Wirbel um altes Video: Aber dass der Wolf bei uns unterwegs ist, bleibt wahrscheinlich

  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
    schließen

Funde von toten Schafen in Tirol und in Reit im Winkl sorgen für Unruhe unter den Almbauern. Ist ein Wolf der Täter, sind es gar mehrere Wölfe, die auf Jagd gehen? In Tirol ist man sich fast sicher - und spricht von konkretem Verdacht.

Update 29. Juni, 18 Uhr: 

Landesamt wird konkreter – DNA-Tests laufen

Hatte sich das Landesamt für Umwelt bislang eher zurückhaltend zum Vorhandensein von Wölfen in der Region geäußert, werden seine Ansagen zunehmend konkreter. 

Am Abend des Montags (29. Juni) folgte auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen die Bestätigung, dass sechs gerissene Tiere auf der bayerischen Seite des deutsch-österreichischen Grenzgebiets gefunden worden seien. "Experten vom Netzwerk Große Beutegreifer waren umgehend vor Ort, um den Sachstand zu begutachten und genetische Proben zu nehmen." 

Lesen Sie auch: Vermutungen um Wolf an der Hochries

Bereits vergangenen Freitag seien im Gemeindegebiet von Kössen/Tirol gerissene Schafe gemeldet worden. "Aktuell kann ein Wolf als Verursacher in diesen Fällen nicht ausgeschlossen werden", heißt es in der Sprecherauskunft. "Weitere Erkenntnisse wird die Analyse der genetischen Spuren am nationalen Referenzlabor bringen. Behörden, Interessensverbände und Vertreter von Nutztierhaltern wurden informiert." 

+++

29. Juni, 16 Uhr: 

"Konkreter Wolfsverdacht" in Tirol

„Eine Katastrophe ist das“, sagt Leo Mühlberger, „ich spüre Trauer und Wut.“ Was diese explosive Mischung in Mühlberger angerührt hat: der Anblick der vier toten Schafe, die zu seinem Bestand gehört hatten. Blutig, mit zerbissenen Kehlen, so liegen sie im Gras. „Aufgrund des Rissbildes ergibt sich ein konkreter Wolfsverdacht“, schreibt das Land Tirol in einer Pressemitteilung zu den toten Tieren.

Gefunden hat die Kadaver Arnold Egger, Obmannstellvertreter des Waliser Schwarznasenzuchtvereins in Tirol. „Wir waren ja seit vergangene Woche immer wieder auf Patrouille“, sagt Mühlberger, „und eine Drohne haben wir auch hochgeschickt.“ Grund sei der Zwischenfall zuvor in Walchsee gewesen, beziehungsweise: der Fund von drei toten Schafen dort, in der Nähe von Kufstein.

„Trauer und Wut“ verspürt Bauer Leo Mühlberger in Kössen. Foto: Arnold Egger

Almbauern fordern Abschuss

Auch in diesem Falle besteht Wolfsverdacht, die Ergebnisse der DNA-Analyse liegen jedoch noch nicht vor. Aus dem Grenzgebiet zu Bayern gab es schon zuvor Meldungen über Sichtungen eines Wolfes.

Der Almbauer Leo Mühlberger betreut in normalen Zeiten 90 Schafe auf seiner Naringalm bei Kössen in Tirol.

Jetzt sind nur noch 60 Tiere da, seine eigenen. Wer seine eigenen Tiere in die Obhut von Mühlberger gegeben und auf die Alm hat treiben lassen, hat sie ins Tal geholt. Dorthin, wo sie sicher sind oder zumindest sein sollten. Es ist die Furcht vor dem Wolf, die Almbauern wie Mühlberger und Egger umtreibt. „Wir hoffen, dass wir bald eine Reaktion der Regierung bekommen und es beispielsweise eine Freigabe für den Abschuss gibt“, sagt Egger.

Zurückhaltung in Augsburg

Während sich das Land Tirol recht konkret zur Möglichkeit von Wölfen in der Region geäußert hat, gibt das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg zurückhaltende Auskünfte. Ein Handyvideo und Fotos eines großen, wolfsähnlichen Tieren hatten bereits vor zwei Wochen im Hochriesgebiet für Unsicherheit gesorgt. Das Landesamt aber hatte das Vorkommen eines Wolfes in der Region nicht bestätigen wollen.

Richtig sicher kann man sich nur sein, wenn DNA eines Wolfes  oder ein Wolfskadaver gefunden wird. Dass die verwackelten Fotos und Filme weit entfernt vom Format eines Grzimek-Tierfilms sind, will niemand bestreiten.

Ebenso aber scheint unter Almbauern und Jägern Einigkeit zu herrschen, dass sich das Landesamt offensiver einsetzen könnte. „Jetzt wären die Wolfsbeauftragten gefragt“, sagt Franz Sommer von der Jägervereinigung Rosenheim, „aber die müssen eben auch herkommen.“ Lohnen würde es sich seiner Ansicht nach. Sommer geht von „zwei, wenn nicht gar drei Wölfen“ in der Region aus. Von Seiten des Landesamtes für Umwelt hieß es hingegen: "Vertreter des Netzwerks ,Große Beutegreifer' stehen mit den betroffenen Almbauern im Kontakt."

Schlechter: Video zeigt nicht Reit im Winkl

Die Verunsicherung ist groß unter den Almbauern. Videoclips wie der, der seit kurzem in Facebook kursiert, beunruhigen die Menschen in der Region weiter. Da sieht man, wie ein großes wolfsähnliches Tier ein totes Schaf von einer Wiese zerrt. Aufgenommen wurde der Clip angeblich vor kurzem in Reit im Winkl.

Ort wie auch Zeitpunkt sind fraglich. Von Seiten des Landesamtes heißt es, dass das Video in Enneberg/Südtirol aufgezeichnet wurde und dass es mindestens ein Jahr alt ist. Bereits vor einem Jahr machte es die Runde.  „Reit im Winkl ist das sicher nicht“, sagt auch Bürgermeister Mathias Schlechter. Eine derart großkalibrige Schneekanone, wie sie auf dem Video-Still zu sehen ist, gebe es auf Gemeindegrund nicht. 

Was er bestätigen könne: In Reit im Winkl seien tote Schafe gefunden worden, mit Rissspuren eines wolfsähnlichen Tieres. Die Kadaver würden nun vom Landesamt auf Wolfs-DNA untersucht. Es wäre der sichere Nachweis. Der aber kann dauern. Mit fünf bis sechs Wochen Beareitungszeit rechnet Schlechter.

Kommentare