Von der Busenfreundin bis zum „Frollegen“

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Ein Schwätzchen unter Freunden kann einen stärken: „Wir brauchen nicht nur eine Partnerschaft, sondern ein soziales Dorf“, sagt der Berliner Psychologe und Buchautor Wolfgang Krüger. foto: PantherMedia

Wann ist ein Freund ein echter Freund? Psychologen unterscheiden hier viele Modelle – von der lebenslangen Herzensfreundschaft bis hin zur flüchtigen Bekanntschaft zum Beispiel in sozialen Netzwerken.

zum heutigen Tag der Freundschaft

Von Ulrike von Leszczynski

Berlin – Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste was es gibt auf der Welt? Heute geben Fachleute diesem Liedtext aus dem Jahr 1930 mehr als Recht. „Wir brauchen nicht nur eine Partnerschaft, sondern ein soziales Dorf“, sagt der Berliner Psychologe und Buchautor Wolfgang Krüger. „Die Bedeutung von Freundschaften wächst. Wir wollen Beziehungen, die gleichzeitig verlässlich sind und frei gewählt.“ Die Anzahl bester Freunde bleibt jedoch dennoch klein – selten seien es mehr als drei. Dazu kämen zwölf Durchschnittsfreundschaften. Eine Einteilung:

-Beste Freundinnen: Für Psychologen ist das keine hohle Phrase, auch wenn es Zickenkriege gibt. „Frauen investierten viel in Freundschaften, Zeit und Fantasie“, sagt Krüger. Über zwei Drittel aller Frauen hätten eine intensive Herzensfreundschaft, in der sie über alles reden könnten – manchmal lebenslang. Mit dem Alter wachse oft die Qualität von Freundschaften. „Weil wir an Menschenkenntnis dazugewinnen, an Toleranz und Humor.“

-Männerfreundschaften: Unter Männern pflegt nach Krügers Recherchen nur ein Drittel Herzensfreundschaften. Männer hätten oft eher Kumpelbeziehungen, in denen sie beim Bier über Fußball sprechen würden. Ist es heute leichter, in einer Männerfreundschaft Schwäche zu zeigen? Nein, gesamtgesellschaftlich zeige sich eine Tendenz zum Machowesen, sagt Krüger. Frauen seien daran mitschuldig: Sie bewerteten die klassische Alpha-Eigenschaft „Status“ in Form des beruflichen Erfolgs als männlich, dazu wollen sie gleichrangig aber auch eine liebevoll gelebte Vaterrolle. „Frauen erträumen sich einen Alpha-Softie.“

-Geschwister: Geschwisterbeziehungen gelten als die längste Freundschaft des Lebens, manchmal sogar als die längste Liebe. „Wenn Geschwisterbeziehungen gelingen, können sie eine tiefe Freundschaft beinhalten“, sagt Krüger. Was Geschwister als Erwachsene aus ihrer Verbindung machen, ist individuell. Es gibt alles – von lebenslanger enger Verbundenheit bis hin zum Kontaktabbruch.

-Kollegen: „Frollegen“ nennen Sozialforscher Freunde am Arbeitsplatz. Für Betriebsklima und Leistung gilt das als günstig, so lange Frollegen sich nicht abschotten oder zerstreiten. In einer Umfrage gaben 2017 rund die Hälfte der deutschen Berufstätigen an, in der Arbeit Freundschaften fürs Leben geschlossen zu haben. „Konkurrenz ist aber natürlich ein Thema“, sagt der Experte. Vor allem, wenn es um gesellschaftliche Anerkennung geht. „Freundschaft verträgt sich auch nicht mit Macht.“

-Schulfreunde: Soziale Netzwerke werben dafür, alte Schulfreunde auszugraben. Hat das Sinn, wenn man sich über Jahrzehnte aus den Augen verloren hat? Bei Schulfreundschaften entsteht „eine Vertrautheit, die oft noch nach Jahren durch gemeinsame Erinnerungen aktiviert werden kann“, sagt Krüger. Aber kämen dann keine neue Erlebnisse hinzu, bleibe es bei einer Erinnerungskultur.

-Nachbarn: Nachbarschaft sei oft mehr als ein nutzenorientiertes Verhältnis zum Blumengießen, sagt Psychologe Krüger. „Mit Nachtbarn kann man durchaus eng befreundet sein, obgleich Konflikte entstehen können“, sagt er. „Und nicht jeder mag es, dass der Nachbar fast zwangsläufig die eigenen Lebensgewohnheiten kennt.“

-Facebook und Co.: Die Bezeichnung „Freunde“ findet Psychologe Krüger hier ungünstig. „Man könnte eher von Bekanntschaften sprechen“, sagt er. Denn Freunde kenne man persönlich.

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