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Bessere Chancen bei Darmkrebs

Pro Jahr trifft es mehr als 60 000 Menschen in Deutschland: In ihrem Darm wird ein Tumor entdeckt. Ist dieser noch klein, stehen die Chancen auf Heilung sehr gut. Doch woran erkennt man Darmkrebs – und welche Therapie hilft? Unsere Expertin Professor Julia Mayerle gibt Antworten.

RATGEBER

VON ANDREA EPPNER

Schweinebraten und Salat, Keime und Schadstoffe: Der Darm nimmt auf, was ihm vor die Schleimhaut kommt – und die ist riesig. Allein der Dünndarm sei ausgerollt etwa so groß wie ein Fußballfeld, erklärt Prof. Julia Mayerle, Chefärztin der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Klinikum der Universität München. Damit bietet der Darm viel Angriffsfläche für Schadstoffe. Genau das macht ihn besonders anfällig – auch für Krebs.

„Tumore im Dickdarm gehören in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen“, sagt Mayerle. „Bei Frauen ist es die dritthäufigste, bei Männern sogar die zweithäufigste.“ Die gute Nachricht: Darmkrebs sei die einzige Krebsart, bei der die Zahl der Neuerkrankungen rückläufig sei. „Das ist vor allem eine Folge der Vorsorge-Darmspiegelung“, sagt Mayerle. Die kann nämlich sogar Krebsvorstufen aufspüren (siehe Kasten). Doch was, wenn bereits ein Tumor im Darm wächst? Wie verrät er sich – und was hilft? Die wichtigsten Antworten zu Diagnose und Therapie.

-Was sind Warnsignale, die auf einen Darmtumor hindeuten können?

Dazu gehören vor allem Veränderungen beim Stuhlgang, erklärt Expertin Mayerle. Zum Beispiel: Durchfall oder Verstopfung, oft beides im Wechsel. Ein Tumor im Darm kann sich auch durch eine Blutung verraten: Wer Blut auf dem Klopapier oder dem Stuhl sieht, sollte aber nicht gleich das Schlimmste annehmen: Viel öfter hat das harmlose Ursachen, wie etwa vergrößerte Hämorrhoiden. Dennoch sollten Betroffene zum Arzt gehen und den Grund abklären lassen. Ist tatsächlich Darmkrebs die Ursache einer Blutung, zeigt sich die allerdings oft nur indirekt: So kann sehr dunkler oder gar schwarzer Stuhl auf eine versteckte Blutung hindeuten. Wer längere Zeit unbemerkt Blut über den Darm verliert, kann auch unter den Folgen der Blutarmut leiden. Betroffene fühlen sich dann matt, oft sind sie auch blass. Eine solche „Anämie“ wird manchmal auch zufällig bei einer Blutuntersuchung festgestellt. Mit einer Stuhlprobe lässt sich dann im Labor testen, ob darin wirklich Blut ist. Doch nicht nur eine Blutung, auch ein starker Gewichtsverlust kann auf einen Darmtumor hindeuten. Bauchschmerzen treten meist erst auf, wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist, sagt Mayerle. Ein großer Tumor kann auch zu einem Darmverschluss führen.

-Wie geht man einem Krebsverdacht nach?

Klarheit bringt eine „Koloskopie“, also eine Darmspiegelung, wie sie auch zur Früherkennung eingesetzt wird (siehe Kasten). Damit kann man zwar nur den Dickdarm untersuchen – Darmtumore betreffen aber fast immer diesen Abschnitt. „Sieht man bei der Untersuchung etwas Auffälliges, entnimmt man Proben“, sagt unsere Expertin. Ein Pathologe untersucht das verdächtige Gewebe später im Labor. Bestätigt sich der Krebsverdacht, gilt: Ist der Tumor klein, versucht der Arzt, ihn noch während der Darmspiegelung endoskopisch abzutragen. Im Anschluss überprüft der Pathologe, ob der Tumor vollständig entfernt wurde. Ist das der Fall, hat der Patient Glück. Damit hat er die Therapie nämlich schon überstanden. „Je nach Tumorgröße wird man ihm dann raten, in ein bis drei Jahren zur Kontrolle zu kommen“, sagt Mayerle.

-Was, wenn der Krebs weiter fortgeschritten ist?

Ist der Tumor bereits zu tief in die Darmwand eingewachsen oder ist er zu groß, um ihn per Endoskop zu entfernen, ist eine Operation nötig. Dieser geht eine sogenannte „Umgebungsdiagnostik“ voraus, erklärt Mayerle. Man prüft dabei, ob sich Metastasen gebildet haben, ob der Tumor also bereits gestreut hat. „Das macht man meist per Computertomografie“, sagt die Ärztin. Wächst der Tumor im Enddarm, werde oft ein Ultraschall von innen, also durch den After, gemacht oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Beckens. „Das ist für die Operations-Planung wichtig.“

-Wird bei der OP nur der Tumor entfernt?

Nein. Je nach Lage entfernt man den halben Dickdarm – oder sogar den ganzen. „Selbst das vertragen Patienten meist sehr gut“, beruhigt Mayerle. Wichtige Nährstoffe werden nämlich bereits im Dünndarm aufgenommen. Der Stuhl sei allerdings flüssiger, wenn der Dickdarm komplett entfernt werden musste. Patienten müssen also anfangs mit Durchfall rechnen. Der Grund: Der Dickdarm ist vor allem dazu da, Flüssigkeit zurückzugewinnen. „Er dickt den Stuhl ein, deswegen heißt er so“, erklärt unsere Expertin. „Mit der Zeit übernimmt der Dünndarm die Funktion des Eindickens zusätzlich.“ In jedem Fall würden bei einer Operation auch „eine erhebliche Zahl an Lymphknoten“ entfernt. Der Pathologe untersucht, ob diese befallen sind.

-Was, wenn der Tumor tatsächlich gestreut hat?

Haben sich bereits Metastasen gebildet, ist eine vollständige Heilung oft nicht mehr möglich. Man versucht dann, solche Absiedelungen direkt zu zerstören, etwa mit Laserverfahren, Hitze oder eine gezielte Strahlentherapie. „Diese lokalen Verfahren kombiniert man häufig mit einer Chemotherapie“, sagt Mayerle. Sie wirkt systemisch, also im ganzen Körper. Die aggressiven Medikamente greifen besonders Zellen an, die sich stark vermehren: Das gilt für Tumorzellen ebenso wie für gesunde Darmschleimhautzellen, die sich häufig erneuern. Die Chemotherapie führt daher oft zu Nebenwirkungen wie Durchfall. Aber: „Darmkrebs ist unter den soliden Tumoren – also Tumore, die nicht aus dem Blut entstehen – eine der Arten, die deutlich besser auf eine Chemotherapie ansprechen als andere.“

-Welche Rolle spielt die Antikörpertherapie?

Sie kommt bei Metastasen oder einem „Rezidiv“ infrage, wenn ein Patient also erneut an Darmkrebs erkrankt. Eingesetzt werden zum Beispiel Antikörper, die sich gegen Wachstumsrezeptoren richten. Das sind Eiweiße, die auf Tumorzellen in besonders großer Zahl vorkommen. Sie reagieren auf Botenstoffe, die das Signal „Zelle, vermehre dich!“ geben. Und genau das sollen die Medikamente bremsen. Zum Einsatz kommen auch Antikörper gegen den sogenannten „VEGF-Rezeptor“. Sie verhindern wiederum, dass sich neue Blutgefäße bilden: Das macht es dem Tumor schwerer, weiter zu wachsen. Eine andere Gruppe von Medikamenten sind „Immuncheckpoint-Inhibitoren“. Ihr Ziel: die körpereigene Immunabwehr auf Tumorzellen ansetzen. Geht alles gut, so schafft es das Immunsystem, im Körper verbliebene Krebszellen anzugreifen. Allerdings können die Medikamente auch „Autoimmunerkrankungen“ auslösen: Statt Krebszellen greift das Immunssystem dann körpereigenes Gewebe an.

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