Bitte lächeln!

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„Da muss man einfach mitlachen!“ Das sagt Psychologin Dr. Petra Sobanski über das giggelnde Baby auf dem Foto. Was es so zum Lachen gebracht hat? „Vielleicht wurde es gekitzelt oder es hat etwas Witziges gesehen.“ Oder es habe ein lustiges Geräusch gehört. Dass es die Augen zukneift und weiterlacht, zeige, dass es etwas älter ist: Es könne das Erlebte „im Kopf mitnehmen“.

Babylachen macht auch Erwachsene glücklich – nicht nur die Eltern: Auf geheimnisvolle Weise berührt es uns tief in der Seele. Aber was macht es so besonders? Und: Was verrät es über das Kind? Das haben Forscher nun herausgefunden.

Was uns Baby-Gesichter Verraten

Babylachen macht auch Erwachsene glücklich – nicht nur die Eltern: Auf geheimnisvolle Weise berührt es uns tief in der Seele. Aber was macht es so besonders? Und: Was verrät es über das Kind? Das haben Forscher nun herausgefunden.

VON ANDREA EPPNER

Petra Sobanski kann nicht anders: „Wenn ich ein Baby in der S-Bahn lachen höre – da muss ich einfach mitlachen!“, sagt die Kinderärztin und Psychologin. Sie ist Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Städtischen Klinikum München-Harlaching. Geht es um die Mimik von Kindern, hat sie ein gut geschultes Auge. Und: Läuft es in der Kommunikation zwischen Eltern und Kind mal nicht ganz so rund, versuchen sie und ihr Team der Ursache sogar mit Hilfe von Videoaufzeichnungen auf den Grund zu gehen.

Was also ist es, was das Lachen von Babys so besonders macht? „Es ist unverkrampft und ungebremst. Dieses Lachen kommt aus der Tiefe“, erklärt Sobanski. Das kann man hören – wenn Kinder lachen, klingt das oft glucksend. Erwachsene lachen nicht nur seltener, sondern auch viel kontrollierter. Und: Sie achten darauf, dass es nicht zu laut klingt und bloß nicht im unpassenden Moment kommt.

Kindern ist das egal. Sie lachen, wann es ihnen in den Sinn passt – selbst über Dinge, die Erwachsene allenfalls albern finden. Wenn zum Beispiel fünf Monate alte Babys etwas Ungewöhnliches sehen, wenn sich etwa jemand ein Buch auf den Kopf legt, dann finden sie das urkomisch. Sie lachen sogar dann, wenn es sonst keiner tut. Das haben Psychologen des Johnson State College in Vermont jüngst herausgefunden – und sie waren überrascht darüber. Bisher habe man nämlich angenommen, Kinder in diesem Alter seien gar nicht fähig, etwas lustig zu finden, ehe ihre Eltern lachen, sagt Psychologin Gina Mireault dem „Wall Street Journal“. Dennoch: Angeboren ist sowas nicht. Und die Eltern spielen bei der Entwicklung des Lachens eine große Rolle. Was sie dabei vielleicht nicht so gern hören: Wenn ein Neugeborenes lacht, dann erst mal nicht, weil Mama es angelacht hat, sagt Kinderärztin Sobanski: Neugeborene würden häufig „einfach so“ lachen, oft passiert das kurz vorm Einschlafen oder sogar im Schlaf. Erst mit der Zeit lerne ein Baby „mit seinem Gegenüber zu lachen“. Dazu müsse das Gehirn erst eine gewisse Reife erreichen.

Die Grundlagen fürs gemeinsame Lachen sind aber schon von Geburt an vorhanden: die Spiegelneuronen. Diese Nerven im Gehirn lassen uns mitfühlen, was ein anderer empfindet. Und: Sie wecken den Drang in uns mitzumachen. „Kinder werden durch Emotionen angesteckt“, erklärt Sobanski. Aber nicht nur durch Lachen. „Wenn in der Klinik ein Kind schreit, weinen bald auch alle anderen.“

Babys fangen darum früh damit an, ihre Mama zu imitieren. Bereits mit drei, vier Monaten nutzten sie ihr Lachen gezielt, um etwa die Mutter zum Mitlachen zu bewegen. Und: Sie haben das sogar so gut drauf, dass sie genau dosieren können, wie sehr sie selbst lachen müssen, um jemanden zum Mitlachen zu bringen. Das haben Forscher der Universität von Kalifornien in San Diego festgestellt. Sie haben dafür einen Roboter programmiert, der wie ein Baby aussah und auch so lachen konnte.

Lachen sei eine der ersten Formen der Kommunikation, sagt Expertin Sobanski. An der Art, wie ein Kind lacht, könnten Eltern auch viel darüber erfahren, wie es ihm gerade geht – auch wenn man diese Sprache erst mal lernen müsse, zumal jedes Baby individuell sei und ein einzigartiges Lachverhalten habe. „Jedes Kind lacht ein bisschen anders“, sagt Sobanski. Darum müsse selbst eine erfahrene Mutter bei jedem Kind erneut lernen, was sein Lachen und sein Gesichtsausdruck bedeute. Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es aber doch – wie die Fotos auf unserer Seite zeigen; wir haben Kinderärztin Sobanski gebeten, diese zu analysieren. Sie findet übrigens: „Man sollte Kinder nicht immer gleich ermahnen, wenn sie im unpassenden Moment loslachen. Wir sollten Kindern erlauben, möglichst lang und über möglichst viel zu lachen.“

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