Aktuelle Reisehinweise des Auswärtigen Amtes

Pauschale Reisewarnung wird aufgehoben – Corona in den Lieblings-Urlaubsländern der Deutschen

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Wohin im Coronavirus-Jahr 2020? Viele Menschen sind verunsichert. Hier ist der Überblick über die 7 beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen und einen Blick auf die Welt. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Coronavirus-Fallzahlen in den beliebtesten Reiseländern der Deutschen entwickeln sich sehr unterschiedlich.
  • Das Auswärtige Amt gibt ständig aktualisierte Reisehinweise zur Lage vor heraus.
  • Wir halten Sie auf dem Laufenden über die Situation in Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Frankreich, Kroatien und der Türkei.
  • Reisewarnungen gelten derzeit für Spanien und einzelne europäische Regionen

Update 10. September:

Ende der pauschalen Reisewarnung

Die pauschale Reisewarnung für fast alle gut 160 Länder außerhalb der EU und des Schengen-Raums wird am 30. September enden. Danach soll es nach einem Beschluss des Bundeskabinetts auf die Lage in den einzelnen Staaten zugeschnittene Bewertungen geben. 

Am 17. März hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen eine beispiellose Maßnahme verkündet: Eine Warnung vor touristischen Reisen in alle rund 200 Länder der Welt. Erst im Juni - unmittelbar vor Beginn der Haupturlaubszeit - wurden die Länder der Europäischen Union, des grenzkontrollfreien Schengen-Raums sowie Großbritannien, Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikanstaat ausgenommen.

Aktuell gelten innerhalb Europas allerdings Reisewarnungen zum Beispiel für Spanien sowie Teile Frankreichs und Kroatiens. Die wurden am Mittwochabend vom Auswärtigen Amt noch einmal ausgeweitet. Betroffen sind nun etwa auch Genf, Prag, Dubrovnik oder die Insel Korsika.

+++ In unserem Nachrichten-Ticker finden Sie aktuelle Informationen zum Coronavirus in der Region, Bayern und Deutschland. +++

Wer aus Risikogebieten nach Deutschland einreist, ist verpflichtet, sich an Vorgaben von Bund und Ländern zu halten. 

Lesen Sie hier:  Quarantäne statt kostenlose Coronatests – das müssen Reiserückkehrer wissen

Als kleine Entscheidungshilfe stellen wir Ihnen die Entwicklung der Coronavirus-Fallzahlen in den 7 beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen zusammen: Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Frankreich, Kroatien und die Türkei.

Spanien

Urlauber aus der EU und den Schengenstaaten dürfen weiter unbegrenzt nach Spanien einreisen. Wegen wieder gestiegener Corona-Zahlen hat Deutschland das Land mit Ausnahme der Kanaren jedoch zum Risikogebiet erklärt und eine Reisewarnung auch für die beliebte Ferieninsel Mallorca ausgesprochen. Reiseveranstalter sagten daraufhin Pauschalreisen nach Mallorca und andere Regionen ab. Für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt generell schon seit einigen Wochen, dass sie sich beim Gesundheitsamt melden müssen. Zudem gibt es eine Testpflicht bei der Heimkehr.

Wer trotzdem noch nach Spanien will, sollte beachten, dass man vor der Reise ein Online-Formular ausfüllen sollte und dann einen QR-Code erhält, der bei der Einreise per Flugzeug vorzuweisen ist. Im Land selbst gelten strenge Corona-Regeln wie etwa Maskenpflicht nicht nur in geschlossenen öffentlichen Räumen, sondern auch im Freien, Abstandsregeln sowie Beschränkungen der Gästezahlen in Restaurants und anderen Einrichtungen. 

Zudem gilt ein Rauchverbot im Freien, wenn der Sicherheitsabstand zu Fremden nicht eingehalten werden kann. Ein Nachtleben gibt es praktisch kaum noch, nachdem Clubs, Diskotheken, Live-Musik und andere Lokale schließen mussten. Manche kleinere Gebiete in Kastilien-León und Murcia sind wegen lokaler Ausbrüche abgeriegelt. Die Pandemie sei aber im ganzen Land weiter im Griff, versichert die Zentralregierung in Madrid.

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Der Reiseveranstalter Tui sagt Pauschalreisen nach Spanien von Samstag an ab. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein Tui-Sprecher am Freitagabend der dpa sagte. Reisenden, die bereits in den betroffenen Feriengebieten sind, biete Tui an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen.

Lesen Sie hier: Was bedeutet die Reiswarnung für Spanien für Urlauber die bereits dort sind, demnächst oder in ein paar Wochen reisen wollten?

Italien

Die Bilder aus Italien gingen um die Welt: Militärlastwagen transportierten im Konvoi in Bergamo die Leichen von Menschen ab, die am Coronavirus gestorben waren. Ärzte und Pfleger aus Kliniken in Italien schickten in Handyvideos dramatische Nachrichten um die Welt. Die Botschaft: Wappnet euch für das, was kommt, damit es euch nicht so hart trifft wie uns.

Die meisten Urlauber aus der EU und dem Schengenraum dürfen seit Juni ohne Beschränkungen einreisen. Für Ankünfte aus Bulgarien und Rumänien verhängte Rom wieder eine zweiwöchige Quarantänepflicht - sie gilt auch für Besucher aus Nicht-EU-Ländern. Die Infektionszahlen stiegen zuletzt, lagen aber unter den Werten in Deutschland. 

In Geschäften, Zügen oder anderen geschlossenen Räumen gilt bis in den September Maskenpflicht. Auch auf Plätzen und vor Lokalen, wo häufig Menschen zusammen stehen, muss von 18.00 Uhr bis 6.00 Uhr morgens ein Atemschutz getragen werden. Alle Discos - auch im Freien - sind dicht. Größere Ansammlungen sind verboten, auf der Piazza greift die Polizei häufig ein. An Stränden sollen Distanzregeln eingehalten werden. In den Bars und Restaurants haben viele Wirte ihre Tische fast komplett nach draußen gestellt.

Österreich

Österreich spielte in der Ausbreitung der Corona-Pandemie in Mitteleuropa eine zentrale Rolle. Der Skiort Ischgl in Tirol wurde zum Inbegriff der Coronakrise. Weil man dort auf erste Infektionen nicht schnell genug reagierte und die Skisaison zunächst unbeirrt fortsetzte, steckten sich viele Urlauber mit dem Virus an und trugen es von dort in ihre Heimatländer

Die Einreise aus Deutschland ist problemlos möglich - sofern man sich in den zehn Tagen davor nicht in einem der rund 30 ausgewiesenen Corona-Risikogebiete aufhielt. Reisende aus diesen Gebieten müssen einen negativen PCR-Test nachweisen oder in der Quarantäne nachholen, sofern sie nicht nur ohne Zwischenstopp durch Österreich durchfahren wollen. 

Kontrollen gibt es an den Grenzen zu Slowenien, Ungarn und Italien. Die Infektionszahlen in Österreich sind zuletzt wieder angestiegen, vor allem in Wien. Andere Bundesländer sind dagegen deutlich weniger betroffen.

Eine Maskenpflicht gilt etwa in Supermärkten, Apotheken und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln.

Griechenland

Die Einreise aus den meisten EU-Staaten ist erlaubt. Die griechische Regierung hat nach gestiegenen Infektionszahlen aber umfangreiche Einschränkungen für zahlreiche Urlaubsgegenden sowie Städte angeordnet, zuletzt waren die Halbinsel Chalkidiki und die Jetset-Insel Mykonos darunter. Dort sind Feiern, Partys, religiöse Feierlichkeiten und Wochenmärkte zunächst bis zum 31. August untersagt. Zudem sind Versammlungen von mehr als neun Personen verboten. Alle Bars und Tavernen müssen um 24.00 Uhr schließen. 

Es gilt eine Maskenpflicht für alle geschlossenen Einrichtungen. An den Stränden müssen die Sonnenschirme mindestens vier Meter voneinander stehen. Masken müssen auf Fähren immer getragen werden - auch auf den offenen Decks. Griechenland weist gemessen an seinen 10,5 Millionen Einwohnern eine geringe Zahl von Infektionen mit dem Coronavirus auf. Die Zahl der Infizierten ist zuletzt jedoch schlagartig gestiegen.

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, und um die Sicherheit von Urlaubern in Griechenland sicherzustellen, gibt es dort derzeit eine Auflage:Urlauber müssen sich derzeit 24 Stunden vor ihrer Einreise mit einem elektronischen Formular registrieren. So sollen sie auffindbar sein, wenn es um mögliche Maßnahmen zum Infektionsschutz geht. Ein Algorithmus errechnet dann, ob und welche Reisende nach ihrer Ankunft einen Corona-Test machen müssen.

Da sie dies nicht getan haben, müssen nun deutsche Touristen eine Geldstrafe bezahlen.

Frankreich

Corona-Testpflicht für viele Urlauber aus Frankreich: Die Bundesregierung hat am 25. August wegen der Ansteckungsgefahren eine Reisewarnung für den Großraum Paris sowie weite Teile der französischen Mittelmeerküste ausgesprochen. Die Regionen Île-de-France und Provence-Alpes-Côte d‘Azur werden seitdem auf der fortlaufend aktualisierten Liste des bundeseigenen Robert Koch-Institutes (RKI) als Risikogebiete geführt. 

Die französische Regierung hatte Paris und das Département Bouches-du-Rhône am Mittelmeer als Zonen eingestuft, in denen das Virus aktiv zirkuliert. 

In Paris zum Beispiel wurde die Maskenpflicht infolge der Einstufung massiv ausgeweitet - sie gilt nun auch unter freiem Himmel fast in der ganzen Stadt. In Paris ist die Zahl der Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner seit Anfang August wieder weit über 50 gestiegen. 

Frankreich wurde von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffen - mehr als 30 500 Menschen sind bisher gestorben. Den Expertinnen und Experten macht derzeit vor allem Sorge, dass sich besonders viele junge Menschen mit dem Virus infizieren - aber keine oder kaum Symptome haben. Diese könnten dann wiederum ältere Menschen anstecken.

Kroatien

Kroatien erlaubt Bundesbürgern die Einreise ohne Nachweis bestimmter Gründe. Die Lockerung von Anfang Juni betrifft auch die Bürger neun weiterer EU-Staaten: Österreich, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Litauen, Lettland und Estland. Reisende aus diesen Ländernmüssen künftig an der Grenze lediglich erklären, wo sie sich aufhalten werden und wie sie erreichbar sind. Damit sollen sie gefunden werden können, wenn es in ihrer Umgebung neue Corona-Infektionen gibt.

Ein entsprechendes Formular kann vor Reiseantritt aus dem Internet heruntergeladen werden. An den Stränden gelten Abstandsregeln, eine Überbelegung soll verhindert werden.In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln gilt seit dem 13. Juli wieder Maskenpflicht.

Update zu Kroatien (14. August)

Wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen in Kroatien warnt Österreich nun vor Reisen in das EU-Partnerland. Die Reisewarnung tritt am Montag (17. August) offiziell in Kraft, wie das Außenministerium am Freitag in Wien mitteilte.

Österreichische Urlauber, die sich in Kroatien befinden, wurden jetzt schon zur Heimreise aufgefordert. Kroatien hatte am Donnerstag 180 Neuansteckungen mit dem Virus Sars-CoV-2 innerhalb von 24 Stunden registriert, den höchsten Tageswert seit Beginn der Pandemie.

Das Auswärtige Amt in Deutschland hat stand jetzt (14. August, 17.14 Uhr) auf die steigenden Fallzahlen in Kroatien noch nicht mit einer Reisewarnung reagiert.

Update zu Kroatien (20. August): Regionen zu Corona-Risikogebieten erklärt

Deutschland reagiert auf die seit Tagen ansteigenden Corona-Fallzahlen in Kroatien. Teile des Landes wurden nun als Risikogebiet eingestuft. Das betrifft die Regionen Šibenik-Knin und Split-Dalmatien. Über die Einstufung informierte am 20. August das Robert-Koch-Institut (RKI).

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt nach gemeinsamer Analyse und Entscheidung durch das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Türkei

Die Bundesregierung hat kürzlich die Reisewarnung für die wichtigsten Urlaubsgebiete in der Türkei aufgehoben - und zwar für die Provinzen Aydin, Izmir, Muğla und Antalya. Für den Rest des Landes gilt die Reisewarnung des AA voraussichtlich weiter bis zum 31. August. Alle, die aus der Türkei nach Deutschland zurückreisen, müssen bei der Ausreise einen negativen Corona-Testnachweis vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. 

Begründet wurde die teilweise Aufhebung mit der relativ niedrigen Zahl von Neuinfektionen in diesen Gebieten und dem "speziellen Tourismus- und Hygienekonzept", das die türkische Regierung entwickelt hat. Mit Blick auf das ganze Land sind die täglichen Fallzahlen allerdings kürzlich wieder gestiegen. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige für das Land.

Reisewarnung: Was bedeutet das für Reisende und Rückkehrer? 

Drei Szenarien im Überblick:

Szenario 1: Ich bin vor Ort

- Urlauber, die in einem Land sind, für das eine Reisewarnung gilt, sind jetzt nicht gezwungen, abzureisen - eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Sie sollten aber prüfen, ob ihr gebuchter Rückflug weiter wie geplant angeboten wird. Es könnte sein, dass Airlines Verbindungen streichen.

Wichtig: Wer jetzt aus einer betroffenen Region zurückkehrt, gilt als Rückkehrer aus einem Risikogebiet - mit den entsprechenden Verpflichtungen zu einem Corona-Test und Quarantäne zu Hause, bis ein negatives Testergebnis vorliegt.

Szenario 2: Ich wollte bald los

- Pauschalurlauber, die ihre Reise in den kommenden Tagen antreten wollten, haben nun schlechte Karten: Für deutsche Reiseveranstalter ist die Reisewarnung bindend. Die Unternehmen sagen ihre Reisen in der Regel ab, sobald eine Warnung vorliegt. Anzahlungen bekommen die Gäste in diesem Fall zurück. Urlauber mit baldigem Reiseantritt können nun auch ihrerseits kostenlos den Reisevertrag kündigen.

- Individualreisende, die ihre Reise bald antreten wollten, sollten sich gegebenenfalls mit ihrer Fluggesellschaft in Verbindung setzen. Streicht die Airline nun den Flug, muss sie das Geld erstatten. Falls der Flug aber wie geplant durchgeführt wird, gibt es kein Geld zurück, wenn der Passagier den Flug verfallen lässt. Viele Fluggesellschaften sind derzeit bei Umbuchungen kulant. So kann es möglich sein, den Flug erst einmal kostenlos zu verschieben.

Szenario 3: Ich will in einigen Wochen los

- Pauschalurlauber, die eine Reise nach dem 14. September gebucht haben, müssen nun geduldig sein. Es ist offen, ob die Reisewarnung dann nochmals verlängert wird, die Corona-Lage kann sich schnell ändern.

Wer beispielsweise für die Herbstferien gebucht hat, kann nicht gleich morgen seine Reise kostenlos stornieren. Denn bis zum Urlaub sind es noch einige Wochen. Man muss abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Wer jetzt sofort kündigt, dem drohen Stornogebühren.

- Pauschalurlauber, die jetzt trotz Reisewarnung buchen, nehmen ein gewisses Risiko in Kauf. Denn wer jetzt noch trotz der Reisewarnung bucht, weil er davon ausgeht, dass es im Herbst nicht mehr schlimm sein wird, der kann später nicht kostenfrei stornieren, da er das Risiko in Kauf genommen hat. In diesem Fall kommt dann eine rechtzeitige, kostenlose Umbuchung in Frage.

Übrigens: Die Reiserücktrittsversicherung können Urlauber im Fall einer Reisewarnung nicht nutzen. Denn solche Warnungen sind nach Angaben des Bunds der Versicherten (BdV) nicht versichert.

Wichtig: Dieser Artikel wird bestmöglich gepflegt, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aktuelle Reisewarnungen entnehmen Sie bitte den Informationen des Auswärtigen Amtes. Darüber hinaus gibt es noch die RKI-Liste mit Risikogebieten.

Die Liste des Robert-Koch-Institutes enthält Länder, in denen entweder ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, oder in denen die Fallzahlen zwar niedrig sind, es aber zum Beispiel zu wenige Testkapazitäten gibt.

(mit Material von dpa)

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