Wolfsschutz soll gelockert werden

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Kontrollieren und notfalls erschießen: Für die Berliner Große Koalition ist der Wolf nicht sakrosankt. Foto: dpa

Vor allem in SPD-regierten Bundesländern sind Wolfsrudel ein stark diskutiertes Thema. Dadurch ist der Schutzstatus des Raubtiers plötzlich zum Thema in den GroKo-Verhandlungen geworden. Die Richtung ist klar: Der Abschuss problematischer Tiere soll erleichtert werden.

GROKO-VERHANDLUNGEN

München/Berlin – In Bayern wird die Zahl wild lebender Wölfe aktuell auf weniger als zehn geschätzt, das erste Wolfsrudel hat sich nach Tschechien verflüchtigt. In Niedersachsen jedoch sind gut 150 Wölfe unterwegs, in Brandenburg sind es mindestens 22 Rudel, 2016 rissen sie 143 Schafe und 16 Kälber. Das erklärt vielleicht, warum SPD-Unterhändler den Umgang mit dem laut EU-Recht streng geschützten Tier in die Berliner Koalitionsrunden eingebracht haben.

Am Freitag gab es erste Ergebnisse, die Umweltschützer nicht begeistern. Der niedersächsische Umweltminister und SPD-Unterhändler Olaf Lies fasste das so zusammen: „Wir müssen die Ausbreitung des Wolfes managen, auffällige Wölfe müssen konsequent kontrolliert, zügig vergrämt und nötigenfalls erschossen werden, um eine Gewöhnung der Wölfe an den Menschen zu unterbinden.“

In einem Zwischenstand der Koalitions-Unterhändler heißt es, die Sicherheit der Menschen habe „oberste Priorität“. Die auch aus Umwelt- und Naturschutzgründen wichtige Weidewirtschaft dürfe nicht beeinträchtigt werden. „Der Schutz der Nutztiere muss verbessert werden, Kosten für Schutzmaßnahmen sowie Schäden müssen schnell und vollständig ausgeglichen werden.“ Der Bund werde die Länder dabei unterstützen. „Wölfe, die die empfohlenen Schutzmaßnahmen für Weidetiere mehrfach überwinden, sollen entnommen werden“, heißt es. „Der Bund wird dazu kurzfristig mit den Ländern einen Kriterien- und Maßnahmenkatalog abstimmen.“

Eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz lehnte Lies ab. Diese Forderung hatte die FDP im Bundestag aufgestellt. Ihr Antrag wurde am Freitag diskutiert und zur weiteren Beratung in die Ausschüsse verwiesen – Ausgang offen.

Naturschützer in Bayern sehen die Entwicklung mit Sorge. Andreas von Lindeiner, Wolfsexperte im Landesbund für Vogelschutz, kann die Forderung nach einer Bejagung des Wolfes nicht mehr hören. Es sei in Bayern schon jetzt möglich, wirklich „problematische“ Wölfe zu „entnehmen“. Aber er sagt auch, dass die Wolfspopulation in Bayern noch „ein ganz zartes Pflänzchen“ sei, das nicht gefährdet werden dürfe.

Der Abschuss oder (wenig realistisch) das Fangen von Wölfen ist im bayerischen Wolfs-Managementplan der Stufe 2 geregelt. Zurzeit ist eine Fortentwicklung, der Plan „Stufe 3“, der Zankapfel zwischen Agrar- und Umweltministerium – ein erster Entwurf wird behandelt wie ein Staatsgeheimnis. Kein Geheimnis ist allerdings, dass Agrarminister Helmut Brunner (CSU) auf die Vereinbarung von „wolfsfreien Zonen“ drängt – während seine Kollegin Ulrike Scharf (CSU) der Meinung ist, dass ein Wolfs-leben im Prinzip auch im Alpenraum möglich sein sollte.

Die Almbauern sind eher auf der Seite von Brunner, halten jedoch die Forderung nach einer „wolfsfreien Zone“ für eine Illusion, wie Brigitta Regauer sagt. Die Almbäuerin aus der Nähe von Bayrischzell (Kreis Miesbach) ist Wolfsbeauftragte des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Durchziehende Wölfe seien wohl im Alpenraum nicht zu verhindern. Wichtig sei aber, dass sie sich nicht fest ansiedeln. Regauer fordert Weideschutzgebiete und betrachtet die Berliner „GroKo“-Verhandlung skeptisch. Es sei zwar gut, dass das Thema in Berlin angekommen sei. Doch allein mit mehr Schutzmaßnahmen für Landwirte, etwa Geld für Zäune oder den Kauf von Herdenschutzhunden, sei es auf unwegsamen Almen nicht getan.

„Wir müssen langfristig die Weidehaltung sicherstellen“, sagt Markus Peters vom Bayerischen Bauernverband. Das sei die oberste Maxim. Er traut der „GroKo“in Berlin nicht so ganz. „Der Lackmustest wird sein, ob man sich dann auch in Brüssel für die notwendigen Änderungen einsetzt.“ Denn zum Beispiel die europäische Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie schütze die Ansiedlung der Wölfe.  dw/dpa

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