Bestattungsgesetze in der Diskussion – Brandenburg prescht vor

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Ein Diamant hergestellt aus der Asche eines Toten.

Bonn – Über eines sind sich alle einig: Trauernde sollen ihren Verlust individuell verarbeiten dürfen – und die Form der Bestattung und Erinnerung selbst wählen.

Was aber Bestattungspflicht konkret heißt und wie sie umgesetzt werden soll, daran scheiden sich die Geister.

In Brandenburg wird am Freitag über ein neues Bestattungsgesetz entschieden. Strittig sind vor allem zwei Fragen: Ab welchem Entwicklungsstadium müssen tot geborene Kinder beerdigt werden? Und: Darf aus Teilen der Totenasche ein Schmuckstück gefertigt werden?

Bundesweit haben Eltern seit 2013 das Recht, ihre zu früh oder tot geborenen Föten zu beerdigen. Daneben gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Regeln, wann dies erfolgen muss. Der Gesetzentwurf in Brandenburg koppelt die Bestattungspflicht von Früh-, Tot- oder Fehlgeburten an ein Mindestgewicht von 500 Gramm. Wiegt das Kind weniger, dürfen Eltern selbst entscheiden, ob sie es beerdigen möchten oder nicht. Totgeborene, die nicht bestattet werden, müssen aktuell von der entsprechenden Einrichtung „hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend“ entsorgt werden. Die Kirche, Bestatter und die Verbraucherinitiative Aeternitas sehen die Gewichtsgrenze skeptisch. Eltern bräuchten einen Ort, an dem sie den Verlust eines Kindes betrauern könnten – wofür eine Beisetzung notwendig sei.

Aeternitas spricht sich dagegen für eine Informationspflicht aus, wie es sie in Baden-Württemberg, Bayern oder Nordrhein-Westfalen gibt. Krankenhäuser müssen Eltern dort darauf hinweisen, dass sie ihre tot geborenen Kinder beisetzen dürfen. Denn: „Viele Eltern dieser sogenannten Sternenkinder kennen ihr Recht auf eine Bestattung nicht“, meint Aeternitas.

Im bundesweiten Vergleich der Verbraucherinitiative fällt auf, dass viele Bundesländer bereits mit der 500-Gramm-Regel arbeiten, wie sie auch in Brandenburg geplant ist: Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Berlin, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern setzen die Grenze für eine Bestattungspflicht bei einem Gewicht von 1.000 Gramm. Der zweite Streitpunkt im Brandenburger Entwurf betrifft die Totenasche. Brandenburg will es ermöglichen, aus Teilen der Asche etwa einen Diamanten pressen zu lassen. Wenn der Wunsch des Verstorbenen schriftlich vorliege, dürfe eine „geringfügige Menge“ der Totenasche entnommen werden, heißt es im Entwurf. Unter der Bedingung, dass der „Verwendungszweck dem sittlichen Empfinden der Allgemeinheit nicht widerspricht“. Genau das ist aus Sicht der Kirche aber nicht gegeben. Die „Diamantbestattung“ verletze die Menschenwürde, indem der Verstorbene zu einem Gegenstand gemacht und kommerziell verwertet werde.

Bestatter und Aeternitas begrüßen dagegen die geplante Reform. Die Herstellung von Schmuck aus Teilen der Totenasche sei „längst gängige Praxis“, so die Begründung. Allerdings bewege sie sich in einer rechtlichen Grauzone.  kna

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