Täter gab den Auftrag

Bluttat in Limburg: Wie ein Privat-Detektiv Sana aufspürte

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Am 25. Oktober tötet Imad A. in Limburg (Hessen) auf offener Straße seine Frau. Die Bluttat lässt viele Fragen zurück – nun gibt es auf einige Antworten. 

Am 25. Oktober tötet Imad A. in Limburg (Hessen) auf offener Straße seine Frau. Ein Privat-Detektiv spürte das Opfer auf.

Limburg – Kein Versagen im Limburger Frauenhaus. Keine Schlamperei in einem Einwohnermeldeamt. Keine undichte Stelle in einer anderen Behörde. Alle Spekulationen und Behauptungen, wie Imad A. seine Frau in Limburg an der Lahn aufspüren konnte, sind falsch. Der 34-Jährige hat einen Detektiv mit der Suche nach seiner Partnerin beauftragt, die ihn Ende Juli mit den beiden kleinen Kindern verlassen hatte.

Das hat diese Zeitung aus zuverlässiger Quelle erfahren. Offiziell will sich dazu aus ermittlungstaktischen Gründen niemand äußern. "Ich habe davon gehört, kann es aber nicht bestätigen", sagte Staatsanwalt Manuel Jung gestern auf Anfrage. "Wir gehen dieser Frage weiter nach."

Wie der Detektiv vorgegangen ist, steht noch nicht genau fest. Er hat dem Vernehmen nach Kontakt zu Bekannten der Frau aufgenommen und moderne technische Möglichkeiten genutzt. Durch die Weitergabe der Adresse hat der "Schnüffler" sich nicht strafbar gemacht. Ob er bei einem Frauenhaus sensibler hätte sein müssen, ist eine ethische Frage und keine juristische.

Bluttat in Limburg (Hessen): Opfer im Frauenhaus aufgespürt

Dass das Versteck von Sana aufgeflogen ist, war kein Geheimnis. Ihr Mann Imad A. tauchte ebenso wie mehrere Verwandte mehrmals am Frauenhaus in Limburg auf, obwohl er ein Kontaktverbot hatte. Die Tunesierin sollte deshalb mit ihren beiden zwei und drei Jahre alten Kindern in einer anderen Stadt untergebracht werden. Zu spät.

Der in Deutschland geborene und aufgewachsene Mann mit tunesischen Wurzeln soll nach der Trennung im Juli wütend auf seine Partnerin gewesen sein, die er nach Deutschland geholt und vor sechs Jahren geheiratet hatte. Aus Eifersucht und Ärger ums Sorgerecht wurde blinder Hass. Als er erfuhr, dass seine Frau ihn wegen Körperverletzungen angezeigt hatte, muss er durchgedreht sein. Er lieh sich einen schweren Audi A 6 Avant mit 204 PS, um Sana damit umzubringen.

Am 25. Oktober um 8.25 Uhr hat er es getan. Imad A. raste mit hoher Geschwindigkeit auf die Fußgängerin. Sie wurde nach dem Aufprall etwa 30 Meter weit im hohen Bogen durch die Luft geschleudert und blieb hinter dem Auto liegen, das in eine Hauswand krachte. Dabei ist Sana getötet worden; ihr Abschlachten hat sie glücklicherweise nicht erlebt.

Leiche nach Bluttat in Limburg obduziert: Kollision mit Auto Todesursache

Diese Information dieser Zeitung hatte die Staatsanwaltschaft vor einer Woche nach der Obduktion vorab bestätigt; jetzt liegt auch der detaillierte 29-seitige Obduktionsbericht des Rechtsmedizinischen Instituts der Gießener Universitätsklinik vor.

"Der Tod erklärt sich durch die schweren im Zuge des rasanten Kontakts mit dem Fahrzeug (Primärkollision), der Flugphase und den Aufschlag auf den Boden entstandenen Verletzungen auf nicht natürliche Art", heißt es im Fachjargon.

Die Ärztin listet eine Vielzahl schwerer Verletzungen auf; darunter Schädelhirntrauma, Bruch der Halswirbelsäule, Quetschungen des Halsmarks sowie Thoraxtrauma mit beidseitigem Pneumothorax (Verletzungen des Brustkorbs und seiner Organe).

Bluttat in Limburg: Erst schlug er mit dem Beil zu, dann mit der Axt 

Neu ist der Fakt, dass Imad A. nach dem Unfall zunächst mit einem Küchenbeil und erst dann mit einer Axt auf den Kopf des regungslos am Boden liegenden Opfers eingeschlagen hat. Dies ist auf keinem Video zu sehen und von keinem Zeugen beobachtet worden. Die Rechtsmedizinerin spricht von einem "ersterbenden, im weiteren Verlauf insbesondere beim Einsatz der Axt schon zum Stillstand gekommenen Kreislauf". Sie hat genau die Größe der Wunden am Kopf untersucht und "nebenbei" zahlreiche Knochenbrüche registriert.

Limburg: Was wird nach der Bluttat aus den Kindern der Getöteten?

Die Staatsanwaltschaft hat die Leiche gestern freigegeben. Die Tote soll dem Vernehmen nach in ihre Heimat überführt werden. In Deutschland hat sie keine Angehörigen. Was mit ihren kleinen Kindern geschieht, die derzeit in der Obhut des Jugendamtes sind, ist laut Jung noch nicht entschieden.

Von Joachim Heidersdorf

Das Geschehen in den Tagen und Wochen nach der Bluttat von Limburg haben wir hier in einem Ticker nachvollzogen. Nach und nach ergab sich nicht bloß für die Ermittler ein genaueres Bild des Dramas, das sich am 25. Oktober und davor in Limburg abgespielt hat. 

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