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Warum sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht?

Bekannte Redewendungen – und woher sie kommen

Waldohreule
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Eine Waldohreule schaut von einem Baum. Dort fühlt sich sicher wohler als in Athen (Symbolbild)
  • Verena Möckl
    VonVerena Möckl
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Wir alle nutzen sie täglich. Aber woher kommen eigentlich viele unser Redewendungen? Wir haben nachgeforscht.

„Eulen nach Athen tragen“

Diese Redensart bedeutet, etwas Überflüssiges und Sinnloses zu tun oder zu sagen. Schon im alten Griechenland war diese Redewendung bekannt. Und da es im antiken Athen allein wegen der Schutzgöttin Athene viele Eulendarstellungen gab und auf den Akropolis-Felsen viele Steinkäuze lebten, ergab sich die Bedeutung der Redewendung.

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In zehn europäischen Sprachen trägt man Eulen nach Athen. In der englischen Sprache trägt man jedoch Kohlen nach Newcastle, und die Spanier beispielsweise bringen Wasser zum Meer.

„Es fällt einem wie Schuppen von den Augen“

Hinter dieser Redewendung verbirgt sich ein biblisches Zitat aus der Apostelgeschichte im Neuen Testament, das ein Jünger Jesu zu dem erblindeten Christenverfolger Saulus sagt, worauf hin dieser sich zum Christentum bekennt. Saulus ist es also wie Schuppen von den Augen gefallen, denn ihm ist plötzlich etwas klar geworden, für das er vorher erstaunlicherweise blind war.

In der Antike war die Vorstellung verbreitet, dass Erblindungen durch verdickte Hautschuppen auf dem Augapfel entstehen. Eine ganz witzige Abwandlung der Jetztzeit: Es fällt einem wie Schuppen aus den Haaren.

„Krokodilstränen weinen“

Menschen weinen Krokodilstränen, wenn sie Mitleid oder Trauer vortäuschen – und das in 46 europäischen Sprachen. Schon in der Antike wussten das die Menschen. Damals kursierten Erzählungen über Krokodile, die Menschen mit ihren Seufzern anlocken, um sie dann zu fressen und dabei – wie heuchlerisch – auch noch weinen.

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Moderne Biowissenschaftler fanden mittlerweile heraus, was es mit den Krokodilstränen auf sich hat. Der Oberkiefer regt beim Kauen die Tränendrüse an –genau wie die Luft, die die Reptilien beim Kauen mitschlucken. Dabei entsteht auch ein seufzendes Geräusch. In der antiken Redewendung steckt also auch ein Fünkchen Wahrheit.

„Einen Löwenanteil bekommen“

Hinter dieser Redensart steckt eine altertümliche Fabel: Ein Löwe, eine Füchsin und ein Esel haben gemeinsam eine Beutel erlegt. Nun soll geteilt werden. Als der Esel die Beute gerecht aufteilen will, wird der Löwe jedoch wütend und frisst den Esel auf. Daraufhin befiehlt der Löwe der Füchsin zu teilen.

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Diese behält nur einen kleinen Teil für sich und gibt den Großteil dem Löwen. Als die Tierfabel noch bekannt war, bedeutete es, wenn jemand unverschämt das meiste bekommt. Seit die Fabel in Vergessenheit geriet, bedeutete sie bei Weitem das meiste bekommen.

„Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“

Im Französischen ist es der Baum, der den Wald verbirgt, in 37 anderen europäischen Sprachen sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die Redewendung geht auf den antiken Dichter Ovid und den neuzeitlichen Lyriker Christoph Martin Wieland zurück.

„Der eiserne Vorhang“

Er steht für ein Symbol des Kalten Krieges, der absoluten Abschottung, einer streng geschützten Grenze. Der Ursprung dieser Redensart stammt allerdings nicht aus der Politik, sondern aus dem Theaterbau. Der eiserne Vorhang wurde Ende des 18. Jahrhunderts erfunden und diente dem Theater als Feuerschutz. In die Politik brachte diesen Ausdruck dann die britische Politikerin Ethel Snowden, die vom eisernen Vorhang schrieb, hinter dem die sozialistischen Länder liegen.

„Den Nagel auf den Kopf treffen“

Trifft jemand den Nagel auf den Kopf, benutzt er treffende Worte für den Kern der Sache. In 26 Sprachen sagt man das so. Mit Hämmern hat die sprichwörtliche Redensart aber nichts zu tun. Der Hintergrund ist der Schießsport in Europa, genauer gesagt: Schießfeste im späten Mittelalter.

Die Zielscheiben wurden zu dieser Zeit mit einem Holznagel in der Mitte befestigt. In deutschsprachigen Ländern nannte man diesen Nagel „Zweck“. Diesen zu treffen war also „Ziel und Zweck“ des Ganzen. Ein Jahrhundert später zielten die Schützen auch auf schwarze Punkte und trafen dabei mit etwas Geschick ins Schwarze.

„Im selben Boot sitzen“

Die Redensart stammt von dem römischen Gelehrten Cicero, der einem Freund schrieb: „Du bist im selben Schiff.“ Cicero hatte dabei das Bild vom Staat als Schiff vor Augen. Ein englischer Philosoph verkleinerte das Schiff in ein Boot. In 48 europäischen Sprachen kommt diese Redewendung vor. Sogar in asiatischen Ländern wie Vietnam, China und der Mongolei benutzen Menschen diesen Ausdruck.

„Perlen vor die Säue werfen“

Schon in der Bergpredigt mahnte Jesus davor, Perlen vor die Säue zu werfen. Wertvolles wie Perlen soll nicht an Unwürdige verschwendet werden. Die Redensart kennt man in 44 europäischen Sprachen. Im Walisischen sind es Edelsteine, im ukrainischen Glasperlen. 

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