicht fünf Prozent der Bevölkerung. Auch hier muss man differenzieren. Ein Teil argumentiert wirklich fachlich und ist von den Corona-Impfstoffen einfach nicht überzeugt. Die meisten aber fallen eher in die Gruppe der lauten Corona-Wutbürger. Das sind diejenigen, die die Ungewissheit um die Pandemie und das tastende Vorgehen der Verantwortlichen von Beginn an nicht ertragen haben. Sie sehen inzwischen die Schuld für nahezu alles bei der Regierung und wenden sich deshalb gegen die Masken, den Lockdown und genauso gegen die Impfung. Das kann man unlogisch finden. Aber wenn man sich psychologisch so auf ein Feindbild eingeschossen hat, erkennt man in allem, was von dieser Seite kommt, nur noch Lügen.

Kann man diese Gruppe überhaupt überzeugen?

Ziems: Aller Voraussicht nach nicht. Man muss also mit ihnen umgehen. Diese Gruppe ist für den Erfolg der Impfkampagne aber letztlich auch nicht entscheidend. Viel fruchtbarer ist es deshalb, sich auf die größere Gruppe der Impfskeptiker zu konzentrieren und sie mit ihren Bedenken abzuholen. Vielleicht wäre jetzt auch eine Werbekampagne empfehlenswert, die Geimpfte dazu auffordert, mit bislang Nicht-Geimpften im Bekanntenkreis zu reden und diese zur Impfung zu bewegen.

In Frankreich und Griechenland wurde der Konflikt bereits auf die Straßen getragen. Was kommt in Deutschland noch auf uns zu?

Ziems: Wir hatten hier ja auch schon Querdenker-Demos. In Frankreich kommt nun voraussichtlich ein erheblicher auch finanzieller Druck auf alle zu, die sich nicht impfen lassen wollen und ihre Tests künftig selbst bezahlen sollen. Das bringt die Impfgegner natürlich schnell auf die Palme. Ich gehe davon aus, dass es in Deutschland zu ähnlichen Auseinandersetzungen kommen wird, wenn die Tests bei uns auch kostenpflichtig werden sollten. Gleichzeitig wäre auch das sicher ein brauchbarer Druckpunkt, um in der Gruppe der zögernden Impfskeptiker Menschen aus der Reserve zu locken und zur Impfung zu bewegen.

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