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Corona-Pandemie

Corona: Immunität, Unterschiede, Preise – Antikörpertests können Schlüsselrolle spielen

Nach einer Infektion mit dem Coronavirus bilden sich im Körper Antikörper – doch wie lange bleiben sie? (Symbolfoto)
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Nach einer Infektion mit dem Coronavirus bilden sich im Körper Antikörper – doch wie lange bleiben sie? (Symbolfoto)
  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Antikörpertests gelten in der Pandemie als wichtiger Hinweis auf drohende Gefahr durch Sars-CoV-2. Fachleute erklären, was wirklich dahinter steckt.

Frankfurt – „Die dritte Welle scheint gebrochen“, resümierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* jüngst. Damit nährte der 40-jährige CDU*-Politiker die Hoffnung auf Normalität. Deutschland zieht nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie das Impftempo an.* Zudem sinken stetig die Fallzahlen an Neuinfektionen.*

Zeitgleich zu diesen Entwicklungen wächst die Unsicherheit in der Bevölkerung. Viele Menschen wollen beispielsweise wissen, ob sie nach einer Impfung oder überstandener Covid-19-Erkrankung gegen das Coronavirus geschützt oder, wie aussagekräftig eigentlich Antikörpertests sind. Fachleute liefern Antworten auf diese wichtigen Fragen der Krise.

Corona-Pandemie: Antikörpertests können Schlüsselrolle spielen

Um geimpften oder genesenen Personen eine sichere Auskunft über ihr Re-Infektionsrisiko zu geben, gibt es derzeit keine hundertprozentige Methode. Was jedoch definitiv seinen Teil zur Aufklärung beiträgt, sind sogenannte Antikörpertests. Davon gibt es im Wesentlichen zwei Varianten. Zum einen sind das Tests, die messen können, ob die jeweilige Person bereits mit Sars-CoV-2 infiziert war – oder nicht. Zum anderen gibt es Tests, die überprüfen können, wie gut die gebildeten Antikörper funktionieren.

Bei sogenannten Neutralisationstests wird Blutserum der Patientin oder des Patienten unter Laborbedingungen mit Coronaviren in Kontakt gebracht. Anschließend zeigt eine Reaktion, wie funktional die Antikörper sind. „Je besser die Antikörper andocken, desto weniger Serum brauche ich dafür“, erklärt Thomas Lorentz, Laborarzt und Vorstand des Berufsverbands Deutscher Laborärzte. Im nächsten Atemzug betont er allerdings, dass Neutralisationstests niemals absolute Gewissheit aussagen könnten. Er hält jedoch fest: „Ein positiver Neutralisationstest heißt fast immer, dass man geschützt ist.“

Nach einer Infektion mit dem Coronavirus bilden sich im Körper Antikörper – doch wie lange bleiben sie? (Symbolfoto/Illustration)

Corona-Pandemie: Nach Infektion sinkt Anzahl an Antikörpern ab

Lorentz Ausführungen erweitert Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut der TU Dortmund: Man müsse zwischen der Menge der Antikörper und der Menge der neutralisierten Antikörper unterscheiden. „Anders gesagt: Wenn ich viele Antikörper im Blut habe, ist es höchst unwahrscheinlich, dass all diese Antikörper nicht an der richtigen Stelle des Virus ansetzen“, so Watzl. Die reine Menge kann ein Antikörpertest feststellen.

Eine Aussage darüber, ab welcher Menge an Antikörpern das Immunsystem vor dem Coronavirus geschützt ist, erscheint den Fachleuten nahezu unmöglich. „Es kann einem noch niemand sagen, ab welchem Wert man wirklich immun ist“, sagt Immunologe Watzl. Allerdings ist der Forschung der Umstand bekannt, dass nach einer Corona-Infektion die Anzahl an Antikörpern nach einer gewissen Zeit absinkt: „Da besteht die große Frage, ob und bis wann noch Immunität besteht. Das wissen wir nicht“, betont Laborarzt Lorentz. Der Möglichkeit von Re-Infektionen stünden lediglich wenige bekannte Fälle gegenüber.

Coronavirus: Diese Antikörper gibt es

Im Kampf des Immunsystems gegen Coronaviren sind insbesondere drei Varianten von Antikörpern relevant:

  • IgA- und IgM-Antikörper: Werden Coronaviren im Blut identifiziert, werden sie relativ schnell gebildet. Nach einer Infektion mit dem Virus sinkt ihr Spiegel im Blut allerdings schneller als bei anderen Antikörpern.
  • IgG-Antikörper: Diese Antikörper werden längerfristig gebildet. Verantwortlich dafür sind sogenannte Gedächtniszellen, die viele Informationen über das Virus speichern. „Wer diese Gedächtniszellen noch hat, der kann schnell viele neue Antikörper produzieren, wenn es nötig ist“, sagt Immunologe Watzl. IgG-Antikörper verweilen deutlich länger im Blut.

Corona-Antikörpertests: Wie sie funktionieren – was sie kosten

Laut Angaben von Laborarzt Lorentz kostet ein einfacher Antikörpertest, der aussagt, ob eine Person bereits mit dem Coronavirus infiziert war oder nicht, 17,50 Euro. Neutralisationstests kosten hingegen bis zu 60 Euro, so Lorentz. Dies gilt für Antikörpertests, bei denen von einem Arzt Blut bei der Person abgenommen und dieses anschließend im Labor analysiert wird.

Zudem gibt es Selbsttests für Zuhause, von welchen der Laborarzt abrät. Patientinnen und Patienten täten sich bei der Blutentnahme oft sehr schwer und wüssten im Nachgang nicht, wie das Ergebnis einzuordnen sei, so Lorentz. Preislich liegt ein solcher Test zwischen 50 und 70 Euro. „Das kann man vernünftig beim Hausarzt machen lassen“, sagt der Laborarzt.

Corona: Antikörper schützen vor Mutanten

Einen Großteil der Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland führen Fachleute auf verschiedene Corona-Varianten zurück, wie beispielsweise die Mutante B.1.1.7. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts stieg in den vergangenen Wochen der Anteil der indischen Variante vergleichsweise stark an. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nannte die weltweite Entwicklung diesbezüglich „besorgniserregend“.

Gängige Impfstoffe, wie von Biontech/Pfizer oder Moderna, schützen gegen verschiedene Mutante des Virus. „In dem Spike-Protein des Virus kann es zu Veränderungen kommen, sodass die nach der Impfung entwickelten Antikörper nicht mehr so gut passen – wodurch die Immunantwort nicht mehr so gut ist auf bestimmte Varianten“, erläutert Marcus Panning, Virologe am Uniklinikum Freiburg. Dennoch seit der Schutz vor Virusvarianten „noch ganz okay“. Was dadurch mit großer Sicherheit verhindert werde, sei ein schwerer Krankheitsverlauf von Covid-19.

„Impfungen schützen relativ sicher vor einem tödlichen Verlauf. Bei Genesenen geht man auch davon aus.“

Marcus Panning, Virologe, Uniklinikum Freiburg

Unabhängig von der Tatsache, ob eine Person geimpft oder genesen ist, dienen Antikörpertests nicht als Nachweis in der Debatte um Corona-Lockerungen.* „Impfungen schützen relativ sicher vor einem tödlichen Verlauf. Bei Genesenen geht man auch davon aus“, sagt Immunologe Watzl – und erklärt: „Es gibt Menschen, die haben nach wenigen Wochen kaum Antikörper, andere haben nach 300 Tagen noch viele - das ist für die Handhabung der Öffnungen zu kompliziert.“

Antikörpertests dienen somit eher als Informationsquelle für das eigene Umfeld beziehungsweise über das eigene Immunsystem. Vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen ist ein regelmäßiger Test sinnvoll. Dafür empfehlen Fachleute einen Neutralisationstest, um zu untersuchen, wie funktional die Antikörper im Organismus tatsächlich sind. (tu/dpa) *fr.de is ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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