Sorge um Regenwälder

Verbot des Abbrennens von Regenwald in Brasilien zeigt bislang keine Wirkung

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Ein abgeholzter Teil des Amazonas-Regenwalds. Während alle über den Amazonas reden, will Donald Trump den Regenwald in Alaska zur großflächigen Abholzung freigeben.
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Während Experten um den Zustand des Amazonas-Regenwalds fürchten, bleibt bislang das Verbots des Abbrennens durch Bolsorano wirkungslos. 

  • In Brasilien wüten verheerende Waldbrände im Amazonas-Regenwald.
  • Seit Jahresbeginn gab es in Brasilien mehr als 76.000 Waldbrände - 84 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Hauptgrund für die Feuer sind Brandrodungen.
  • Auch die Politik des rechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wird für die Brände verantwortlich gemacht.
  • Präsident Bolsonaro schickt das Militär zur Brandbekämpfung in den Amazonas-Regenwald.
  • US-Präsident Donald Trump denkt unterdessen darüber nach, großflächige Abholzungen von Regenwäldern in Alaska zu genehmigen.

Update vom 01. 09. 2019, 14.00 Uhr: Das von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro zur Eindämmung der Regenwaldbrände erlassene Verbot des Abbrennens von Flächen ist bislang wirkungslos: Auf Satellitenaufnahmen des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (Inpe) waren am Freitag und Samstag 3859 neue Brandherde zu sehen - rund 2000 davon im Amazonasbecken. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot Brasilien eine Zusammenarbeit zum Schutz des Amazonasgebiets an. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) schlug derweil eine Zertifizierung von Fleisch aus Brasilien vor, während die Grünen einen Importstopp für Fleisch und Soja aus Regenwald-Regionen forderten.

Update vom 28.08.2019, 17.30 Uhr: Während die Waldbrände im Amazonasgebiet weltweit für Besorgnis sorgen, denkt US-Präsident Donald Trump offenbar darüber nach, großflächige Abholzungen von Regenwäldern in Alaska zu genehmigen. Wie die „Washington Post“ berichtet, hat Trump seinen Landwirtschaftsminister Sonny Perdue angewiesen, Restriktionen für die Forstwirtschaft im Tongass National Forest aufzuheben. Zudem könnten große Teile des Naturparadieses im Südosten des US-Bundesstaates für Energie- und Bergbauprojekte freigegeben werden.

Der rund 67.500 Quadratkilometer große Tongass National Forest ist der größte Nationalforst des Landes. Er umfasst laut „Washington Post“ mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes an sogenannten gemäßigten Regenwäldern. Auch die Regenwälder der gemäßigten Breitengrade sind für den Schutz des Erdklimas von Bedeutung, indem sie Kohlendioxid aus der Atmosphäre absorbieren.

Update vom 28.08.2019, 15.15 Uhr: Der Zustand des Amazonas-Regenwalds droht nach Einschätzung von Experten zu kippen. Der Chef der Internationalen Tropenholz-Organisation (ITTO), Gerhard Dieterle sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Brände im Regenwald berührten den „Bestand des Regenwaldes als Ganzes“. Die Lage am Amazonas sei „sehr dringlich“, sagte Dieterle. „Viele Experten befürchten, dass es ein Wendepunkt ist.“

Waldbrände im Amazonas-Regenwald: Sting kritisiert Bolsonaro für seine Umweltpolitik

Update vom 28.08.2019, 10.00 Uhr: Angesichts der verheerenden Waldbrände im Amazonas-Regenwald fordert Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) einen Stopp der Rodungen in Südamerika. „Der Regenwald darf nicht für neue Sojafelder brennen“, sagte Müller der „Passauer Neuen Presse“: „Ein wichtiger Schritt wäre, auf Schweinemast auf Basis billiger Sojaimporte von gerodeten Flächen zu verzichten.“

Update vom 28.08.2019, 9.30 Uhr: Nach der dramatischen Zunahme von Waldbränden in der Amazonas-Region hat der britische Musiker Sting die Umweltpolitik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro kritisiert und schnelle Maßnahmen gefordert. In einem Statement, das der 67-Jährige auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, schrieb er: „Populistische Führer, die sich auf nationalistische Agendas berufen und behaupten, der Klimawandel und seine Verursacher seien ein Trick, sind schuldiger als die, die nur dabei stehen und nichts machen.“ Das sei eine kriminelle Fahrlässigkeit globalen Ausmaßes. „Wir werden alle unter den Konsequenzen leiden.“

Im Namen seiner „Rainforest Foundation“ rief Sting die brasilianische Regierung dazu auf, die Waldrodungen zu stoppen und die Menschen, die dort leben, zu schützen. „Es ist keine Zeit für Schwindeleien. Die Welt brennt!“

Amazonas-Gipfel für 6. September geplant

Update vom 28.08.2019, 8.00 Uhr: Am 6. September soll es in der kolumbianischen Grenzstadt Leticia einen Amazonas-Gipfel geben. Dort sollen sich die Präsidenten der Amazonas-Staaten Kolumbien, Brasilien und Peru treffen. Ziel soll ein Abkommen zum langfristigen Schutz des Amazonas-Regenwalds sein.

Update vom 27.08.2019, 6:13 Uhr: Die brasilianische Regierung um Präsident Jair Bolsonaro hat die von der G7 zugesagt Soforthilfe im Kampf gegen die Waldbrände in der Amazonas-Region zurückgewiesen.  Onyx Lorenzoni, Bolsonaros Kabinettschef, sagte dem brasilianischen Nachrichtenportal „G1“,  die 20 Millionen Dollar sollten vielmehr dazu verwendet werden, die Wälder in Europa wieder aufzuforsten. 

Mit dem Geld sollten laut Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor allem Löschflugzeuge finanziert werden. Zunächst begrüßte Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles die Unterstützung durch die G7. Doch Lorenzoni erteilte dem Angebot kurz darauf eine Absage und teilte in Richtung Macron aus. Der solle sich lieber um die Probleme bei sich „zu Hause“ und in den französischen „Kolonien“ kümmern.

Update vom 26.08.2019, 14:11 Uhr: Der internationale Druck auf Jair Bolsonaro trägt Früchte: Brasiliens Präsident schickt laut US-Medien 44.000 Soldaten in die sechs Bundesstaaten, die von den Waldbränden betroffen sind.

Laut einer Statistik des US-Nachrichtensenders CNN ist die Anzahl der Waldbrände in Brasilien im Vergleich zum Vorjahr um 85 Prozent gestiegen.

Update vom 26.08.2019, 11.00 Uhr: Nach dem Streit um die Thematisierung der verheerenden Waldbrände im   Amazonasgebiet beim G7-Gipfel in Biarritz hat die brasilianische Regierung mit üblen Kommentaren gegen Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und dessen Frau Brigitte nachgetreten. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro machte sich am Sonntag einen Facebook-Beitrag zu eigen, in dem ein Nutzer über das Äußere von Frankreichs „Première dame“ herzog und die Differenzen zwischen Macron und Bolsonaro mit dem „Neid“ des französischen Präsidenten auf die junge Frau Bolsonaros erklärte.

Der Nutzer Rodrigo Andreaca hatte in einem Beitrag bei dem Onlinedienst eine unvorteilhafte Aufnahme der 66-jährigen Brigitte Macron neben ein Bild der strahlenden 37-jährigen Gattin Bolsonaros gestellt. Dazu schrieb er: „Versteht ihr jetzt, warum Macron Bolsonaro bedrängt?“ Er wette, dass Macron neidisch auf Bolsonaro sei.

Macron - ein „opportunistischer Schweinehund“

Brasiliens Präsident setzte einen belustigten Kommentar unter den Post. „Demütige den Typen nicht“, schrieb er. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, ob der Kommentar von Bolsonaro selbst abgegeben wurde, wollte sich ein Sprecher zunächst nicht äußern.

Im Kurzbotschaftendienst Twitter machte sich überdies Brasiliens Bildungsminister Abraham Weintraub über Macron her. Dieser sei bei den Waldbränden nicht „auf der Höhe“. „Er ist nur ein opportunistischer Schweinehund, der die Unterstützung der französischen Agrarlobby sucht.“ Macron hatte wegen der Umweltpolitik Bolsonaros eine Blockade des Freihandelsabkommens mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur angekündigt.

Bereits am Freitag hatte der Sohn des brasilianischen Staatschefs, Eduardo Bolsonaro, bei Twitter ein Video der „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich mit dem Kommentar geteilt: "Macron ist ein Idiot."

Update vom 26.08.2019, 6:20 Uhr: Angesichts der verheerenden Brände im Amazonasgebiet ermittelt die Polizei nun gegen die Organisatoren des sogenannten „Tag des Feuers“. „Die Bundespolizei wird den Fall mit ihrer Expertise aufklären“

, schrieb Justizminister Sérgio Moro am Sonntag auf Twitter. „Kriminelle Brandstiftung im Amazonasgebiet wird hart bestraft.“ Zuvor hatte die Zeitschrift „Globo Rural“ berichtet, dass sich im Bundesstaat Pará zuletzt über 70 Personen in einer Whatsapp-Gruppe dazu verabredet hatten, große Flächen entlang der Landstraße BR-163 in Brand zu stecken.

Ziel der koordinierten Aktion sei gewesen, den rechten Präsidenten Jair Bolsonaro bei seinem Plan zu unterstützen, die Umweltkontrollen zu lockern, hieß es in dem Bericht. Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über.

Update vom 25.08.2019, 19.40 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Länder in Südamerika, die von den Bränden im Amazonas-Regenwald betroffen sind, bei der Wiederaufforstung unterstützen. „Es folgt ein langes Engagement“, sagte die Politikerin beim G7-Gipfel im französischen Biarritz. „Die Lunge unserer gesamten Erde ist betroffen und deshalb müssen wir hier auch gemeinsame Lösungen finden.“

Update vom 25.08.2019, 14.50 Uhr: Die brasilianische Regierung stellt für die Bekämpfung der Waldbrände im Amazonas-Regenwald zusätzliches Geld zur Verfügung. Mit sofortiger Wirkung wurden 38,5 Millionen Reais (8,3 Millionen Euro) freigegeben, berichtet das Nachrichtenportal G1.

G7-Gipfel will von den Bränden betroffenen Regenwald-Regionen helfen

Update vom 25.08.2019, 14.30 Uhr: Nach Angaben von Macron wollen die G7-Staaten mit den betroffenen Ländern in der Amazonas-Region Kontakt aufnehmen.  Es gehe um „technische und finanzielle Mittel“, fügte er hinzu, ohne auf Details einzugehen. Geplant sei ein „internationaler Mobilisierungsmechanismus“. Er bekräftigte seine frühere Forderung, dass es auch Hilfe für die Aufforstung geben müsse.

Update vom 25.08.2019, 13.35 Uhr: Der G7-Gipfel hat sich nach Angaben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Hilfen für die Amazonas-Brandgebiete geeinigt. Die Hilfe der G7-Staaten solle den betroffenen Ländern „so schnell wie möglich“ zugute kommen, sagte Macron am Rande des G7-Gipfels in Biarritz.

Update vom 25.08.2019, 13.20 Uhr: Die verheerenden Waldbrände im Amazonas-Gebiet haben einen internationalen Aufschrei ausgelöst - und der hat offenbar etwas gebracht: Die Brandbekämpfung wird spürbar verstärkt, wie die Nachrichtenagentur afp berichtet. Sieben brasilianische Bundesstaaten haben bisher die Hilfe der Armee beantragt, 43.000 Soldaten wurden am Wochenende mobilisiert. Präsident Bolsonaro hatte den Weg dafür mit einem Dekret freigemacht.

Allerdings hat das brasilianische Forschungsinstitut INPE auch 1663 neue Brandherde entdeckt, seit Jahresbeginn sind es jetzt bereits mehr als 78.000 Brände im Amazonas-Regenwald.

Paps Franziskus: Regenwald ist „lebensnötig für unseren Planeten“

Update vom 25.08.2019, 12.30 Uhr: Papst Franziskus ruft nach seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz in Rom zu einer schnellen Eindämmung der Brände im Regenwald auf. „Lasst uns dafür beten, dass sie mit vereinten Kräften schnellstmöglich gebändigt werden“, so das Kirchenoberhaupt. Der Regenwald sei „lebensnötig für unseren Planeten“.*

G7-Gipfel in Biarritz: Donald Trump trifft Angela Merkel

Update vom 25.08.2019, 8.00 Uhr: Auch in Bolivien brennt der Regenwald. Die Brände erstrecken sich nach Angaben der Landes-Forstverwaltung über eine Gesamtfläche von 950.000 Hektar, schon fast eine Million Hektar Urwald seien vernichtet worden. Boliviens Präsident Evo Morales hat die übrigen Staaten der Amazonas-Region zu einer Krisensitzung aufgerufen.

Update vom 24.08.2019, 16.20 Uhr: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron will die Teilnehmer des G7-Gipfels in Biarritz angesichts der Brände im brasilianischen Regenwald in die Pflicht nehmen. „Das Amazonasgebiet ist unser Gemeingut“, sagte Macron in einer Ansprache im französischen Fernsehen. Frankreich sei in der Gipfelrunde besonders betroffen, denn es habe das Überseegebiet Französisch-Guyana in Südamerika. Das Gebiet hat eine Grenze zu Brasilien.

Maas bietet deutsche Hilfe zur Bekämpfung der Brände im Amazonas-Regenwald an

Die Umweltpolitik Bolsonaros ist sehr umstritten. 

Update vom 24.08.2019, 13.30 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas bietet deutsche Hilfe zur Bekämpfung der Feuer im Amazonas-Gebiet an. „Wenn wochenlang der Regenwald brennt, dann kann uns das nicht kaltlassen“, sagte Maas fr.de*. Deutschland stehe bereit, Hilfe und Unterstützung zu leisten, um die Brände zu bekämpfen. Maas sieht die Weltgemeinschaft in der Pflicht, Hilfe zu leisten. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Brände die grüne Lunge der Welt zerstören“, sagte der Außenminister. „Der Schutz des einzigartigen Naturerbes Amazonas ist eine internationale Aufgabe, die uns alle angeht.“

Update vom 24.08.2019, 13.20 Uhr: Auch die EU macht nun Druck auf Brasilien. Ratspräsident Donald Tusk machte am Samstag den Fortgang der Ratifizierung des Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten von einem glaubwürdigen Einsatz Brasiliens zur Bekämpfung der Brände abhängig. Zwar stehe die EU weiter zu dem Abkommen, „doch ist es schwierig, sich einen harmonischen Ratifizierungsprozess vorzustellen, solange die brasilianische Regierung die Zerstörung der grünen Lunge des Planeten Erde zulässt“, sagte Tusk vor Beginn des G7-Gipfels in Biarritz.

Update vom 24.08.2019, 12.15 Uhr: Auch in Bolivien brennen die Wälder, berichtet der fr.de-Korrespondent*. Die Probleme für die Brände in Brasilien und Bolivien liegen tief: Brasiliens und Boliviens Agrar-Industrie bedient lediglich den wegen einer ständig wachsenden Erdbevölkerung stetig steigenden internationalen Nahrungsmittel-Bedarf. Auch Europa importiert aus Brasilien die Soja-Bohne unter anderem als Tierfutter. Noch größer ist allerdings die Nachfrage aus China.

Häuptling bittet internationale Gemeinschaft um Hilfe gegen Waldbrände im Amazonas-Regenwald

Update vom 24.08.2019, 9.45 Uhr: Der brasilianische Häuptling Raoni Metuktire ruft die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten gegen den rechten brasilianischen Staatschef Bolsonaro auf. Das Oberhaupt des Volkes der Kayapó macht Bolsonaro für das Feuer im Amazonas-Regenwald verantwortlich. „Er will mit dem Wald Schluss machen, mit uns“, sagte Raoni der Nachrichtenagentur AFP. „Es ist wirklich schrecklich, was er macht.“

Der brasilianische Präsident stachele die Bauern dazu an, den Regenwald in Flammen zu setzen, um zusätzliches Ackerland zu gewinnen. Zugleich bat Raoni um internationale Unterstützung bei der Bekämpfung der Brände. „Ich will, dass es eine allgemeine Mobilmachung zur Löschung dieser Feuer gibt“, sagte er. Nach eigenen Angaben hatte er nie zuvor Brände dieses Ausmaßes im Amazonasgebiet gesehen.

Amazonas-Regenwald: Bolsonaro schickt Armee zur Bekämpfung der Waldbrände

Update vom 24.08.2019, 8.30 Uhr: Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro schickt die Armee zur Bekämpfung der Waldbrände im Amazonas-Gebiet. Am Freitag erließ Bolsonaro ein Dekret, das den Einsatz von Truppen zur Verhinderung und Bestrafung von „Umweltdelikten“ und zum Kampf gegen die Flammen regelt.

Update vom 23.08.2019, 20.00 Uhr: Frankreich und Irland haben eine Blockade des Freihandelsabkommens mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur angekündigt. Die Bundesregierung lehnt einen solchen Schritt dagegen ab. Bolsonaro betonte, es gebe „überall auf der Welt Waldbrände“. Diese dürften nicht „als Vorwand für mögliche internationale Sanktionen“ genutzt werden.

US-Präsident Trump bot Brasilien Unterstützung im Kampf gegen die Waldbrände im Amazonas-Regenwald an. In einem Telefonat habe er Bolsonaro gesagt, dass die USA „bereit stehen“, wen ihre Hilfe benötigt werde, sagte Trump.

Update vom 23.08.2019, 15.05 Uhr: Frankreich will das EU-Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur blockieren. Hintergrund ist der Streit mit Brasilien um die Waldbrände im Amazonas-Regenwald. Präsident Emmanuel Macron sei zu dem Schluss gekommen, dass der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ihn über seine Umweltschutz-Absichten „belogen“ habe, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter Macrons am Freitag. „Unter diesen Umständen lehnt Frankreich das Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Form ab“, hieß es.

Frühere brasilianische Umweltministerin: Regierung Bolsonaro ist verantwortlich für die Waldbrände im Amazonas-Regenwald

Update vom 23.08.2019, 14.45 Uhr: Die frühere brasilianische Umweltministerin Marina Silva macht die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro für die verheerenden Waldbrände im Amazonas-Regenwald verantwortlich. Die brasilianische Regierung habe durch ihre „Nachlässigkeit“ ein „zügelloses Vorgehen“ bei der Brandrodung begünstigt, zitiert die Nachrichtenagentur AFP Silva. So seien die Brände mittlerweile „außer Kontrolle“ geraten.

Auf diesem von Greenpeace Brasilien zur Verfügung gestellten Bild steigt Rauch bei einem Brand nahe der Stadt Caneiras do Jamari in Rondonia. Angesichts der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet setzt die brasilianische Regierung nun Soldaten bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern ein.

„Es gab im Amazonas-Gebiet immer Abholzung und Brände, aber niemals hat eine Regierung illegales Verhalten verteidigt“, sagte Silva am Rande einer Tagung zur Sozial- und Umweltpolitik in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá am Donnerstag (Ortszeit). Zwar verfüge Brasilien über die technischen Voraussetzungen, um die Brände zu bekämpfen. Allerdings habe die Bolsonaro-Regierung „diese Politik aufgegeben“ und misstraue Umweltschützern und Wissenschaftlern.

Update vom 23.08.2019, 14.30 Uhr: Auch die EU-Kommission beobachtet die Feuer im größten Regenwald der Erde mit großer Sorge und ist nach eigenen Angaben bereit, zu helfen. Das beste Instrument der EU, Einfluss auf die brasilianische Regierung auszuüben, sei das kürzlich ausgehandelte Mercosur-Freihandelsabkommen. Dieses verpflichte die Vertragspartner, darunter Brasilien, auf Einhaltung von Umweltstandards und des Pariser Klimaabkommens von 2015.

Auch Merkel will beim G7-Gipfel über Waldbrände im Amazonas-Regenwald reden

Update vom 23.08.2019, 12.40 Uhr: Auch Kanzlerin Angela Merkel will die Brände im Amazonas-Gebiet beim G7-Gipfel besprechen. Wenn die sieben großen Industrienationen (G7) zusammenkommen, „gehört auch nach Überzeugung der Bundeskanzlerin diese akute Notlage des Amazonas-Regenwaldes auf die Tagesordnung. Da hat der französische Präsident die Bundeskanzlerin ganz an seiner Seite“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.

„Das Ausmaß der Brände im Amazonasgebiet ist erschreckend und bedrohlich. Und nicht nur für Brasilien und die anderen betroffenen Länder, sondern für die ganze Welt“, sagte Seibert. Der Amazonas-Regenwald sei im globalen Klimasystem und für die globale Artenvielfalt von herausragender Bedeutung. Es sei nicht übertrieben, ihn die grüne Lunge der Welt zu nennen. „Natürlich muss das Thema im Dialog und in der Zusammenarbeit mit Brasilien angegangen werden“, so Seibert.

Brasilien: Justiz ermittelt wegen Waldbränden im Amazonas-Regenwald

Update vom 23.08.2019, 9.45 Uhr: Die brasilianische Justiz leitet wegen der Waldbrände im Amazonas-Regenwald erste Ermittlungen ein. Im Bundesstaat Pará will sie prüfen, warum der von Bauern angekündigte „Tag des Feuers“ vor einer Woche nicht verhindert wurde, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Farmer hatten Medienberichten zufolge im Südwesten des Bundesstaates in einer koordinierten Aktion große Flächen in Brand gesteckt, um Platz für neue Weideflächen zu schaffen.

„Für die Bundesstaatsanwaltschaft ist die Bekämpfung der illegalen Entwaldung Staatsräson und keine spezifische Regierungspolitik“, hieß es in der Mitteilung der Ermittler. „Der Kampf gegen Abholzung und Brandrodung ist keine Handlungsoption der öffentlichen Hand. Es ist ihre Pflicht.“

Streit um Amazonas-Regenwald: Bolsonaro wirft Macron „kolonialistische Denkweise“ vor

Update vom 23.08.2019, 9.15 Uhr: Nachdem mehrere Nationen besorgt auf die verheerenden Waldbrände im Amazonas-Regenwald reagiert hatten, meldet sich Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro zu Wort und verbittet sich Ratschläge aus dem Ausland. „Die brasilianische Regierung ist weiterhin offen für einen Dialog, der auf objektiven Daten und gegenseitigem Respekt beruht“, schrieb Bolsonaro auf Twitter. Dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron warf er dabei eine „kolonialistische Denkweise“ vor.

Macron hatte zuvor angekündigt, beim G7-Gipfel in Biarritz über die Waldbrände sprechen zu wollen. „Unser Haus brennt. Wortwörtlich“, hatte Macron auf Twitter zu einem Foto des Regenwalds geschrieben. Die Brände bedeuteten eine internationale Krise, erklärte Macron.

Bolsonaro warf Macron außerdem vor, ein altes Bild für seinen Tweet verwendet zu haben. Das Bild ist tatsächlich schon Jahre alt. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, stammt es von dem US-Fotografen Loren McIntyre, der bereits 2003 starb. Auch Prominente wie der Hollywoodstar und Umweltaktivist Leonardo DiCaprio hatten das Bild bereits in der aktuellen Diskussion verwendet.

Update vom 23.08.2019, 8.45 Uhr: Auch die Vereinten Nationen betonen die Bedeutung intakter Wälder. „Der Erhalt des Waldes ist für unseren Kampf gegen den Klimawandel von entscheidender Bedeutung“, sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär Antonio Guterres, Stephane Dujarric. Die Vereinten Nationen seien besorgt über die Lage im Amazonas-Gebiet und die bereits verursachten Schäden.

Amazonas-Regenwald ist die „grüne Lunge“ der Erde

Erstmeldung: Der Amazonas-Regenwald gilt als eine „grüne Lunge“ der Erde, zahlreiche Tiere leben dort. Sämtliche Regenwälder der Erde zusammen absorbieren rund 30 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase - elf Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. Doch mehr als die Hälfte des verbliebenen Regenwalds liegt in Brasilien. Und dort ist Anfang 2019 mit dem ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro ein Mann an die Macht gekommen, der sich nicht um den Amazonas-Regenwald oder Umweltschutz schert.

Bereits im Wahlkampf hatte Bolsonaro angekündigt, Umweltschutzgebiete und indigene Reservate für die Nutzung durch die Wirtschaft zu öffnen. Bolsonaro betrachtet den Regenwald als wirtschaftlich ungenutztes Potenzial. Er will keine neuen Schutzgebiete im Amazonas ausweisen und weitere Rodungen zulassen.

Amazonas-Regenwald schrumpfte bereits vor Bolsonaro

2018 - also vor Bolsonaros Amtsantritt - schrumpfte der Amazonas-Regenwald in Brasilien laut Regierungsangaben bereits um rund 7900 Quadratkilometer. Im Juli 2019 wurden 88 Prozent mehr Regenwald gerodet als im gleichen Monat des Vorjahres, im Juni waren es rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Derzeit verschwindet im Amazonas-Gebiet eine Regenwald-Fläche von bis zu drei Fußballfeldern - pro Minute.

Der Chef des staatlichen Inpe-Institus, das diese Zahlen veröffentlicht hatte, wurde von Bolsonaro beschuldigt, Lügen im Auftrag ausländischer Nichtregierungsorganisationen zu verbreiten. Er wurde entlassen. Anderen Ländern sprach Bolsonaro das Recht auf Einmischung ab: „Der Amazonas gehört uns, nicht Euch“, so Bolsonaro in Richtung von Staaten wie Deutschland oder Norwegen, die Gelder für den Schutz des Amazonas-Regenwalds auf Eis legten.

Verheerende Waldbrände im Amazonas-Regenwald - ist Bolsonaros Politik schuld?

Zusätzlich zu den Rodungen, durch die der Amazonas-Regenwald immer weiter schrumpft, wird der Regenwald ganz aktuell durch verheerende Waldbrände weiter zerstört. Nach Angaben von Inpe ist die Zahl der Waldbrände in diesem Jahr um 82 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Zwischen Januar und August 2019 wurden 72.843 Waldbrände im Regenwald registriert, im gesamten Vorjahr waren es 39.759 Waldbrände.

Blick von oben: Ein Nasa-Satellit zeigt die vielen Waldbrände im Amazonas-Regenwald von oben.

Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen den zahlreichen Waldbränden und der Zunahme illegaler Waldrodungen am Amazonas, die Kritik an Staatschef Bolsonaro wird derweil lauter. (Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der wahre Brandstifter ist Bolsonaro selbst.) Der brasilianische Präsident gilt als ein Freund der Agrarindustrie, er zweifelt den menschengemachten Klimawandel an. Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, mit seinen Aussagen gegen den Umweltschutz Holzfäller, Bergleute und Bauern zum Raubbau am Amazonaswald zu ermutigen.

Bolsonaro macht Umweltschützer für Waldbrände im Amazonas-Regenwald verantwortlich

Bolsonaro dreht dagegen den Spieß um: Er macht Umweltschutzorganisationen indirekt für die verheerenden Waldbrände im Amazonas-Regenwald verantwortlich. „Es kann sein, dass diese NGOs kriminelle Handlungen begangen haben, um Aufmerksamkeit gegen mich, gegen die brasilianische Regierung zu erlangen“, sagte Bolsonaro laut einem Bericht der Tageszeitung „Folha de São Paulo“. Beweise legte er dafür allerdings nicht vor.

Der Regenwald ist als CO2-Speicher für den internationalen Klimaschutz von großer Bedeutung. Erst im Juli hatten Forscher eine neue Studie veröffentlicht, die zeigte, dass nichts den Klimawandel so effektiv bekämpft, wie die Aufforstung. Bäume hätten das Potenzial, zwei Drittel der bislang von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen aufzunehmen, so die Forscher.

Amazonas-Regenwald: Schutz der Wälder und Aufforstung für Klimaschutz

Doch statt mehr werden die Wälder weniger: Im vergangenen Jahr verschwanden nach Angaben des Projekts „Global Forest Watch“ rund zwölf Millionen Hektar Wald weltweit - das ist eine Fläche, so groß wie England. Die Geschwindigkeit, mit der die Welt ihre letzten großen Wälder verliere, bleibe unvermindert hoch, so die Forscher. Gleichzeitig sucht die Menschheit nach Lösungen, den Klimawandel zu bekämpfen und das Klima zu schützen.

Erst kürzlich schlug die rechtspopulistische brasilianische Regierung grüne Töne an. Er wolle „die Entwicklung mit der Erhaltung der Umwelt verbinden“, sagte Bolsonaro in einer Rede. Sein Wirtschaftsminister warb für die Idee, einen weltweiten Sauerstoff-Handel aufzuziehen, aus dem Brasilien Einkünfte für den im Amazonas-Regenwals produzierten Sauerstoff beziehen würde. Bei Ökonomen und Umweltschützern trifft das Konzept jedoch auf große Vorbehalte. (mit dpa/epd/afp)

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