Cholesterin: Gift für die Gefäße?

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Sind die Blutfettwerte zu hoch, sollten Sie handeln. Denn zu viel Cholesterin & Co. im Blut erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall. Doch lassen sich die Werte nur mit Tabletten senken? Oder reicht gesundes Essen? Ein Ratgeber zum Tag des Cholesterins.

ZUM TAG DES CHOLESTERINS AM 3. Juni

VON NADJA KATZENBERGER

Ist jetzt Schluss mit Butter, Eiern und „Fast Food“? Das fragen sich viele Menschen, wenn der Bluttest beim Arzt zu hohe Cholesterinwerte ergeben hat. Doch auch wenn das Essen in der Tat eine wichtige Rolle spielt: Ganz so einfach ist es nicht, auch die Butter muss man sich nicht komplett verkneifen. „Der größte Teil des Cholesterins wird vom Körper selbst hergestellt“, sagt unser Experte Prof. Klaus-Dieter Palitzsch, Chefarzt der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Angiologie und Innere Medizin am Städtischen Klinikum Neuperlach in München. „Eine viel geringere Menge nehmen wir mit der Nahrung auf.“

-Wozu braucht der Körper eigentlich Cholesterin?

Cholesterin gehört zu den Blutfetten, ist genau genommen aber ein fettähnlicher Naturstoff – und lebensnotwendig. So ist Cholesterin ein wichtiger Bestandteil der Zellwände und ein Baustein, aus dem zum Beispiel viele Hormone gebildet werden. Hergestellt wird es vor allem in der Leber. Weil sich Fett aber nicht in Wasser löst, braucht Cholesterin ein Träger-Eiweiß, damit es im Blut transportiert werden kann. Dazu dienen sogenannte Lipoproteine, von denen es zwei verschiedene gibt. Daher unterscheidet man auch zwei Cholesterinarten: HDL und LDL. HDL steht für „High Density Lipoprotein“. Dieses Eiweiß ist dicht gepackt, kann also sehr viel Cholesterin transportieren. LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein, kurz: LDL) indes nicht.

-Welches Cholesterin ist gut, welches schlecht?

Tatsächlich ist es nicht per se schlecht, wenn ein Cholesterinwert hoch ist – es kommt darauf an, welcher. Hohe HDL-Werte sind sogar erwünscht, denn das bedeutet: Der Körper befördert viel Fett aus dem Blut zur Leber, wo es abgebaut wird. „Das ist ein wichtiger Schutzeffekt“, erklärt Palitzsch. „So werden die Gefäße freigehalten.“ Ungünstig ist dagegen ein hoher LDL-Wert. Darum ist oft vom „schlechten Cholesterin“ die Rede. LDL ist für den Transport des Cholesterins von der Leber in die Zellen zuständig. Es kann weniger Cholesterin aufnehmen – und sich außerdem an Gefäßwänden ablagern. Das fördert Atherosklerose, also Ablagerungen von Fett und Kalk in den Arterien im ganzen Körper. Die Folge: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt – und damit das für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

-Was sind Triglyzeride?

Triglyzeride, oft Neutralfette genannt, zählen ebenfalls zu den Blutfetten. Der Körper nimmt sie mit dem Essen auf. „Triglyzeride sind das sichtbare Fett, wenn man so will“, erklärt Palitzsch. „Das Cholesterin in der Nahrung sieht man nicht.“ Aber: Auch zu viele Triglyzeride im Blut schaden den Gefäßen.

-Welche Blutfett-Werte sind überhaupt normal?

Allgemein gilt: HDL rauf, LDL runter! Ein Richtwert für das „gute“ HDL: bei Männern mehr als 40 und bei Frauen über 48 Milligramm pro Deziliter (mg/dl). Bei Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte der LDL-Wert unter 115  mg/dl liegen, bei höherem Risiko oder nach einem Herzinfarkt bei unter 100 bzw. sogar 70 mg/dl. Das „Gesamtcholesterin“ – es besteht im Wesentlichen aus HDL und LDL – sollte unter 200 mg/dl liegen. Bei den Triglyzeriden gilt ein Spiegel unter 150 mg/dl als normal. Aber: Ist dieser Wert sehr hoch, etwa mehr als 500 mg/dl, dann sei es nicht mehr möglich, den LDL-Wert zu messen, sagt Palitzsch. Hilfreich sei dann das „Non-HDL-Cholesterin“. Dieser Wert ergibt sich, wenn man den HDL-Wert vom Gesamt-Cholesterin abzieht. Nötig ist das immer, wenn die Konzentration der Triglyzeride sehr hoch ist.

-Können zu hohe Werte auch erblich sein?

Ja. Menschen mit einer „familiären Hypercholesterinämie“ leiden an einer erblichen Störung des Fettstoffwechsels. Bei ihnen liegt der LDL-Spiegel bei über 190. Hat ein Verwandter ersten Grades einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in jungen Jahren erlitten – bei Männern in einem Alter unter 55, bei Frauen unter 60 Jahren – kann das ein Hinweis auf diese Störung sein. „Diese Patienten müssen in einer Lipid-Ambulanz engmaschig überwacht werden“, sagt Palitzsch.

-Was tun, wenn die Werte zu hoch sind?

Sind Blutfettwerte zu hoch, ist das ein Alarmzeichen. Betroffene sollten versuchen, diese zu senken – und somit ihr Infarktrisiko. Das gilt besonders für Raucher, bei Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel. Jeder dieser Faktoren erhöht das Risiko. Je mehr davon zusammenkommen, desto gefährlicher wird es – und desto wichtiger ist es, die Werte zu senken.

-Wer muss Cholesterinsenker nehmen?

Auf jeden Fall jeder, der bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte. „Statine“ sind dazu die Mittel der Wahl. Nach einem Infarkt werden sie meist hoch dosiert. Sie senken den LDL-Spiegel und schützen so die Gefäße. Reicht die Wirkung nicht, können sie mit „Resorptionshemmern“ kombiniert werden. Diese reduzieren die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm. Bei Menschen, die zwar noch keinen Infarkt erlitten haben, aber ein erhöhtes Risiko dafür haben, werden bei erhöhtem LDL-Cholesterin ebenfalls Statine verordnet – aber in geringerer Dosis. Die Blutfettwerte müssen dabei regelmäßig kontrolliert werden, rät Palitzsch. Nur, wenn die Zielwerte auch erreicht werden, habe der Patient wirklich einen Nutzen.

-Wie verbessert Sport die Blutfettwerte?

„Bewegung ist ein gutes Mittel, das HDL-Cholesterin zu steigern“, sagt der Experte: Je mehr Sport, desto mehr „gutes“ Cholesterin werde im Körper gebildet. Den größten Effekt hat dabei Ausdauersport, reines Krafttraining wirke sich darauf kaum aus. Radeln, schwimmen, joggen oder spazieren Sie also möglichst mindestens 2,5 Stunden pro Woche, am besten an fünf Tagen je eine halbe Stunde lang.

-Worauf kommt es bei der Ernährung an?

Sparen sollte man an Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Dazu gehören etwa Butter, Palmfett, Fleisch, Wurst und Milchprodukte. Aber: „Alles ist eine Frage der Menge“, sagt Palitzsch. Auch Butter ist darum nicht tabu. Bevorzugen sollte man aber Öle, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind, also etwa Raps-, Oliven-, Distel- und Sonnenblumenöl. In Butterschmalz, Mayonnaise, Fertiggerichten und Weißmehl-Produkten stecken dagegen viele problematische Fette oder Kohlenhydrate, die Blutfette ungünstig beeinflussen. In Eigelb ist ebenfalls Cholesterin enthalten, aber nicht so viel, dass das bei einer normalen Ernährung eine wesentliche Rolle spielen würde. Alkohol lässt die Cholesterin- und Triglyzerid-Werte steigen. Das Gleiche gilt für Softdrinks und andere süße Getränke. Insgesamt sollte die Ernährung ausgewogen und abwechslungsreich sein, mit viel Gemüse und Obst, rät unser Experte. Und: „Nicht öfter als ein- bis zweimal Fleisch pro Woche, mindestens zwei- bis dreimal ein Fischgericht – und am besten zwei bis drei fleisch- und fischlose Tage.“

Broschüre mit vielen Tipps

„Cholesterin wirksam senken“, kostenlos anzufordern beim Berufsverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz unter www.bgv-cholesterin-senken.de oder per Post an: BGV e. V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn

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