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In beiden Fällen ältere Personen die Verursacher – Fahreignungstest als Lösung?

Zwei schwere Geisterfahrer-Unfälle auf der A94 seit März: Das sagen Polizei und ADAC dazu

Unfall auf A94 zwischen Neuötting und Altötting am 11. März
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Am 11. März verloren zwei Personen bei einem Geisterfahrer-Unfall auf der A94 im Landkreis Altötting ihr Leben.
  • Jens Zimmermann
    VonJens Zimmermann
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In diesem Jahr ereigneten sich bereits zwei Unfälle auf der A94 im Landkreis Altötting, die durch einen Geisterfahrer verursacht wurden. In beiden Fällen wendeten Autofahrer im fortgeschrittenen Alter aus unerklärlichen Gründen mitten auf der Fahrbahn. Wir haben mit der Polizei und dem ADAC über die Gefahren und mögliche Maßnahmen gesprochen. 

Landkreis Altötting - „Geisterfahrer sind der Horror für jeden Autofahrer. Sie verursachen immer wieder schwerste Unfälle. Meist haben andere Autofahrer keine Chance mehr auszuweichen, da Geisterfahrer wie aus dem Nichts auf einmal vor ihnen auftauchen und ein Zusammenstoß unvermeidlich ist“, erklärt Andreas Hölzel, Unternehmenssprecher ADAC, gegenüber innsalzach24.de. So dürfte es auch allen Beteiligten der Geisterfahrer-Unfälle auf der A94 im März und Anfang Juli ergangen sein. Zwei Tote und mehrere Schwer-Verletzte ist die traurige Bilanz.

Geisterfahr-Unfälle auf der A94: Ältere Fahrer wenden auf der Fahrbahn

Betrachtet man beide Unfälle genauer, fallen zwei Gemeinsamkeit auf. Beide Geisterfahrer waren im fortgeschrittenen Alter – 77 und 80 Jahre – und wendeten plötzlich aus unerklärlichen Gründen mitten auf der Fahrbahn. Und auch laut dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd gelte als häufigste Ursachen für Falschfahrer-Fahrten auf der A 94 u.a. das „Wenden auf der Fahrbahn“ und das „falsche Auffahren im Bereich einer Anschlussstelle“.

Hintergründe für diese Fehler können Unachtsamkeit, Verwirrtheit bis hin zu Wahrnehmungsdefiziten, z.B. bedingt durch Alkohol, Drogen, Medikamente oder Übermüdung sein, bis hin zu suizidalen Absichten oder gar vorsätzlichem Handeln des Falschfahrer“, erklärt ein Sprecher der Polizei. Dabei würden in erster Linie Verkehrsstraftaten verwirklicht werden. Sofern im Einzelfall Hinweise für ein vorsätzliches Handeln vorliegen, der Falschfahrer also neben seiner eigenen Schädigung billigend den Tod anderer in Kauf genommen hat, besteht sogar der Verdacht eines (versuchten) Tötungsdelikts.

Fotos vom tödlichen Geisterfahrer-Unfall auf der A94 bei Altötting

Unfall auf A94 zwischen Neuötting und Altötting am 11. März
Unfall auf A94 zwischen Neuötting und Altötting am 11. März
Unfall auf A94 zwischen Neuötting und Altötting am 11. März
Unfall auf A94 zwischen Neuötting und Altötting am 11. März
Fotos vom tödlichen Geisterfahrer-Unfall auf der A94 bei Altötting

Die Ursachen und Begleitumstände von Falschfahrten sind laut ADAC vielfältig. Oft lasse sich eine eindeutige Ursache nicht feststellen. „Bei den Falschfahrern gibt es jedoch zwei auffällige Gruppen: Junge Fahrer unter Alkohol- und Drogeneinfluss, sowie ältere Fahrer, die durch Medikamente beeinträchtigt sind“, schildert Hölzel.

Seit 2016 51 Falschfahrer auf der A94 und drei Unfälle

Wie oft kommt es auf der A94 zu Falschfahrern? Seit 2016 gab es laut Auskunft der Polizei drei Unfälle im Dienstgebiet der Autobahnpolizeistation (APS) Mühldorf, bei denen Falschfahrer („Geisterfahrer“) direkt beteiligt waren bzw. welche durch eine Falschfahrt verursacht wurden – zwei davon in diesem Jahr. Der Unfall vom 11. März verlief als einziger tödlich. Insgesamt kam es die vergangenen fünf Jahren zu 51 Falschfahrermeldungen, wobei in 16 Fällen der Falschfahrer gestellt werden konnte. Die Altersspanne der gestellten Falschfahrer liegt zwischen 36 und 88 Jahren.

Polizei über mögliche Maßnahmen: „Eine absolute Sicherheit gibt es hier nicht“

Gegen Geisterfahrer sind in diesem Fall viele Maßnahmen zwecklos. Zwar habe die Polizei ein entsprechendes Einsatzkonzept mit dem Ziel, die Falschfahrt so schnell wie möglich zu beenden, um das Risiko für Beteiligte und Unbeteiligte zu minimieren. „Eine absolute Sicherheit gibt es hier, wie in den meisten anderen Lebensbereichen, nicht“, so der Polizeisprecher. Absichtliche Falschfahrten seien laut Polizei „höchst illegal“ und könnten wohl auch mit baulichen oder gestalterischen Maßnahmen nicht verhindert werden.

Bei unabsichtlichen Geisterfahrten habe es nach Aussage des ADAC aber bereits einige Maßnahmen – auch an der A94 – gegeben. Beispielsweise flächendeckende Maßnahmen, um Autofahrer bei der Orientierung besser zu unterstützen bzw. falsches Auffahren auf die Autobahn möglichst zu verhindern. „So wurden bereits zahlreiche Anschlussstellen ummarkiert. Die Ausstattung mehrerer Anschlussstellen im Zuge der A 3, A 8 und A 94 mit den sogenannten Geisterfahrerwarntafeln nach österreichischem Vorbild brachte leider nicht den erhofften Erfolg“, berichtet Hölzel.

Fahreignungstest eine Lösung?

Nachdem ältere Fahrer zu den Hauptverursachern gehören – wie auch in den zwei Fällen auf der A94 – stellt sich unweigerlich die Frage, ob ein Fahreignungstest eine sinnvolle Ergänzung wäre. „Ob eine Person geeignet zum Führen eines Kraftfahrzeuges ist, entscheiden die zuständigen Fahrerlaubnisbehörden. Die Polizei informiert, soweit Anhaltspunkte dafür festgestellt werden bzw. bei entsprechend schweren Verstößen immer, diese Behörden. Von dort aus können dann die notwendigen Schritte eingeleitet werden“, erklärt ein Polizeisprecher. An einer politischen Diskussion beteilige sich die Polizei jedoch nicht, sondern sie setze lediglich geltendes Recht um und kontrolliert gemäß den geltenden Bestimmungen.

Der ADAC spricht sich dagegen klar gegen einen solchen Eignungstest aus. Entscheidend für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr sei nicht das Lebensalter, sondern neben dem Gesundheitszustand des Fahrenden auch die Fahrerfahrung. Die Gruppe der älteren Fahrenden zeichne sich in der Regel durch einen situationsangepassten Fahrstil sowie vorausschauendes Fahren aus und meide riskante Manöver. „Bisher entwickelte Testverfahren zielen darauf nicht ausreichend ab. Diese können dazu führen, dass geeignete Fahrende irrtümlich als ungeeignet eingestuft werden“, so Hölzel. Der ADAC empfehle aber allen Autofahrenden, sich freiwillig regelmäßig ärztlich untersuchen zu lassen. Dies gelte vor allem für das Sehvermögen, das naturgemäß mit zunehmendem Alter nachlässt.

jz

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