Auch wirre Verschwörungstheorien im Netz

Wie entstand das Coronavirus? Forscher rätseln über Fledermäuse und Schlangen als Überträger

Große Hufeisennase: Fledermaus-Kolonie wächst
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Große Hufeisennase: Fledermaus-Kolonie wächst
  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Das neue Coronavirus, das eine Pandemie auslöste, ist erst vor Kurzem entstanden. Aber wo und wie? Wissenschaftler sind sich uneinig.


Die Corona-Krise* hat inzwischen große Teile der Welt erreicht - aber woher kam der neuartige Erreger? Darauf gibt es (noch) keine abschließende Antwort. Das „Sars-Coronavirus 2“, abgekürzt Sars-CoV-2, gehört zur Gruppe der Coronaviren und wurde zum ersten Mal Ende Dezember 2019 in Wuhan in China festgestellt. Die hervorgerufene Erkrankung heißt „Coronavirus Disease 2019“ oder Covid-19

Weitere Coronavirus-Spezies sind Mers (Middle East respiratory syndrome) und Sars (Severe acute respiratory syndrome). Letzteres löste 2002/2003 eine Epidemie mit rund 800 Toten aus. Auch damals begann die Infektionskette in China: Fledermäuse übertrugen den Erreger höchstwahrscheinlich über einen Zwischenwirt auf den Menschen - der Weg, den Forscher jetzt auch bei Sars-Cov2 vermuten. 

Mögliche Coronavirus-Träger in Wuhan: Fledermäuse und Schlangen

Von Fledermäusen ging unter anderem wohl auch das Ebola-Virus aus. Sie stehen zwar in Teilen Asiens auf dem Speiseplan des Menschen - sollen aber auf dem Seafood-Markt in Wuhan, wo sich die ersten Erkrankten mit Sars-CoV-2 ansteckten, nicht verkauft worden sein. Wohl aber andere Wildtiere wie Waschbären oder Schlangen. Schlangen stehen deshalb unter anderem als Sars-CoV-2-Zwischenwirt im Verdacht. 

Wie können Viren die Artbarriere überspringen, also etwa die von Fledermaus auf Schlange oder Schlange auf Mensch? Durch zufällige Veränderungen um Erbgut (“Mutationen“), die in der Natur häufig vorkommen und oft keine größeren Auswirkungen haben. Manchmal mutiert ein Erreger so stark, dass er neue Fähigkeiten bekommt, zum Beispiel die, in die Zellen eines neuen Wirts einzudringen. 

Coronavirus: Mutationen im Erbgut führen zu Mensch-Tier-Übertragung

Viren, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, nennt man zoonotisch. Der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) zufolge sind etwa 60 Prozent der Infektionskrankheiten zoonotisch. Bei Sars-CoV-2 könnte eine Mutation an einem Oberflächenprotein dem Erreger geholfen haben, sich leichter an menschliche Zellen anzudocken. 

Wissenschaftlern aus Shanghai gelang es schon kurz nach dem Ausbruch, das Erbgut von Sars-CoV-2 zu entschlüsseln. Forscher an der Universität Peking wiederum verglichen dessen Gencode mit dem Gencode verschiedener potentieller Wirtstiere. Die stärksten Ähnlichkeiten gab es demnach bei Fledermäusen sowie zwei giftigen Schlangenarten (die zubereitet essbar wären). Es handelt sich um die Chinesische Kobra und den Vielgebänderten Krait.

Coronavirus: Gen-Austausch zwischen zwei Virenstämmen

Andere Forscher zweifeln die Schlange als Wirtstier an und gehen in der Frage vom Gürteltier aus. Die Medizinredakteurin Lydia Klöckner berichtet, dass den Analysen zufolge das mutierte Oberflächenprotein durch einen Genaustausch zwischen zwei Viren-Spezies entstand -  einer aus Fledermäusen und einer noch unbekannter Herkunft. Die Suche nach einem Wirtstier dauert also an.

Coronavirus aus dem Labor? Verschwörungstheorie über Biowaffe widerlegt

Manche suchen den Schuldigen für die Corona-Pandemie ganz woanders. So zirkulieren Thesen im Internet, wonach das neuartige Sars-CoV-2 eine im Labor entwickelte biologische Waffe des US-Militärs sei. In der Angelegenheit erwies sich der Gencode-Vergleich wieder als nützlich: Ein Forscher-Team aus La Jolla im US-Bundesstaat Kalifornien widersprach im Fachmagazin Nature Medicine Ende März vehement. Sie betrachteten Sars-CoV-2 gegenüber bereits gut untersuchter Coronavirus-Spezies und kamen zu dem Schluss: ausgeschlossen. Der Erreger kommt nicht aus dem Labor. 

Wissenschaftlern ist nun ein Durchbruch in der Erforschung des Ursprungs des neuartigen Coronavirus gelungen.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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